Anne Clark - "The Smallest Act of Kindness"

Anne Clark – The Smallest Act of Kindness (Review und Kritik)

Anne Clark - "The Smallest Act of Kindness"
Anne Clark - The Smallest Act of Kindness

Auf das neue Album von der Grande Dame des Spoken Word-New Wave, Anne Clark, musste man lange warten. Ganze 13 Jahre immerhin ist es her, seit die kleine Engländerin aus dem wunderschönen London ihre letzte graue Großstadtimpression vertonte und an die Öffentlichkeit richtete.

Nun ist es aber endlich da. The Smallest Act of Kindness heißt es. Und schon vorab: Toll ist es. Und wie.

Bis auf das beinahe Gospel-Artige „As Soon as I get home“, das sie zusammen mit Pianist Murat vorträgt, finde ich keinen schwachen Song auf dem Album. Aber schon vorab: Wer von Anne Clark Eingängigkeit erwartet, wird zum größten Teil enttäuscht sein von diesem Album. Bis auf das recht flotte Boy Racing, dem Eröffnungssong Nothing going on und das sehr elektronisch geratene „Prayer before Birth“ sowie das bereits bekannte und vorab via Youtube schon anhörbare „Full Moon“, der Song für die Clubs, ist das Material eher ruhig und balladesk angelegt.

Bei vielen Songs gibt es so gut wie keine Electro-Elemente, wie sie z.B. der Klassiker „Our Darkness“ hatte, stattdessen wird das Klangbild hauptsächlich von Streichern, Piano und akustischen Gitarren getragen, die Annes prägnanten Sprechgesang und ihre (sehr lesenswerten) Texte sehr gut unterstützen. Melancholie prägt und dominiert den sehr warmen Klang des Albums.

Anne Clark
Anne Clark

Bei den wenigen Songs, wo tatsächlich Electroelemente dominieren, zeigt Programmierer Xabec, was er kann. Das ist eine ganze Menge. Wenn er nämlich (wie z.B. bei „Prayer before Birth“ oder „Nothing going on“) richtig zum Einsatz an den Synths kommt, strahlt das Album eine geradezu einzigartige Tristesse und graue Großstadtatmosphäre aus, die die warmen, eher versöhnlichen Songs sehr schön kontrastieren und das Album noch interessanter und facettenreicher machen.

Als Anspieltipps gebe ich hier unverbindlich die Songs „Prayer before Birth“, das nihilistische „Psalm“, ein Pamphlet gegen die Abstrusitäten der Weltreligionen, „Boy Racing“ und das eingängige, am ehesten als Hit des Albums zu bezeichnende „Full Moon“ an die Hand. Diese Songs sollten einen guten Eindruck über das gesamte Album bieten.

Fazit: Insgesamt hat sich das lange Warten mehr als gelohnt. Einen neuen Kracher im Stile eines „Our Darkness“ sucht man zwar vergeblich, dafür ist Anne Clark ein wunderschönes Album zum Selbstverlieren, Schwelgen und Zuhören gelungen, dem ich 9 von 10 Punkten gebe. So schnell wird dieses Album meine Anlage nicht mehr verlassen.

Tracklist:

  1. Nothing Going On
  2. The Hardest Heart
  3. Waiting
  4. Psalm
  5. Know
  6. As Soon As I Get Home
  7. Off Grid
  8. Boy Racing
  9. Zest!
  10. Prayer Before Birth
  11. Full Moon
  12. If
9/10
( 9 / 10 )

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