Apoptygma Berzerk – Rocket Science (Review und Kritik)

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Apoptygma Berzerk - Rocket Science

Als ich noch die Vorabsingle „Apollo (Live on your TV)“ hörte, war ich begeistert – Selten hörte ich so guten Electropop mit Gitarren. Insgesamt erschien mir die Single als eine Mischung aus seligen „Harmonizer“-Tagen und dem letzten, sehr sehr umstrittenen Album „You and Me Against the World“, das sich für meinen Geschmack doch ein wenig zu sehr an die Radiosender anbiedert. Eine gute Mischung zwischen Electro und Rock, die sowohl Herz als auch Hirn befriedigt zurückließ. Ich dachte mir ursprünglich, dass das Album den Kurs der Single fortführen würde. Nun, ich habe mich getäuscht- Anstatt nur einen Kompromiss zwischen den Radiorock und Electro zu schließen, ging man noch einen Schritt weiter zurück und setzte den Electro noch weiter in den Vordergrund als es noch auf der Single zu hören war.

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Apoptygma Berzerk

Zumindest in einer Hinsicht war „Apollo“ ein Vorbote: Das Thema des Songs, Massenmanipulation, setzt sich durch das ganze Album weiter fort. So haut der großartige Opener „Weight of the World“, der den alten Apop-Fan in höchste Sphären der Glückseligkeit katapultieren sollte – Sehr Future-Poppig angelegt und ein absoluter Ohrwurm – Textlich voll rein: „They thought-control us, 1984 is now“. Rumms. Das sitzt. Diese Art Sozialkritik setzt sich durch das ganze Album fort. Interessant ist da vor allem „United States of Credit“, ein Sample eines Priesters oder Predigers, der die Raumfahrt als „completely satanic“ verteufelt.

Soviel aber zum Konzept des Albums, lassen wir die Musik sprechen. Nun habe ich schon angedeutet, dass die Band einen Schritt in ihrer Entwicklung zurückgegangen ist und damit einen Riesenschritt nach vorne machte. Insgesamt ist „Rocket Science“ also sehr elektronisch geraten und mit vielen New Wave-Anklängen, die teilweise sehr kalt klingen, synthetische Bässe laden zum Tanzen ein, wie etwa in „Asleep or Awake?“. Besonders cool gelungen ist neben der ohrwürmeligen Singleauskopplung ist der coole, tanzbare Opener „Weight of the World“, das eingänige „Green Queen“, erwähntes „Asleep or Awake?“, „Black vs. White“ – Mit Dresden Doll Amanda Palmer am Mikro, das man kaum aus dem Kopf bekommt und „The State of the Heart“.


Fenriz
Fenriz


Fazit: Der Schritt zurück hat Apop gut getan, auf jeden Fall. Insgesamt wirkt das Album wie eine Best Of zwar ohne alte Songs, aber mit umso mehr großen Songs. Ein Album ohne Ausfälle, auch wenn das eine oder andere Lied im Vergleich etwas abfällt. Neben erwähnten New Wave-Anklängen hört man auch immer wieder Nine Inch Nails heraus, Joy Division sind bei fast jeder nichtsynthetischen Basslinie präsent. Während der umstrittene Vorgänger im Eiltempo ins Ohr und um so schneller wieder herausrauschte, braucht „Rocket Science“ doch ein paar Anläufe mehr- Zwar sind alle Songs eingängig, aber auf die Dauer interessant, abseits des Radios, das belanglose Apop-Songs wie „Shine Ontotdudelte und ein noch negativeres Bild auf das Album warf. Für mich ist dieses Album eine Riesenüberraschung, da es stärker ausfiel, als ich mir ausmalte. Eines der besten Apop-Alben bisher, das sich seine guten 9 Punkte redlichst verdient hat.

9/10
9 / 10

Homepage: http://www.theapboffice.com/

Release: 23.01.2009

Anspieltipps:

– Weight of the World
– Apollo
– Asleep or Awake
– Shadow
– Green Queen
– Black vs. White


Tracklist:

  1. Weight of the World
  2. Apollo (Live on your TV)
  3. Asleep or Awake?
  4. Incompatible
  5. United States of Credit
  6. Shadow
  7. Green Queen
  8. Butterfly Defect
  9. The State of your Heart (The Shit End of the Deal)
  10. Rocket Calculator
  11. Right
  12. Pitch Black / Heat Death
  13. Black vs. White
  14. Trash

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