Angelspit – Hideous and Perfect (Review und Kritik)

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Angelspit - Hideous and Perfect

Irgendwie lustig, dass eine eigentlich sehr amerikanische Industrial-Band, die prima ins Ministry- und Skinny Puppy-Umfeld passt, als die neue Rock’n’Roll-Revolution angepriesen wird. Denn an Angelspit ist eigentlich gar nichts revolutionär, weder, dass die Beats aus Geräuschen einer Werft in Sydney entstanden – Das machten Depeche Mode bereits anno dazumal – noch, dass die Vocals und Synthielinien zerhackt wurden und man Stakkatohafte Gitarren unterlegte. Waschzettel beiseite kann ich aber sagen, dass „Hideous and Perfect“ ziemlich gut wurde, und schon „Krankhaus“, das erste Album (Der Nachfolger „Blood Death Ivory“ ist komplett an mir vorbeigegangen – das werde ich nachholen) fand ich ziemlich cool.

Dass Angelspit dabei kein noch so abgedroschenes Klischee abarbeiten, das Marylin Manson oder Ministry bereits vor gefühlten Jahrhunderten abarbeiteten, macht da eigentlich gar nix. „Fuck the Revolution“, „Channel Hell“, „Let them Eat Distortion“, „Cold Hard Cash“, soweit bekannt, soweit unprovokant. Aber was die großartige Pagan Love Songs Compilation bereits für den Old-School-Goth war, das ist „Hideous and Perfect“ für Menschen, die sich noch daran erinnern können, dass Marylin Manson mal ansprechende Musik machte: Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, durch den man in eine Zeit transportiert wird, als man mit Industrial noch keine verzerrten EBM-Beats meinte und Noise noch tatsächlich maschineller Lärm war.

Dementsprechend finde ich das Album: An sich gut, aber irgendwie von gestern. Da ich aber musikalisch von Vorgestern bin, macht das nix, denn Heute war gestern noch morgen, oder so. Und so klingen Angelspit seit jeher: Irgendwie verstaubt, aber mit angenehmem Retrocharme gesegnet, schließlich ist die Hochzeit genannter ohrenscheinlicher Vorbilder schon lange vorbei, Ministry gingen in die ewigen Jagdgründe ein, Marylin Manson tourt als Parodie seiner Selbst durch die Lande und Skinny Puppy lassen sich Zeit mit neuem Material.

An der Klasse des Materials ändert das aber nix. Nicht direkt

Fenriz
Fenriz

eingängig ist das Album – Es braucht durchaus mehrere Anläufe, um vollständig erschlossen zu werden – aber interessant: „Fink“ zollt Ministry Tribut (man höre auf das Riff, das aus dem Evergreen „N.W.O.“ stammen könnte), „Fuck the Revolution“, „Channel Hell“… Diese Nummern würde ich am ehesten zum Reinhören empfehlen, da diese am wenigsten komplex sind und einen ganz guten Überblick verschaffen. Wenn man aber nicht gerade auf diese Sounds steht, könnte es anstrengend werden, denn nicht jeder Song ist ein Treffer.


Tracklist:

  1. Ditch the Rest
  2. Cold Hard Cash
  3. Fink
  4. Fuck the Revolution
  5. On Earth
  6. Making Money
  7. Sleep Now
  8. Channel Hell
  9. Let them Eat Distortion
  10. Hyperlust
  11. Princess Chaos feat. Donna Lynch
  12. As It Is In Heaven
(7/10)
(7/10)

Anspieltipps:

– Fink
– Fuck the Revolution
– Channel Hell

http://www.myspace.com/krankhaus

http://www.angelspit.net

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