Anima Virus – End of all Eden (Review und Kritik)

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Anima Virus - End of all Eden

Wieder eine Band, die schon ewig existiert, von der ich aber noch nie etwas gehört habe, das wird allmählich seltsam. Seit 1996 geistern die Italiener Anima Virus schon durch die Gebiete Death Rock, Synthiepop, Industrial und Gothic. Wo doch alles fast das gleiche meint, eigentlich nur Aufbauscherei. Wenig neues also aus Übersee. Allerdings muss das nichts schlechtes bedeuten, schließlich ist es schwer, heutzutage noch neue Stile zu erfinden – Und ich erwarte nicht einmal etwas zwingend neues, um überzeugt zu werden, es muss nur hängen bleiben, das „gewisse Etwas“ haben, das okaye Bands von durchschnittlichen abhebt.

january19032009
Coole Brille.

Leider geht genau das Anima Virus größtenteils ab. Sehr viele Songs des Albums sind bestenfalls Durchschnitt. Es geht sehr experimentierfreudig zur Sache, die richtigen Vorbilder hat die Band laut „Waschzettel“ auch – Christian Death, Depeche Mode, The Cure und Bauhaus, doch erinnern kann man sich an die Songs nicht. Die ersten beiden Songs des Albums machen das Problem am besten deutlich. „Days of Ice“ und „Black Lines“ stören nicht, sind einfach nur da und tun auch sonst nix. Erst recht nicht im Ohr festsetzen – Zu verkrampft wirkt  der Versuch, derzeit angesagter Clubmusik (Moment, sagte ich derzeit angesagt? Nine Inch Nails und Marylin Manson hört man in keinem Club mehr) mit Post Punk und Death Rock zu verbinden. Nicht Fisch, nicht Fleisch also, was die Italiener hier bieten. Und nicht mal sonderlich schlecht oder gut auffallend.

Vielmehr plätschert das alles eher unspektakulär vor sich hin. Man hört eigentlich durchständig Synthiebeats, eine viel zu weit in den Hintergrund gemischte Gitarre, relativ unspektakulären Gesang und einen Keyboard-Effekt hier und da. Wie so etwas richtig geht, haben Nine Inch Nails – In diesem Falle statt Christian Death und genannten die beste Referenz – bereits vorgemacht. Der American-Industrial-Zug ist abgefahren – NIN machen auf unbestimmte Zeit Pause, Ministry haben sich beerdigt und sogar ein aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen erfolgreicher Trittbrettfahrer wie Marylin Manson betreibt aktive musikalische Rufzerstörung. Warum Anima Virus dem Zug hinterherrennen, ist mir absolut schleierhaft. Aus dem Einheitsbrei gibt es aber doch noch ein paar okaye Songs. „Sin and Sacrifice“ z.B., das man ohne Probleme in Clubs spielen könnte, oder das sehr Cure-eske „The Hunt“. Doch um komplett zu überzeugen, ist das ganze schlicht zu charakterlos.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Anima Virus rennen einem abgefahrenen Zug hinterher, doch ganz kommen sie nicht unter die Räder. Sie schlucken allerdings den Staub, den andere, stilistisch vergleichbare Bands hinter sich lassen. Die Konkurrenz, die die 80er weit authentischer wiederbelebt und die andere Konkurrenz, die Electro Rock weit interessanter gestaltet, lässt Anima Virus beide male ihren Staub schlucken, während sie mit einem fröhlichen Meep-Meep in Richtung Sonnenuntergang verschwindet. Welchen Weg man nun mitgehen will, weiss die Band wohl nicht, und so bleibt eigentlich nur eines: Netter, unspektakulärer und im schlechteren Sinne antiquierter Industrial Rock amerikanischer Prägung, der allenfalls ein Thema für ganz fanatische Fans werden sollte. Ich weiss jetzt, warum ich von dieser Band noch nie etwas gehört habe. Sie haben einfach nichts besonderes.

Tracklist:

  1. Days of Ice
  2. Black Lines
  3. Sin and Sacrifice
  4. Metaphora
  5. An Old Wisdom
  6. The Gust of the Wind
  7. Bed of Thorns
  8. Zdislav Beksinski
  9. The Hunt
  10. Amphetamine
  11. Blood from Heaven
  12. Siren
  13. Killing Moon
  14. Adam
5/10
(5 / 10)


Highlights:

– Sin and Sacrifice
– The Hunt

www.animavirus.com

Veröffentlichung: bereits erschienen

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