8. Nocturnal Culture Night – Ein persönlicher Rückblick

Gespannt waren wir, Nordish und meine Wenigkeit. War es doch das 1. Mal, dass wir auf diesem Festival waren. Klein und familiär sollte es sein. Das war Neuland für uns, haben wir uns doch bisher immer um die größeren Sachen, wie z.B. WGT und M’era Luna gekümmert. Doch es war ein Fehler, die letzten Jahre nicht hier gewesen zu sein. Mit 1500 Besuchern, mitten in der Natur gelegen, haben wir uns wirklich wie in einer großen Familie gefühlt. Auch waren viele Kinder mit dabei, in tollen Klamotten und stets vernünftigerweise mit Gehörschutz ausgestattet. Über einen kleinen Mann, werde ich später noch etwas schreiben. Immer wieder begegnete man den gleichen Leuten und das war gut so. Man kommt sich schnell näher, schließt schnell Bekanntschaften. Und das Line-Up, ein Traum. 2 Konzertbühnen, bei denen es keine Überschneidung gab, eine Kulturbühne mit Lesungen und Modenschauen, ein kleiner Mittelaltermarkt und Imbissbuden mit allem was das Herz begehrt. Lediglich die Verkaufsstände für Gothic Fashion und dem entsprechenden Zubehör waren etwas dünn besiedelt. Aber das war nicht weiter schlimm. Vor der kleinen Bühne wurde es ab und an kuschelig, die große Bühne, ein Amphitheater, bot jedem den perfekten Blick. Das Programmheft übersichtlich gegliedert, im perfekten Hosentaschenformat mit Beschreibungen jeder Band.

Zugegebenermaßen, aus arbeitstechnischen Gründen konnten wir uns nicht alle Bands anhören, doch über die, welchen wir beiwohnten, möchte ich hier berichten.

Freitag, 06.09.2013

Die Anfahrt aus Leipzig, ein Klacks. Gut ausgeschildert und mit genügend Parkplätzen ausgestattet. An der einzigen Bändchenausgabe ging es wirklich schnell, da könnte sich so manch‘ anderer Festivalveranstalter mal ein Beispiel nehmen. Auch die sonstigen Crewmitglieder inkl. Security haben tolle Arbeit geleistet. Vielen Dank dafür.SONY DSC SONY DSC

 

 

 

 

 

 

Seelennacht

Schade, schade. Nein nicht die Band, sondern, dass sie noch bei Tageslicht ihren wirklich großartigen Auftritt hatten. Ich kannte die Band vorher nicht, doch was ich hörte und sah, hat mich NCN 06-09-2013_0001begeistert. Das Leitbild von Marc Ziegler ist Steampunk, umgesetzt als Romantic Futurepop. Wer einfach mal dem stressigen Alltag entfliehen und träumen möchte, sollte sich diese Musik zu Gemüte führen. Sie spielten sowohl Songs aus den bisher erschienenen Alben, als auch vom, im Oktober erscheinenden „Zeitenwende“. Die Songs zum größten Teil eher ruhig aber nie langweilig.

NCN 06-09-2013_0009MRDTC

Eine erstklassige Mischung aus Oldschool-EBM und Oldschoolelectro. Aber das war auch nicht anders zu erwarten, treffen doch 2 großartige Künstler aufeinander: Christoph Lemke (Mr. Dupont) und Tino Claus (Amnistia). Sie spielten wirklich gute EBM, welche die Zuschauer zum Tanzen brachte.

 

TorulNCN 06-09-2013_0022

Dass aus Slowenien wirklich guter Electropop kommt, bewies diese Band. Jeder Ton, auch die hohen, saß einfach perfekt. Ein absoluter Hochgenuss. Die Band machte zudem einen sympathischen Eindruck. Und mit dem Cover des Liedes „Mad World“ (VÖ  1982 by Tears for Fears) war einfach nur noch Gänsehautfeeling angesagt. Weiter so!

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Wenn Mastermind Jan L. sagt:“Deutschland braucht Hilfe, Deutschland braucht Bewegung“ dann steht keiner mehr still. Die Zuschauer haben sich helfen lassen und bewegten sich, aber richtig. Dies war kein „Scary looking thing“ sondern einfach nur die Musik zur Apokalypse. Wenn diese kommt, gehen wir unter, aber nicht sang- und klanglos, sondern mit dieser perfekten Mischung aus Rhythm’n‘ Noise und Techno.

Roter Sand

Seit dem 1. NCN dabei, waren sie auch diesmal wieder einer der absoluten Headliner. Im prall gefüllten Amphitheater, welches zur angebrochenen Nacht passend in tiefrotes Licht getaucht war, erhob sich die Band aus der SONY DSCUnterwelt. Roter Sand weiß sich sowohl musikalisch als auch menschlich perfekt in Szene zu setzen. Sie spielten mit den Fotografen im Pressegraben, sprachen das Publikum direkt an. Niemals wirkten sie abgehoben, sondern einfach nur fan-nah. Sie gaben ihre bekanntesten Titel zum Besten, z.B. „Lost“, aber verloren hat sich hier wohl keiner gefühlt. Es war einfach nur richtig, dieses Konzert erleben zu dürfen.

SONY DSCTyske Ludder

Ich muss aus dem Programmheft zitieren: „Ihr musikalisches Leitbild entwickelte sich im Laufe der Jahre (begonnen hat die Band Anfang der 90ger. Anm. der Red.) von harten Electroklängen zu einer Art ominöser Tanzmusik irgendwo zwischen Industrial und dem Aroma einer Atombombe“. Jedes Wort davon ist wahr. Wie eine Atombombe stürzten sie auf uns ein, animierten das Publikum mit „Wacht auf!!“ obwohl hier sicherlich keiner der Zuschauer geschlafen hat. Eingehüllt in geheimnisvollem Nebel, der von Laserstrahlen durchbrochen, einfach nur ein geniale Atmosphäre zauberte, sehnt man sich nach der aktuellen EP „Bambule“ nach einem neuen Album. Bitte, bitte.

Diary Of Dreams

Es war zu lang, das instrumentale Vorspiel war einfach zu lang. Die Spannung war kaum noch auszuhalten. Adrian Hates und seine tolle Band, sie lieferten eine Show der Extraklasse ab. Ich habe männliche Zuschauer, eigentlich doch eher hartgesotten, so manches Tränchen verdrücken sehen. Irgendwie haben ja alle auf den Traumtänzer gewartet, aber Punkt 23:59 Uhr wurde der Stecker gezogen und somit blieb keine Zeit mehr. Sehen wir es mal so: Vielleicht sollten sie auch weg vonNCN 06-09-2013_0146 diesem Image, vielleicht haben sie es auch satt, immer dieses Lied zu spielen. Die lebenden Legenden haben bereits eine lange Reise hinter sich, sind aber noch lang nicht am Ende angekommen. Endlich! 2014 gibts ein neues Album und eine dazugehörige Tour. Danke für dieses tolle Konzert.

 

Samstag, 07.09.2013

NCN 07-09-2013_00011Terrolokaust

Die Spanier hatten es gar nicht verdient, nur auf der kleinen Bühne aufzutreten. Aber wahrscheinlich hatten die Veranstalter Angst, dass das Amphitheater zusammenbricht. Denn diese Band macht ihrem Namen alle Ehre, Terror pur. Eingehüllt in harte Beats, aber dennoch mit erstaunlich melodischem Gesang, sind sie der pure Alptraum. Wie sagte Nordish so schön, als er, mit Gehörschutz ausgestattet, aus dem Fotograben kam: „Gehört hab ich nix, aber die Eier haben vibriert“ Damit dürfte alles gesagt sein .

Lord of The Lost

Die Hamburger Band startete mit kleinen technischen Schwierigkeiten, aber was solls? Die Jungs machen ansonsten hörenswerten Dark-Rock, gemischt mit einem Hauch von orchestralen Elementen und Elektronik. SONY DSCMega-sympathisch und absolut mitreißend boten sie dem begeisterten Publikum eine Ausnahmeshow: „Mitten ins Herz und voll in die Fresse“ (Zitat Programmheft NCN8)

 

 

SONY DSCFrozen Plasma

Wie wir doch alle auf diese Band warten mussten. Nicht nur, weil wir hofften, bei ca. 28 Grad in der Sonne ein wenig frostige Abkühlung zu bekommen, sondern auch, weil die Band erst mit 15-minütiger Verspätung beginnen konnte, aufgehalten durch den Zoll. Die Band nahms locker, die Zuschauer auch: „Dann müssen wir halt schneller spielen“. Um die Hitze zu vertreiben, meinte Felix Marc auch: „Lasst uns Wind machen“. Mmh und irgendwie war ja auch beim klatschenden und mit den armen wedelnden Publikum ein leichter Windhauch zu spüren. Aber gereicht hats trotzdem nicht, denn bei Frozen Plasma ist es ausgeschlossen, dass nicht wirklich alle das Tanzbein schwingen. Natürlich gabs auch „Warmongers“ und „Murderous Trap“ zu hören. Bald soll es ein neues Album geben, so versprach die Band. Na dann los, wir warten sehnsüchtig.

Lights of EuphoriaSONY DSC

Die Opas im Musikgeschäft der schwarzen Elektroszene. Das bezieht sich allerdings nur auf die Dauer der Jahre, die Torben Schmidt und Jimmy Machon bereits zusammen Musik machen. Auf das Aussehen bestimmt nicht. Sie schienen auch nach ihrer 5 jährigen Pause und der Rückkehr 2012 immer noch frisch und knackig zu sein. Die aktuelle EP “ Schwarze Sonne“ aus der sie ebenso Songs spielten, wie aus Veröffentlichungen vergangenener Tage, war ein guter Vorgeschmack auf das kommende Album und macht Lust auf mehr.

SONY DSCHocico

Ganz ehrlich, was erwartet ihr von mir, was ich hier schreiben soll? Eine der bekanntesten Bands der Gothic-Electro-Szene, mit Anbruch der Nacht auf die Massen mit hämmernden Beats einstürmend, war einfach einer der Höhepunkte des diesjährigen NCN. Die Massen bewegten sich und auch nach Ende der Show hüpften die inneren Organe noch eine ganze Weile weiter. Jaja, die äußeren auch.
Sonntag, 08.09.2013

Die Rostigen LöffelSONY DSC

Sorry Jungs, das war wohl noch nix. Ich bin immer bereit, Newcomern eine Chance zu geben, vor allem wenn sie ihren, soweit ich das richtig mitbekommen habe, allerersten Auftritt beim NCN hingelegt haben. Nun gut, das Lampenfieber war hoch, aber es kann eigentlich nie so hoch sein, dass man völlig leidenschaftlos und eintönig einen musikalischen Einheitsbrei auf die Bühne bringt, die sich für mich überhaupt in gar keine Richtung bringen lassen. Die Texte ohne jegliche Tiefgründigkeit einfach nur dahin gesungen. Hey, ihr habt da 2 Gitarren auf der Bühne, ’n Lappi und n Sänger, der , wenn er sich denn endlich in einer Musikrichtung heimisch und somit wohl fühlen würde, auch etwas rüber bringen kann.  Ich hab mich durchs Publikum und deren Meinung gefragt: Jungs, da muss was passieren, ansonsten könnt ihr den musikalischen Löffel bald wieder abgeben. Sie schienen den höflichen, aber eben verhaltenen Applaus ebenso gespürt zu haben, wie auch die ungläubigen Gesichter des Publikums, ob das jetzt ihr Ernst ist, denn nach dem letzten Lied kam nur noch: „So das war’s. Ciao.“ Und weg waren sie.

SONY DSCLow Fi

Irgendwie waren sie ja schon süß, die Zwillinge Alessandro und Adriano und auch das dritte Mitglied Fabio, alle aus Neapel. Sie gehen sicherlich als absolute Teenieschwärme durch, doch dass sie noch mehr können als das, bewies ihr Auftritt allemal.  Sie bewegten sich irgendwo zwischen Electro und New Wave und das erstaunlich gut. Eingängige Melodien, gesungen von einer gut trainierten Stimme, verbanden sich mit Gitarren und Synthiklängen zu einer durchaus hörbaren Musik. Ich denke, auf diese Jungs sollte man ein Auge haben, sie beschreiten einen guten Weg.

UnzuchtSONY DSC

Dieser Auftritt hatte es in sich, frenetisch bejubelt, von Fans, die sich vor der Bühne drängten, ließen die Jungs es krachen. „..wir haben die Sonne umgebracht..“ – Wie wahr, die gelbe Sau hatte sich hinter dicken Regenwolken versteckt, die ihren Frust an den Fans ausließen. Worüber? Na, dass sie nicht bei diesem tollen Konzert dabei waren. Wie in unserem Interview vor wenigen Tagen berichtet, erscheint demnächst ein neues Album, „Rosenkreutzer“ genannt. Bei ihrem Auftritt auf dem NCN gab es schon einige Kostproben. Man darf gespannt sein.

SONY DSCAutodafeh

Die Urväter des EBM, die Herren des Old-School-EBM. Großartig, diese Band aus Schweden, welche auch live ein absoluter Hochgenuss ist. Gängig, tanzbar, so wie man es sich vorstellt. Wenn auch nicht jeder Ton saß, es durfte gehüpft werden. „One man, one target…“- nämlich, dass EBM immer eine großartige Musikrichtung bleiben wird, der man sich einfach nicht entziehen kann. Ziel erreicht, würde ich sagen.

Heimatærde

Mit mystischen Klängen entflohen die Zuschauer in eine Zeit, lang vor der unsrigen. Die „Gotteskrieger“ lieferten eine tolle Show, inklusive einer toten Plüschratte, einer blutüberströmten Frau und einem hingerichteten NCN 08-09-2013 00386Ritter, sowie viel Kunstblut (hoffe doch dass es künstlich war) welches sie im dicht gefüllten Amphitheater verteilten. „Dein Opfer“ grüßt die Todgeweihten mit „Morituri Salutant“ auf der „Heimatærde“. Ganz einfach: Eine tolle Mischung aus elektronischen Klängen kombiniert mit mittelalterlichen Instrumenten. Gern könnt ihr dem Ritterorden beitreten: http://www.heimataerde-orden.com/.

 

NCN 08-09-2013 00547The Eternal Afflict

Ein wenig Gedanken machten wir uns wohl alle. Winus, Cyan and Per-Anders gaben wirklich alles. Sie nutzten die ganze Bühne aus. Sänger Cyan holte stimmlich alles heraus was menschlich nur möglich war. Dies führte zwar zu einem guten musikalischen Auftritt, aber auch öfter zu Niederknien, Erschöpfungszuständen und vielen Schweißperlen im hochroten Gesicht. Das machte sich teilweise irgendwann auch bemerkbar. Die Power in der Stimme ließ merklich nach. Doch Cyan gab nicht auf, bewundernswert hartnäckig zeigte er seinen Fans, dass er sein ganzes Herzblut und seine Kraft in diese Musik und für seine Fans gab. Erholt euch mal ein wenig, denn wir wollen noch sehr lange etwas von euch hören und sehen. Danke fürs Durchhalten, es war wunderbar.

Wir konnten leider nicht alles sehen, ich hab mir aber sagen lassen, dass auch die anderen Bands wie Camouflage, Eycromon, Elace, microclocks, com/kill, Philipp Boa & The Voodooclub, Rabia Sorda, Haujobb, Diorama, Aesthetic Perfection, Bloody Dead and Sexy, Alice Neve Fox und Thouxsense tolle Konzerte gegeben und ein begeistertes Festivalpublikum zurückgelassen haben.

 

Wenn ich hier nochmal den Bericht überfliege, ja da war noch was..Carlos ein kleiner Terrorzwerg von 6 Jahren mit silbernen Haaren und viiiiel schwarzer Schminke im Gesicht, hat uns die Zeit zwischen Konzerten immer wieder versüßt. Papa NCN 07-09-2013_00118SynthiePopper, Opa und Oma Teilzeit Goths, Mama eine wirklich tolle, die ihren Kleinen (noch) im Griff hat. Auch in die Schule geht Carlos am liebsten schwarz gekleidet, auch ein Teil der Kinderzimmerwand, nämlich der hinter dem Bett, ist schwarz.. Ihr seht also, wir müssen uns um unseren Szenenachwuchs keine Sorgen machen.

Zusammenfassend betrachtet muss ich sagen: Ich ärgere mich. Ich ärgere mich, dass ich nicht schon viel früher hier gewesen bin. Ich hab garantiert die letzten Jahre etwas verpasst. Darum seid euch sicher, wir sind nächstes Jahr wieder dabei.

In den nächsten Tagen werden auch noch Galerien folgen.

1278400_200867176756041_1152013647_nEure Lady Sonea und Nordish (Photographer)

©alle Fotos Copyright by Nordish exklusiv für www.dark-news.de

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Dieser Beitrag wurde entweder offiziell von mehreren Mitgliedern aus unserer Redaktion verfasst oder stammt von einer ehemaligen Redakteurin bzw. einem ehemaligem Redakteur. Mehr zu unserem Team findet ihr bei "über uns" & "sei dabei".

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Galerie: Indiebase Festival – 44 Leningrad // Megaton

44 Leningrad   Megaton

  • The Eternal Afflict ist einfach Hammer. Wir freuen uns schon aufs Konzert am 26.10.2013 im B6 in Goslar.
    Zusammen mit Schwarzbund, Nautilus 2 und Angelstrife wird das garantiert ein Wahnsinnsabend.

  • Guido

    hallo ihr 2…ich Guido (ihr erkennt mich an der 242 unter dem LSC Securty-Logo),kann euch nur gratulieren das ihr es geschafft habt nach Deutzen zu kommen.
    Ich selbst komm aus der Szene und steh seit 4 Jahren an der Bühne als Sec,für mich ist das NCN eines der besten Festivals die es gibt.Sehr familieär abwechslungsreich und auf jedenfall eine Reise wert.Ich habe im laufe der Jahre viele Leute dort kennen gelernt die jedees Jahr wieder kommen (so wie ich).So kommt man sich näher,grad auch im Pressegraben.Von dort sind mir einige sehr ans Herz gewachsen.
    Schade das ihr es nicht geschafft habt alles zu sehn,was möglich wäre aber man doch ab und wann abgehalten wird,wie z.B. ein besuch bei pavel am Stand-habt ihr sicher auch kennen gelernt.

    Selbst was ihr über Carlos geschrieben habt,mit desen Dad ich durchs NCN befreundet geworden bin.Kann man nichts hinzufügen-der größte jüngste Combichrist Fan den ich kenn.

    Seit lieb gegrüßt,Guido.

    ähmm…nehmt es mir nicht übel,aber ich euer Bild mit meinen Freund Micha und mir geklaut 😉