Castle Rock Festival 2009

Bericht: Castle Rock Festival 2009 – Böse, böse Wetter

Castle Rock Festival 2009
Castle Rock Festival 2009

Das eigentlich winzig kleine Castle Rock im Zentrum des mehr oder minder beschaulichen Mülheim an der Ruhr, ganz in der Nähe von Essen der Kulturhauptstadt 2010, wurde, wohl zur Überraschung vieler, von den Orkus-Lesern zu einem der 10 besten Festivals Deutschlands erkoren. Wenn man bedenkt, wie klein es eigentlich ist – Der Innenhof des Schloß Broich ist nicht gerade groß – muss man den Veranstaltern, die jedes Jahr mit einem recht guten Line-Up locken können, einen riesigen Respekt aussprechen, und auch dieses Jahr, am 3. und 4. Juli 2009, in der zehnten Runde, konnte man mit neuen Attraktionen und natürlich auch Bands locken, wie zum Beispiel die Verlängerung des Festivals um einen Tag.

Castle Rock Festival 2009
Castle Rock Festival 2009

3.7.2009

Dieser besagte Tag, der quasi „geschenkt“ wurde, fing recht spät an und bot auch „nur“ 3 Bands: Die Metallspürhunde, von denen ich wohl nie müde werde, zu sagen, dass sie derzeit die beste Elektro-Metal-Band sind, die es gibt, die A-Capella-Metaller von Van Canto und die Norweger von Gothminister als Headliner.

Den Auftakt machten gegen 6 Uhr die Metallspürhunde, und die bösen Wetter, die sowohl die Hunde auf ihrem neuen Album „Böse Wetter“ als auch die Wetterberichte prophezeiten, kamen tatsächlich, in Form eines mittleren Weltuntergangs. Bereits nach dem ersten Song – Passenderweise eben „Böse Wetter“ – fing es an zu regnen, und es sollte sich

Metallspürhunde
Metallspürhunde

immer weiter steigern, bis der Veranstalter das Konzert unterbrach und den Besuchern das Schloß zur Verfügung stellte, um vor dem mittlerweile badewannenweise herunterkommenden Regen zu fliehen. Wie es weiterging, wusste so recht keiner, schließlich wurde es lange nicht besser, doch als nach einem scheinbar endlosen und ziemlich heftigen Gewitter die Ankündigung kam, dass es weiter ging, stürmten alle wieder vor die Bühne, und auch die Metallspürhunde konnten ihren Gig bis zum Ende durchspielen. Ein großes Lob an die Veranstalter, die diesen wirklich heftigen Regenguss so souverän bewältigt haben und keine Band dafür leiden ließen. Die Spürhunde machten ihrerseits das Beste aus der Situation und schlugen im Publikum voll ein.

Van Canto
Van Canto

Die nachfolgenden Van Canto, das muss ich dazu noch sagen, sind eigentlich alles andere als mein Geschmack. Es gibt meiner Meinung nach nichts affigeres, als eine bereits enorm affige Band wie Manowar in A-Capella-Versionen zu würdigen. Dementsprechend groß war auch der Trashfaktor der Band – Auch, wenn die Musik von Van Canto hand- bzw. mundwerklich große Klasse ist und viele Anhänger hat, ich flüchtete lieber zusammen mit Loki und Metallspürhunde-Sänger Michel vom Gelände für ein Interview. Ich blieb jedoch lange genug, um noch eine tolle Version von Nightwishs „Wishmaster“ (leider nicht in der „Hamster – A Dentist“-Version) mitzubekommen.


Gothminister
Gothminister

Zu Gothminister, den Headlinern des Tages, war ich rechtzeitig wieder da. Auch, wenn die Musik eher was für Ultrabanause Base ist, der von stumpfen Riffs und grummelndem Gesang eine Latte von fast Baseballschlägerausmaßen bekommt (Er ist übrigens Single), muss ich sagen, dass Gothminister ihre Sache als Liveband sehr gut machen. Frontmann Björn Alexander Brem ist ein charismatischer Blickfang mit guter Stimme, die Musik ist durch und durch partytauglich, wenn auch ein wenig plakativ. Dennoch: Ein großer Auftritt, der mir immerhin verständlich macht, warum Gothminister so eine große Fangemeinde haben. Trotzdem werden die wohl ewig bei mir unter „Nicht mein Fall“ laufen.

Castle Rock Festival 2009
Castle Rock Festival 2009

4.7.2009

Tag 2 begann etwas früher, gegen 1 Uhr. Die erste Band, Do Not Dream, fiel leider einem Stau und nach dem gestrigen Unwetter wirklich ekligen Zugverbindungen zum Opfer („Infolge von Unterspülungen der Gleise hält dieser Zug heute nicht am Mülheim Hauptbahnhof und Essen Hauptbahnhof“). Der aber anwesende Kollege Zendijian berichtete von einem guten Auftritt der Band, die etwas angehärteten Gothic Rock mit deutschsprachigen Texten bot. Hab ich wohl was verpasst, aber zum Glück war Zendijian ja da um einen kleinen Bericht abzugeben:

Castle Rock Festival 2009
Castle Rock Festival 2009

Den Samstag eröffnete das Oktett Do not Dream mit dem Stück „Der letzte Weg“. Aber was die Band um Sängerin Tina da geboten hat, lässt vermuten, dass man nicht zuletzt von den Jungs (und dem Mädel) gehört hat. Feinster Gothic-Rock, mal etwas härter in die Metal-Richtung gehend, mal melodisch und mit Geige und Keyboards unterstützt. So bildeten die Musiker eine schöne Grundlage, auf der sich Tina und ihr männlicher Gegenpart austoben konnten und in die Welt der Mythen und Legenden eintauchen (aus denen man sich, wie Sänger Lars freimütig zugab, auch fleißig bediente) und wußten die zu so früher Stunde schon Anwesenden mit ihrem deutschsprachigen Düsterrock zu begeistern. Zum Abschluss gabs dann noch das siebenminütige Stück „Prometheus“, welches auch ordentlich abgefeiert wurde. Definitiv eine der positiven Überraschungen des Festivals!

Mono Inc.
Mono Inc.

Mono Inc. habe ich jedoch nicht verpasst – Ich war fast genau pünktlich zu der Band wieder auf dem Festivalgelände und erlebte einen guten Auftritt der mir auf CD etwas zu harmlosen Band. Live jedoch rocken die Hansestädter, und zwar richtig. Mit dem optisch doch sehr an ASP erinnernden Frontmann Martin und der attraktiven Schlagzeugdame Katha Mia hatte man neben guter Musik auch 2 Blickfänge zu bieten, das Publikum fand es gut, ich auch. Auftrag erfüllt, neue Fans gewonnen.

Beloved Enemy
Beloved Enemy

Meine Überraschung des Tages waren, trotz des guten Auftrittes von Mono Inc., Beloved Enemy. Die Band spielte sehr breitarschigen Goth-Metal mit Referenzen an unter anderem Type O Negative und Paradise Lost, die mir sehr gefiel und das ein oder andere Bier in meinen Besitz übergehen ließ. Ein sehr geiler Auftritt. Eine Erwähnung wert ist noch Frontmann Dead L-Vis – Der hat nicht nur ein cooles Pseudonym, er konnte auch durch geile Stimme und ein sehr cooles Äußeres überzeugen. Ein breiter Kerl, volltätowiert und gepierct bis zum Abwinken, ist eine Garantie für Rock’n’Roll. Und natürlich auch die Stimme. Diese erinnert mich sehr an einen Bastard aus Pete Steele und Glenn Danzig.

Lacrimosas Profundere
Lacrimas Profundere

Dass Lacrimas Profundere mir wohl zu substanzlos sind, um sie gutzufinden, wird sich auf die Dauer wohl auch nicht ändern. Da hilft es auch nicht, einen wohl Sänger zu haben, der aussah wie ein Ibiza-Animateur auf Heimaturlaub (ich hatte ein dürres, blasses Kerlchen am Mikro in Erinnerung). Jedenfalls lässt sich fast das übliche Fazit über die Band ziehen, das ich wohl immer und ewig ziehen werde, wenn es um Lacrimas Profundere geht: Nett, rockt ganz okay, aber brauchen tut man es nicht, es sei denn, man ist HIM-Fan auf Entzug.

Bürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
Bürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld
Veranstalter Michael Bohnes
Veranstalter Michael Bohnes

Zwischen Lacrima und Eisbrecher gab es noch eine kleine Ansprache von Bürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Veranstalter Michael Bohnes zum zehnjärigen Bestehen des Festivals. Textlich war der Auftritt super, aber musikalisch noch sehr stark ausbaufähig.


Eisbrecher
Eisbrecher

Da haben Eisbrecher, der heimliche Headliner des Tages, so ungerne ich das auch zugebe, vor allem mit Blick auf Bases drohendes, hartes Rohr, doch ungleich mehr drauf. Auch, wenn mich die Musik nicht zu 100% zu überzeugen weiß (Enorm grausig: „Frage“ und das Megaherz-Relikt „Miststück“), hat Alexx Wesselsky echte Qualitäten als Sänger und Frontmann, die sogar mich überzeugen. Der zweite Liveauftritt von Eisbrecher, den ich miterlebe, ist wohl ein weiterer, kleiner Schritt in die Richtung, die Band tatsächlich irgendwann einmal richtig gut zu finden. Live sind sie jedenfalls geil. Nur „Miststück“, das sollten sie sich dringendst sparen.

Epica
Epica

Epica hätten, das sage ich einfach mal direktheraus, sich selbst am besten gespart, denn der Beitrag, den die Holländer zur Musik leisten, ist irgendwie denkbar klein: Tausendfach gehörter Gothic Metal der Nightwis-Prägung mit klassisch ausgebildeter Sängerin und Growler im Wechsel braucht man schlicht und ergreifend nicht mehr. Es ist alles gesagt, was gesagt worden ist, und dementsprechend sind Epica musikalisch einfach nur noch nervig, weswegen wir auch so schnell es ging flüchteten.

Die Apokalyptischen Reiter
Die Apokalyptischen Reiter

So bekannt es auch ist, dass ich in meinem Leben nie ein Metalfan werde, die Apokalyptischen Reiter find ich echt cool. Extreme Musik war ja sonst nie so meines, vielleicht extrem depressive Musik, aber wenn es eine Party-Metal-Band gibt, dann sind es in meinen Augen die Reiter, und natürlich SM-Keyboarder Dr. Pest. Dieser Kerl ist Metal pur: Textlich find ich die Reiter auch alles andere als schlecht. Leider war das Vergnügen für mich vergleichsweise kurz, ich erwähnte bereits die Zugverbindungen.

Fenriz

Fazit: Eines ist aber klar: Das nächste Castle Rock wird nicht ohne mich stattfinden. Ein wunderschönes, kleines, lauschiges Festival in wunderhübschem Ambiente lasse ich mir nicht entgehen. Für Gitarrenfans auf jeden Fall ein Pflichttermin, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Für nächstes Jahr wünsche ich mir jedoch ein paar „echtere“ Hochkaräter als z.B. die Reiter oder Gothminister. Ich freu mich drauf!



Base_SN

Zweite Meinung: Erst einmal muss ich kurz zu meinem Kollegen Fenriz rüberschielen und ich sage dir mein Freund: Du bist ein Miststück!!! Ein Stück Mist! 🙂 Im Gegensatz zu ihm fand ich den Song als Abschluss des Eisbrecherauftritts einfach nur genial! Besonders als Alexx nacheinander mehreren Festivalbesuchern das Mikrofon für den Refrain unter die Nase gehalten hat kamen sehr amüsante Versionen zu Tage. Der ganze Auftritt war Wahnsinn und hat sowas von gerockt: Eisbrecher for Headliner!!!

Das zehnte Castle-Rock war einfach nur genial! Meine Favoriten und Highlights waren neben Eisbrecher ganz klar Gothminister, Mono Inc. (von Kata Mia kann ich sowieso nicht genug sehen:-) und die Reiter. Bei diesen Bands wusste ich von vorn herein das ich nicht enttäuscht werden würde. Die Überraschung schlecht hin waren dann für mich die Metallspürhunde! Ich muss zugeben das ich damit nicht gerechnet hatte, gerade auch weil Fenriz ein Anhänger dieser Band ist und wir mit unseren Geschmäckern meist weit auseinander liegen. Aber die Hunde und die Hündin haben mich auf ganzer Linie überzeugt. Ein geiler Sound mit ordentlich Wumms dahinter und ein charismatischer Frontmann der die Menge anheizte. Perfekt! Castle Rock elf: Ich komme!!! Und Michael Bohnes: weiter so!!!


Bericht: Alexander „Fenriz“ Schatten

Bilder: Björn „Base4ever“ Werner

Und natürlich haben wir auch wieder eine große Bildergalerie vom Festival für Euch! Viel Spaß!

About Fenriz

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