Amon Amarth - Once sent from the Golden Hall

Amon Amarth – Once sent from the Golden Hall (Review und Kritik)


Amon Amarth - Once sent from the Golden Hall
Amon Amarth - Once sent from the Golden Hall

Was? Once sent from the Golden Hall? Jeder Amon Amarth-Kenner wird sich über die Verspätung dieses Reviews wundern, da das Originalalbum ja bereits 1998 released und gefeiert wurde. Dieses Album stellte den ersten großen Erfolg der schwedischen Melodic Death Metal-Band mit Viking-Einflüssen dar und wird in einer Reihe von anderen Amon Amarth-Platten neu herausgebracht. Geldmacherei? Oldschool-Revival? Irgendeinen triftigen Grund muss es ja geben. Unter welchem Vorwand dies geschieht, erfahrt ihr sogleich.


Neben Once sent from the Golden Hall werden auch noch „The Avenger“, „The Crusher“ und „Versus the World“ neu herausgebracht. Als ich die „Neuerscheinung“ zum ersten Mal in den Händen hielt war ich leicht skeptisch, ob es nicht doch unnötig ist. Wollten sie mich mit Schlagworten wie „Strictly Limited“ nur locken? Ich weiß es bis heute nicht, da muss sich jeder seine eigene Meinung drüber bilden.

Aber nun wird sich erstmal dem Album an sich gewidmet. Die wichtigste Neuerung: Es ist ein 2CD-Package. Auf der ersten CD sind die original Albensongs von 1998, bei denen extra für den Newrelease im Studio digital nachgebessert wurde. Auf CD Nummero 2 findet man einen Live-Mitschnitt des Auftritts in Bochum, „Bloodshed over Bochum„. Das hört sich noch recht nett an, Live-Mitschnitte sind, sofern man sie mag, generell sehr unterhaltsam. Als Bonustrack erhält man auf der ersten Scheibe die deutsche Version der Amon Amarth-Hymne: „Siegreicher Marsch„.


Sänger Johan Hegg
Sänger Johan Hegg

Sobald man aber die Hülle aufklappt, so kommt einem direkt ein Pappaufsteller in Miniaturgröße entgegen. Dieser zeigt immer ein Bandmitglied, in diesem Fall ist es Gitarrist Olavi Mikkonen – leider sind sie nicht beschriftet, sodass ein Laie kaum eine Möglichkeit zur sofortigen Identifikation hat. Dieses Pappmännchen misst knappe 10cm und stellt einen von 2 optischen Kritikpunkten dar. Ein absolut nutzloses Anhängsel, was man nach dem ersten Anschauen ignoriert und sofort den nächsten Haken sieht: Das Booklet ist doch tatsächlich am Package befestigt. Der Sinn dahinter verschließt sich mir immernoch, es wirkt total unpraktisch und umständlich, dort die Texte zu lesen. Wäre es nicht weitaus sinnvoller gewesen, dass Booklet zum Herausnehmen zu konzipieren?


Nun aber genug an der Optik rumkritisiert – widmen wir uns der musikalischen Seite des Albums. Wie wir es von den schwedischen Jungs gewohnt sind, befindet sich auf „Once sent from the Golden Hall“ kein Stück Klargesang. Verglichen zu den späteren Alben hingegen ist der Gehalt der Screams noch recht hoch und überwiegt beinahe die Growls, die Sänger Johan Hegg professionell in Szene setzt.
Das besondere Highlight ist meiner Meinung nach jedoch der Gitarrist Olavi Mikkonen, der seine Soli auf jedem Song des Werkes eindrucksvoll durchzieht und den typischen Amon Amarth-Klang erzeugt. Dieser entsteht durch den rauen Gesang Heggs, gepaart mit den passenden Drums und den äußerst melodischen Gitarrenklängen, die gerne mal in ein Solo auslaufen.


Olavi Mikkonen
Olavi Mikkonen

Es scheint das Schicksal einer jeden Viking-Band zu sein, irgendwann mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden. Durch einige uninformierte Kritiker wurden auch wieder Amon Amarth ins Kreuzfeuer genommen – Schuld daran ist der Song „Friends of the Suncross„. Das sog. Suncross, dementsprechend Sonnenkreuz, ist heutzutage ein Symbol der rechten Bewegung. Kennen sicherlich einige, es ist im Grunde nur ein Kreuz im Kreis, einem Fadenkreuz ähnlich. Oft wird es auch als Hakenkreuz oder ähnliche Symbole dargestellt. Allerdings beziehen sich die 5 Schweden auf die Zeit, in der das Zeichen von den Kelten genutzt wurde als sog. Keltenkreuz. Diese Anschuldigungen jedoch weichen stark von der Realität ab, sodass wir uns lieber weiter der Musik widmen.
Ein besonderes Schmankerl ist vor allem der Bonustrack. Hier hat die Band „Victorious March“ völlig auf Deutsch vertont. Man mag da von einer schwedischen Gruppe kein wirklich gutes Deutsch erwarten, aber Hegg singt dort authentischen, einwandfreien deutschen Gesang – wenn man von einigen Aussprachefehlern absieht – und bringt das Stück überraschend glaubwürdig rüber. Die restlichen Songs des Albums sind hörenswert, es gibt keinerlei Platzfüller. Kaum überraschend ist die Oberflächlichkeit der Texte, sie handeln wiedermal von den Wikingern und dem Norden, was wiedermal das Unwollen von Viking-Metal seitens Amon Amarth in das Lächerliche rückt.


Ohne langes Gerede kommen wir nun zur eigentlichen Neuheit: dem Live-Mitschnitt. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich da etwas mehr erwartet. Es ist im Grunde genau der Studiosound, mit einigen Zwischenrufen Heggs, Publikumslauten und Ansagen versehen. Dies muss aber keineswegs etwas Schlechtes sein! Dies heißt lediglich, dass sie ihre Stücke live genauso gut umsetzen wie auch im Studio – und das mag was heißen. Mikkonen spielt seine Einlagen gleichsam souverän und begabt wie während der Studioaufnahmen, zudem merkt der Hörer geradezu wie viel Mühe und Herzblut die Gruppe in die Auftritte steckt und dementsprechend der Masse einheizt. Respekt dafür!

Fazit:

Skaal
Skaal

Alleine wegen der unverschämten Gründe für die Neuauflage hätte das „neue“ Stück eine schlechte Bewertung verdient. Diese Pappfigur ist lächerlich, das Booklet unpraktisch und wirklich was verbessert wurde an der Qualität nichts. Die Live-CD jedoch konnte überzeugen – ist ein sehr nettes Extra, was durchaus des Anhörens wert ist. Diese schlechte Wertung bekäme es auch, würde mir das Grundwerk nicht so verdammt zusagen. Die Songs sind toll (wobei die späteren Alben sogar noch Bessere haben) und die Melodik ist ganz im Amon Amarth-Stil. Wer jedoch das Album bereits besitzt, dem rate ich vom Kauf ab. Ein Grund für einen Neukauf (immerhin teurer als das Ausgangsalbum) ist die Live-CD nicht, nur für Amon Amarth-Fans und die, die es werden wollen, ist es wirklich interessant. Die Laufzeit jedoch mag jedoch mehr als annehmbar sein: Beide CDs zusammen bieten insgesamt über 90 Minuten Hörspaß.


Trackliste (Alle Songs bis auf „Siegreicher Marsch“ sind auf CD2 als Live-Mitschnitt):

  1. Ride for Vengeance
  2. The Dragon’s flight across the Waves
  3. Without Fear
  4. Victorious March
  5. Friends of the Suncross
  6. Abandoned
  7. Amon Amarth
  8. Once sent from the Golden Hall
  9. Siegreicher Marsch (Bonustrack)


( 7 / 10 )
( 7 / 10 )

Anspieltipps:
Siegreicher Marsch, Amon Amarth, Friends of the Suncross


Erscheinungstermin:
2.3.2009

Amon Amarth Homepage
Amon Amarth auf MySpace

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