Alcest - Le Secret 2011
Alcest - Le Secret 2011

Alcest – Le Secret (Review und Kritik)

Alcest - Le Secret 2011
Alcest - Le Secret 2011

Der Franzose Neige gehört wohl zu den Leuten im Black Metal, um den ich den bestehenden Personenkult nie nachvollziehen konnte. Ohne sein Schaffen in Gruppen wie Peste Noire unter den Scheffel kehren zu wollen – Alcest sowie Amesoeurs konnten mich nie wirklich überzeugen und Lantlôs sind auf dem neuen Album mit seiner Stimme schlichtweg langweiliger geworden. Sein derzeitiges Hauptprojekt erfreut sich dennoch bei vielen immer größer werdender Beliebtheit, was wohl nicht zuletzt ansporn dafür war die Debüt EP „Le Secret“ noch einmal in einem neuen Klang-Gewand zu repräsentieren.

Das Cover der Erstauflage
Das Cover der Erstauflage

Gilt der Mann und seine hochgelobte Band heute als Inbegriff des modernen (Post) Black Metal, hatte auch das Projekt Alcest einmal ziemlich bodenständig und näher an den schwarzmetallenden Wurzeln seinen Anfang gefunden. Und wie es bei Underground Veröffentlichungen nun einmal meistens ist, erscheinen (zumindest die ersten) Platten noch in vergleichsweise geringer Auflage. Wer 2005 schon einen guten Riecher gehabt und zugeschlagen hat, kann sich sicher glücklich schätzen, eins der damals nur 1000 erschienenen Exemplare ergattert zu haben. Viele spätere Fans guckten natürlich in die Röhre oder waren gezwungen horrende Preise hinzublättern.

Zumindest bis zum April diesen Jahres. Das neue Album steht schon in den Startlöchern, und als kleinen Vorgeschmack macht der Franzose seinen treuen Anhängern eine besondere Freude in dem er die rare Scheibe nicht nur wieder-veröffentlicht, sondern gleich komplett neu aufnimmt.

Neige
Neige

So werden beide Versionen in direktem Kontrast zueinander stellt  wobei sich einem ein kleiner Rückblick auf sechs Jahre Alcest bietet, in denen die Band deutlich gewachsen ist. Die neue Version des Titeltracks „Le Secret“ klingt aufpoliert, reifer und wesentlich besser produziert als das was einem das Original bietet. Großartige Änderungen am Song selbst wurden dabei nicht vorgenommen. Lediglich das verträumte Intro aus Naturgeräuschen wurde (warum auch immer) gestrichen. Ein Abzug der meiner Meinung nach nicht hätte sein müssen, gab er der Urversion doch gleich einen sehr sympathischen Einstieg.

Auch gesanglich hat sich Neige in der verstrichenen Zeit seit der Erstauflage merkbar verbessert. Da das Stück überwiegend von Alcest-typischen Klargesang dominiert wird, ist es für mich persönlich absolut nicht interessant. Wie zu Beginn schon angemerkt, ist die verletzlich wirkende Stimmlage Neiges Überhaupt nichts für mich und hat mir diese Band sowie seine Nebenprojekte trotz bemerkenswerter instrumentalisierung immer ziemlich madig gemacht. Glücklicherweise fährt der zweite Titel „Elevation“ nach einem etwas längerem Synthie-Intro eine deutlich härtere Schiene. Und auch hier hat der Mann alles ausgebügelt was ein Kritiker zu bemängeln haben könnte. Kam in der 2005er Version der übergang in „härtere“ Gefilde aprubt und scheppernd, geht man hier schon wesentlich professioneller vor und gibt sowohl Neueinsteigern als auch Verehrern seiner Werke wie etwa dem „Meisterwerk“ „Écailles de lune“ einen guten Einblick darauf wie Alcest 2011 zu klingen hat. Jetzt bleibt einem nur noch sich bis zum Erscheinen der neuen Scheibe mit diesen zwei (oder vier) Stücken zunächst über Wasser zu halten.

Fazit: Ich persönlich werde mit der Musik von dem Mann wohl nie so wirklich warm werden… „Le Secret“ hat mich wieder daran erinnert was mich davon abgehalten hat mir sein letztes Album zuzulegen – die absolut grausame Stimme im Klargesang. „Elevation“ hingegen macht auch mir sehr viel Spaß, und rein instrumental bewegt sich dieser Mann einfach auf einem so extrem gehobenen Niveau dass ich kaum meckern kann. Wem sein letztes Album gefallen hat, der wird diese EP auf jeden Fall mögen. Aber auch Anhängern der ersten Versionen sollten an den beiden Tracks im neuen Gewand gefallen finden. Ich werde das neue Album abwarten und dann einen weiteren Versuch starten mich mit dieser Band anzufreunden.

Dennis "Bieberpelz" KnollAnders… als mein Vorredner bin ich von der Musik Alcest, dem Album Écailles de lune und ihrem Live-Auftritt sehr angetan. Ich mag diese klaren Vocals, die sehr verschwimmende und verträumte Musik und erst recht diese neue Moderne innerhalb Black Metal verwandter Musik. So sagt mir dieses Re-Release von „Le Secret“ auch deutlich mehr zu und die Punktezahl wäre bei mir wohl um einen Punkt gestiegen. Die Gegenüberstellung der alten Stücke mit den Neuaufnahmen/Neu-produzierten Liedern zeigt deutlich die Entwicklung der Band in einer kurzen(mit über 50 Minuten Spielzeit doch langen) EP. Ich bin von diesem Werk sehr angetan und auch jeder – der diese Musik oder die Band mag – wird um diese EP nicht herum kommen. Erst recht nicht die Menschen, die eines der damaligen Exemplare ergattert haben. Sich diese Entwicklung anzuhören ist einfach verdammt interessant.

Titelliste von „Le Secret (2011)“

  1. Le Secret (Re-recorded)
  2. Elevation (Re-recorded)
  3. Le Secret (Original)
  4. Elevation (Original)

( 7,5 / 10 )
( 7,5 / 10 )

Anspieltips:
Entfallen bei gerade mal zwei Stücken wohl.

Erscheinungstermin:
April 2011

http://www.myspace.com/alcestmusic

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