„…and now to something completely different“ : Hille Perl

„Ein Klassik-Album auf Dark News?“ – werden nun  wohl viele als erstes denken. Keine Angst, hier geht`s weder elitär noch weltfremd-abgehoben zu. Zumal man bedenken sollte, dass unsere heutige Musik in der Klassik ihren Ursprung hat.

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Bei „Born to be mild“ handelt  es sich um das aktuelle Projekt von Hille Perl, bei der es sich um niemanden Geringeren als DIE Weltklasse-Musikerin an der Gambe handelt. (Für alle, die mit dem Wort nix anfangen können: die Gambe ist ein historisches Streichinstrument, das beim Spielen zwischen den Knien gehalten wird.)

Typisch für Hille Perl ist, dass sie sich in keine Schublade pressen lässt, sondern sich in den unterschiedlichsten Stilrichtungen immer wieder neu erfindet und ausprobiert. Gemeinsam mit ihrem Mann Lee Santana und Tochter Marthe geht es nun in Richtung elektronische Klänge.

Auf die Idee, eine Gambe elektronisch zu verstärken, und mit Effekten aus der Rockmusik zu arbeiten, muss man erstmal kommen – für Puristen der alten Musik-Szene ein Sakrileg! Im Fall von Hille Perl kann man das Ergebnis als total abgefahren, aber auch als absolut gelungen bezeichnen.

Da werden Gambenwerke aus dem englischen Frühbarock mit „Wahwahs“ versehen, die berühmte Melodie von „Greensleeves“ mutiert , begleitet von Santana an der E-Gitarre, zur Rockballade. Es gibt mit Stücken von Charlie Haden Ausflüge in Richtung Jazz und auch die sog. Weltmusik ist mit maurisch-orientalischen Elementen vertreten („Katip Türkü“). Die große, auf Effekt getrimmte Rock-Action ist von drei Musikern nicht zu erwarten, da ist der Albumtitel „Born to be mild“ Programm.

Mein Fazit: Mittelalter-Fans und Freunde elektronischer Klänge werden auf ihre Kosten kommen, und wer die Möglichkeit hat, Hille Perl einmal live zu erleben, der sollte das unbedingt tun!!

Tracklist:

01. Canto
02. Alas My Love
03. Palhaco
04. Molly Halfpenny (Carolan’s Dream)
05. Muzette for 2
06. Hit It in the Middle
07. Touch Me Sweetly
08. La vignon
09. Monsieur de Vaucel
10. Zeus: Jupiter Omnibus Maximus
11. Amsterdam
12. Pascal’s Gaillard
13. Virtual Pearl
14. Saltarello
15. Katip Türküsü
16. Maquam Hijaz (Hijazkiar)
17. A Spiritual Song for Sleeping (Alla Nanna)
18. Silence

 

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Erläuterung zur Viola da Gamba:


„Die Viola da Gamba zählt zu den ältesten Streichinstrumenten der Welt. Sie kam über das arabische Andalusien zu uns nach Mitteleuropa. Man nannte sie „Viuhela“ und sie wurde entweder „da mano“ gespielt (als Laute) oder „d’arco“ mit dem Bogen gestrichen (als Gambe). Dank der kulturellen Melange auf der iberischen Halbinsel zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert entwickelte sich die Viola da Gamba zu´einem der gleichermaßen vielsaitigsten wie -seitigsten Instrumente der Neuzeit. Und sie wird allen zeitgeschichtlichen Veränderungen zum Trotz bis heute in den verschiedensten Erscheinungsformen überall auf diesem Planeten gespielt: als persische Kamancheh, als Erhu oder Matouquin in China, als arabische Rebab, als Morin chuur oder Pferdekopfgeige in der Mongolei. Ein Welt-Musikinstrument im besten Sinne des Wortes.“

About Frau Heinerich

das - und nicht nur das - bin ich: ehemalige Klosterschülerin, Studien u.a. in Musik und Geschichte betrieben, nun magistra scholae, Haus- und Gartenfrau, Muse, schwarze Seele,Metalhead & Nerd in Sachen alter Musik, Seelentherapeutin, Eventmanagerin, Mudditaxi und Schreiberling

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