Angmar - Zurück in die Unterwelt

Angmar – Zurück in die Unterwelt (Review und Kritik)

Angmar - Zurück in die Unterwelt
Angmar - Zurück in die Unterwelt

Bei manchen Bands weiß man schon anhand des Debuts, von denen wird man noch viel zu hören bekommen. Leider bestätigt sich diese These in vielen Fällen nur bedingt. So sind die nach Tolkiens Hexenkönig benannten Franzosen Angmar nach „Metamorphosis“ nicht zu dem Ruhm gekommen, den sie eigentlich verdient hätten. „Metamorphosis“ ging vielleicht auch aufgrund des damaligen noch nicht ganz so weitläufigen Bekanntheitsgrades des Labels Northern Silence ziemlich unter. Mit „Zurück in die Unterwelt“ kehrt man nun unter der Flagge Ketzer Records wieder und legt eine Schippe drauf, was packendes Songwriting und Tiefgang betrifft.


Was zunächst schleppend und eher depressiv aus den Boxen in die Unterwelt kriecht und tiefen cleanen Gesang auf den Weg mitgibt, verwandelt sich nach dreieinhalb Minuten in ein rasendes Inferno aus Melodie, unbändigem Geknüppel und gekreischtem Wehklagen. Der zwölf minütige, den Reigen eröffnende Titeltrack kann sich, was Dramatik, Geschwindigkeit und die nötigen Ruhepausen betrifft, jedenfalls mit den momentan so beliebten Amerikaner Wolves in the throne roomlocker messen. Somit dürfte auch klar sein, dass ein nebenbei Hören logischerweise nicht drin ist, sonst laufen die Melodie- und Spannungsbögen am Hörer nur so vorbei und man täte der Band schrecklich Unrecht. Ein bisschen irritiert bin ich immer, wenn ein Song ausfadet und plötzlich doch noch einmal zurückkehrt. Will man damit künstlich in die Länge ziehen, oder besitzt das irgendeinen Sinn, denn so hat man das Gefühl den Franzosen fehlte einfach die passende Überleitung zum Ende. So endet das erste Stück, wie es begann, heimlich still und leise.

Angmar
Angmar

Mit „Stabat Mater“ beweisen die Franzosen jedenfalls, dass sie auch über kürzere Spielzeit zu überzeugen wissen. Der wohlbekannte Stimmungsstrudel zieht einen in die Tiefe und spuckt einen erst bei der entfesselt gespielten und mit zünftigen nordischen Riffs versehenen Machtpassage zur Mitte des Stückes wieder aus. In den Hintergrund gemischte Chöre und das perfekt umspielende Drumming geben dem Stück das, was es braucht, einen eigenen Charakter. Ihr Meisterstück liefern Angmar aber wohl mit dem überlangen „Perdition“ ab. Hier wird innerhalb von zwanzig Minuten mit so viel Einfühlungsvermögen eine traurige Grundstimmung aufgebaut, über die ersten acht Minuten immer wieder mit ruhigen, sensiblen Tönen intimisiert und schließlich durch einen unglaublich intensives Riff zum emotionalen Ausbruch angeleitet. Wenn man vergleichen wollte, müsste einem ehrfurchtsvoll WeaklingsDead as dreams“ in den Sinn kommen, welches zwar noch etwas tiefgreifender und experimenteller wirkt, doch Angmar kommen der tristen Stimmung aber verdammt nahe und erschaffen mit dem aufwühlenden Schluss ein Ende nach Maß.

Angmar - Metamorphosis aus dem Jahre 2005
Angmar - Metamorphosis aus dem Jahre 2005

Daraufhin das doomige „Unborn of the ancient times“ zu setzen ist genau der richtige Schritt, denn, nach den zwanzig Minuten „Perdition„, benötigt man eine gewisse Reduktion, eine nötige Abwechslung, welche durch impulsive Ausbrüche gen Mitte, wenn man sich wieder etwas beruhigt hat, ihre volle Tragweite erst erreicht. Es ist schon beeindruckend, wie die Franzosen einen ganzen Sack voll Riffs aus dem Hut zaubern, perfekt gelungene Breaks einflechten und auch diesen zehn minütigen Hammer in einer Art und Weise durchziehen, dass einem Sehen, aber sicherlich nicht Hören vergehen vermag. Die Produktion mag recht roh erscheinen, aber sämtliche Details sind hervorragend herauszuhören, vor allem das Bass Spiel setzt eigene Akzente. Organisch und Atmend.

Die beiden kurzen Stücke (wenn man über fünf Minuten als kurz bezeichnen kann) „13ème Rêve“ und „Asthénie„, können nicht ganz an die überlangen Songs heranreichen, verstehen es aber schnell auf den Punkt zu kommen und alle Stärken der Franzosen zu komprimieren. Das abschließende „Lachrimae mundi“ serviert dem Hörer letztendlich den dramatischen Höhepunkt des Albums, welcher sich vor allem durch die gelungenen Männerchöre heraus hebt. Selten hat man so etwas aus Frankreich in der Intensität erleben dürfen und ein ewiges Talent wie Himinbjorg hat es leider niemals geschafft fast siebzig Minuten durchgehend so stark zu füllen, wie es Angmar mit Bravour vollführt haben.


iskharian3Fazit: Für mich kommt der momentan beste Black Metal eindeutig aus Frankreich (und natürlich aus unserem Lande!), diese Meinung hatte ich zwar schon vor „Zurück in die Unterwelt„, aber dieser intensive Kraftbolzen von einem Album versetzt mich in so helle Aufregung, dass ich gar nichts anderes sein kann, als schlichtweg völlig begeistert. Stimmung, Songwriting, Produktion, das alles geht sich absolut perfekt zusammen. Jetzt noch etwas mehr experimentellen Wahnsinn und ich bin bereit den 10er zu zücken!


Trackliste:

  1. Zurück in die Unterwelt
  2. Stabat mater
  3. Perdition
  4. Unborn of the ancient times
  5. 13ème Rêve
  6. Asthénie
  7. Lachrimae Mundi


9/10
9/10

Anspieltipps:

Stabat mater, Lachrimae Mundi, Perdition

Erscheinungstermin:

1. September 2009

Angmar Myspace

Angmar Homepage

Ketzer Records

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