Adversus - Der Zeit abhanden

Adversus – Der Zeit abhanden (Review und Kritik)

Adversus - Der Zeit abhanden

Die Dunkelromantiker Adversus melden sich pünktlich zum Weihnachtsfest mit ihrem fünften Studioalbum „Der Zeit abhanden“ zurück, das in einer Aufmachung erscheint, die ihresgleichen sucht. Die CD mit dem Untertitel „Elf Märchen für Entflohene“ besteht aus elf Stücken und erscheint mit einem 160 Seiten umfassenden Buch, mit elf zu den Songs passenden Kurzgeschichten, in einer schmucken Box.

Das Album beginnt mit einem „Prolog“, einem satt orchestrierten Instrumentalkracher, der wie die Filmmusik zu einem Fantasy Epos klingt und den Hörer gebührend auf ein märchenhaftes, ja beinahe episches, Konzeptalbum einstimmt.

Mit „Gespinste“ geht es auf hohem Niveau weiter. Das Stück wird orchestral eröffnet, dann werden mit Torsten Schneyer alias Rosendorns Shouts zusammen mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug härtere Töne angeschlagen. Über all dem schwebt Sängerin Aysels opernähnlicher Gesang.

Eine Melodie, die an Schandmaul erinnert, ein eingängiger Refrain und das Wechselspiel von Aysels und Rosendorns Gesang machen das nachfolgende fröhliche Lied „Brüder“ zum unbestrittenen Highlight der Scheibe.

„Unter den Hüllen“ wird von Rosendorns Shouts bestimmt und ist insgesamt düsterer als der Vorgängersong. Durch den Einsatz von Synthesizern entsteht ein solider Gothic Metal Song, der mit seinem Klang stark an das Samsas Traum Album „Tineoidea“ erinnert.

Violine und Flöte eröffnen „Einer Nacht Gewesenes“, ein Mid-Tempo Duett zwischen Aysel und Rosendorn. Der Song ist ganz nett anzuhören, bleibt aber kaum im Ohr.

Darauf folgt mit „Entropia“ ein fröhliches Instrumental, in dem alle Musiker der Band ihr Können unter Beweis stellen dürfen, wobei die Violine mit einem Thema, das an „Brüder“ erinnert, besonders heraus-sticht.

„Ein Ding im Spiegel“ sorgte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von „Der Zeit abhanden“ mit seinem schrägen Musikvideo, aufgrund der Mischung aus Realfilm und Animationsgeschichte, für Gesprächsstoff. Der Song selbst ist, mit seinem durchschnittlichen Refrain, der wenig eingängigen Melodie und dem, im Vergleich zum restlichen Album, eher schwachen Text leider weniger aufregend.

Die Ballade „Das Mädchen mit den Grablichtern“ ist dagegen schon spannender anzuhören. Sie beginnt mit

Adversus

glockenhellen Klängen und erinnert an den Soundtrack eines Tim Burton Films. Aysels Gesang, die eingestreuten Einsätze Rosendorns und die Streicher geben dem Lied einen märchenhaften Klang.

Märchenhaft geht es weiter: „Feuersbrunst im Jammertal“ wird durch gefühlvolle Violinenklänge eingeleitet, bleibt dann aber leider auf dem Niveau eines durchschnittlichen Songs. Der Track hat dabei dasselbe Problem, wie schon „Ein Ding im Spiegel“ – Refrain, Melodie und Text klingen durchschnittlich, der Song bleibt dementsprechend kaum im Ohr.

„Dies‘ minniglich‘ Lied“ fängt mit zauberhaftem Melodiespiel an, Aysel setzt ein mit klarem Gesang, bis Rosendorn mit seinen Shouts das Ruder übernimmt. Das Wechselspiel der beiden Sänger und vor allem Aysels Stimme, die viel angenehmer klingt, wenn sie nicht opernhaft singt, laden zum Träumen ein.

Das anschließende „Kellerkind“ ist eine wunderschöne Gothic Ballade, in der Mastermind Rosendorn, der hier ausnahmsweise mal nicht shoutet, gefühlvoll singt und dabei in den Strophen abwechselnd von Klavier und Violine begleitet wird.

Im Gegensatz zu seinem ruhigen Vorgängerstück beginnt „In des Hades Tiefen“ mit aggressiven Shouts. Nach einem Orchesterpart übernimmt Aysel, bis Rosendorn mit einstimmt. So liefern Adversus mit dem letzten Song auf „Der Zeit abhanden“ erneut einen ordentlichen Knaller mit mitreißendem Gesang, einem Refrain mit Ohrwurmcharakter und eingängigen eingestreuten Orchesterparts.

Ein Instrumentalsong („Epilog“) lässt das Album gebührend ausklingen und rundet  das Gesamtkunstwerk so perfekt ab.

Fazit: Mit „Der Zeit abhanden“ liefern Adversus das perfekte Weihnachtsgeschenk für Fans dunkelromantischer Musik ab. Vor allem die Aufmachung mit Buch und CD in edler Box machen dieses Konzeptalbum zu einem ansehnlichen Gesamtkunstwerk. Doch auch musikalisch weiß die CD zu überzeugen.

So laden die brachialen Orchesterpassagen, die mittelalterlichen Melodien und die märchenhaften Texte zum Träumen ein. Adversus präsentieren sich dabei zwar abwechslungsreich, wiederholen sich aber auch leider oft selbst, so dass einige Lieder des Albums sehr ähnlich klingen. Zudem ist der opernhafte Gesang der Sängerin Aysel gewöhnungsbedürftig und kann nach einiger Zeit schon etwas nerven. Trotzdem ist „Der Zeit abhanden“ für Liebhaber schwarzromantischer Klänge auf jeden Fall zu empfehlen.

Trackliste „Der Zeit abhanden“:

  1. Prolog
  2. Gespinste
  3. Brüder
  4. Unter den Hüllen
  5. Einer Nacht gewesenes
  6. Entropia
  7. Ein Ding im Spiegel
  8. Das Mädchen mit den Grablichtern
  9. Feuersbrunst im Jammertal
  10. Dies‘ minniglich‘ Lied
  11. Kellerkind
  12. In des Hades Tiefen
  13. Epilog

Spielzeit: 77:25

8 / 10

Anspieltipps:

Gespinste

Brüder

In des Hades Tiefen

Dies‘ minniglich‘ Lied

Erscheinungstermin:

03.12.2010

Adversus – Offizielle Homepage

Adverus bei Myspace

About nattfoedd

Ich heiße Johanna, bin einundzwanzig Jahre alt und studiere Medien und Kunst in Braunschweig. Meine Wohnung habe ich mit Filmplakaten tapeziert, meine DVD-Sammlung platzt aus allen Nähten und ich besitze mehr Bandshirts als andere Mädchen Unterwäsche. In meiner Freizeit arbeite ich als Videothekarin oder schreibe Texte für Dark News.

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  • Si

    „Der Zeit abhanden“ ist klasse, die hier vorliegende Rezension hingegen ist insgesamt als ungenügend einzustufen. Das beginnt bei groben Schnitzern wie „mit ihrem fünften Studioalbum“ und endet bei Verfehlungen wie der Nichtbeachtung des Buches sowie liebloser Kurzabfertigungen der Musikstücke, die weitaus mehr verdient hätten. Was soll’s… gutes Personal ist eben selten.