Hälfte des Lebens
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Bacio di Tosca – Hälfte des Lebens (Review und Kritik)

Hälfte des Lebens
Hälfte des Lebens

Bacio di Tosca, ein Musikprojekt, das elektronische Elemente des  Dark Wave mit klassischer Musik verbindet und zudem Elemente des deutschen Kunstliedes aufweist. Dörthe Flemming, Mezzosopranistin, ist die Stimme dieses Klangprodukts und veröffentlicht nun nach „Der Tod und das Mädchen“ und „und wenn das Herz auch bricht“ das dritte Album, welches sich „Hälfte des Lebens“ nennt. Natürlich verdient eine solche Neuerscheinung eine gewisse Aufmerksamkeit und wird daher genauer betrachtet.

14 Titel zählt der Silberling und füllt damit fast eine ganze Stunde.
Der erste Titel den man auf der Neuerscheinung findet nennt sich „Das Herz ist mir bedrückt“, ein Gedicht das ursprünglich von Heinrich Heine stammt und die Erinnerung an die Vergangenheit, sowie die düster wirkende Gegenwart thematisiert, die nur durch die Liebe erträglich ist. Bacio di Tosca übermitteln diese Stimmung perfekt, während in der ersten Strophe die Stimme noch melancholisch klingt, wird sie in der zweiten bedrohlich, passend zur musikalischen Untermalung. Auch die geflüsterte Wiederholung des ersten Verses der zweiten Strophe untermalt die Bedrohlichkeit. Die letzte Strophe wirkt stimmlich hoffnungsvoller und ist damit dem Inhalt perfekt angepasst.
„Hälfte des Lebens“, für das Album betitelnd und ursprünglich von Friedrich Hölderlein, thematisiert es ein augenscheinlich naives Naturbild, welches jedoch einer tiefgreifenden Philosophie zu Grunde liegt. Dieses Bild zeigt Dörthe Flemming durch den traditionellen Kunstlied-Gesang. Das schöne Naturbild wird jedoch durch einen plötzlichen musikalischen als auch stimmlichen Bruch zerstört und eine düstere Atmosphäre erschaffen, auch zeigen sich hier mehr elektronische Einflusse.
Der dritte Titel nennt sich schließlich „Lamentation“ und ist das Gedicht „Das Glück ist eine leichte Dirne“, ebenfalls von Heine, eine Liebeslied, was durch die leicht euphorische, stark orchestrale Musik einen seltsam düsteren, aber dennoch amüsanten Charakter zeigt.

„Ist mancher so gegangen“ (Vischer) scheint zunächst ein Gedicht mit Erinnerung an die Kindertage, thematisiert jedoch viel düstereres, die Erinnerung an jene die bereits Tod sind. Diese Wende zwischen einer scheinbar schönen Erinnerung und der tatsächlichen Trauer schlägt sich auch musikalisch nieder. Die Stimme wirkt bedrückt und die Musik leiser, weniger pompös. Besonders auffällig ist auch das Bild der Kinderstimmen zu Anfang des Liedes, welches perfekt die Erinnerung an die Kindertage wiedergibt, geradezu einen Blick in die Gedanken des ‚lyrischen-Ich’ gibt.
Ein weiteres Naturbild wird in dem Titel „Himmeltrauer“ (Nikolaus Lenau) geschaffen, stellt aber tatsächlich ein abstrus wirkendes Bild einer weinenden Natur dar. Die düstere Stimmung wird durch das Piano und die dann einsetzenden Streicher, sowie die langsame, bedrückende Stimme wunderbar wiedergeben.
Mit „Vergebens“ (Felix Dörmann) folgt ein Lied, geprägt von Todessehnsucht. Durch die zu Beginn elektrische Musik und den verzweifelten Schrei und dem langsamen melancholischen Gesang erneut wunderbar wiedergegeben.
Es folgt erneut ein Lied, dass durch das Piano untermalt wird. Eine zunächst einfache Melodie, die Stimme klingt erschöpft. „Der Schmerz“ (Lenau), ein Lied das seinem Namen musikalisch ganz und gar nachkommt.
Mit „Rückgedenken“ (Hesse) wird erneut ein Naturgedicht vertont, dessen Inhalt sich um die Erinnerung an Naturerlebnisse, wie den Amselgesang, dreht. Allerdings auch die Vergänglichkeit des Menschen thematisiert und wie schnell eine einzelne Person vergessen ist.

Im nächsten Stück wird ein weiteres Gedicht von Hesse vertont. „Gestutzte Eiche“, nennt es sich, und ist ein weiteres Naturgedicht, welches düster und leidtragend ist, und durch die langsame musikalische Begleitung, sowie den eher gemäßigten Gesang deutlich wiedergeben wird.
Inzwischen bei Titel Nummer 10 angekommen findet man nun die Vertonung zu Emanuel Geibels „Reue“. Eine Melancholische Atmosphäre, wie schon in den vorhergehenden Liedern zeigt sich auch hier, welches sich diesmal jedoch durch den Einsatz eines Chores deutlich hervorhebt, welcher die Sprechrolle des Gedichtes verdeutlicht und dieser dadurch einen drohenden Charakter geben.
Das nächste Lied weicht durch die elektrischen Klänge nun vom bisher vorherrschenden traditionellen Charakter des Kunstliedes ab. „Ich war einmal“ (Bierbaum) ist das Lied, dass im Kopf bleibt und nicht mehr herausgeht. Es klingt düster, elektrisch, melancholisch, einfach eindringlich.
Mit Verborgenheit, welches von Eduard Mörike stammt, wird das bisher längste Gedicht vertont. Es klingt wieder traditionell wie ein Kunstlied und thematisiert wie schon zuvor die Liebe.
Mit „Die Weihe der Nacht“ (Hebbel) findet man nun einen Bonustrack auf dem Rundling und erinnert lyrisch ein wenig an ein Weihnachtsgedicht, was durch der Gesang und die musikalische Untermalung verstärkt wird. Auch Religion ist hier ein ausschlaggebendes Thema, was man von einer Band wie Bacio di Tosca nicht erwartet hätte.
Mit dem letzten Stück „Maria durch ein Dornwald ging“, einem der populärsten Weihnachts- und Adventslieder wird schließlich das Ende des Silberlings eingeläutet.

Fazit:
Bisher haben mich die Vertonung von Gedichten, sei es der „Erlkönig“ oder etwas in dieser Art immer abgeschreckt, weshalb ich mich von dieser Art Musik ferngehalten habe. Bacio di Tosca werfen jedoch ein ganz anderes, neues Licht auf die Gattung des deutschen Kunstliedes und lassen es zu einem echten Genuss werden. Für Gedichtliebhaber ist es ein wahres Muss, wer Musik mit klassischen Einflüssen mag sollte das Album ebenfalls erwerben. Mit „Hälfte des Lebens“ ist dem Musikprojekt um Dörthe Flemming ein wirklich beeindruckendes Klangwerk gelungen!

Trackliste:

  1. Das Herz ist mir bedrückt
  2. Hälfte des Lebens
  3. Lamentationen
  4. Ist mancher so gegangen
  5. Himmelstrauer
  6. Vergebens
  7. Der Schmerz
  8. Rückgedenken
  9. Gestutzte Eiche
  10. Reue
  11. Ich war einmal
  12. Verborgenheit
  13. Die Weihe der Nacht
  14. Maria durch einen Dornwald ging

Anspieltipps:
Muss im Ganzen genossen werden

Veröffentlichung:
5.Februar 2010

Homepage Bacio di Tosca
MySpace Bacio di Tosca

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