SummerBreeze 2009

Bericht: Summer Breeze Festival 2009

SummerBreeze 2009
Summer Breeze 2009

Ungefähr 25000 Besucher, garantiert 91 Bands, geschätzte 100.000 Liter Bier und 3 1/2 Tage Party. Diese Zahlen umschreiben das diesjährige Summer Breeze, das vom 13. bis 15. August in Dinkelsbühl stattfand. Am Ende der Festival Saison 2009 war das Summerbreeze eine abwechslungsreiche Party für den gepflegten Metal-Afficionado.

Wer zum Summer Breeze 2009 mit öffentlichen Verkehrsmitteln gereist ist, der wird miterlebt haben, wie an jeder neuen Haltestelle immer mehr Leute mit dem selben Ziel und guter Laune in die Züge perlten. Und dennoch war die Logistik auf dem Hinweg recht gut organisiert. Aus dem zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz so idyllischen Dinkelsbühl brachten Shuttlebusse die schwarzen Horden zum Gelände des Summerbreeze.
Auch die Anreise mit dem Auto war recht komfortabel. Ein großer Rückstau wie in den vorherigen Jahren wurde durch das neu angekaufte Gelände und die darauf geschaffenen 40 Abfertigungsschleusen verhindert.
Nach der kurzen Kontrolle durch die sehr freundliche und souveräne Security eröffnete sich der Blick auf den Hügel, dessen Flanken den Campingplatz darstellten. Nachdem der Platz der Wahl nach Möglichkeit besetzt wurde, ging der erste Weg meistens in Richtung des Festival-Geländes, auf dem das Party Tent, dann die Händlermeile und zu guter letzt die Main Stage und die Pain Stage das Geschehen dominierten.

Die Running Order fiel zuerst einmal als sehr abwechslungsreich auf: J.B.O., Amon Amarth, Excrementory Grindfuckers, Carnifex und Opeth um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und tatsächlich war die Aussage, die ich am häufigsten gehört habe, frei zitiert etwa so: „Ich hätte nie gedacht, dass die live so gut sind!“.
Und überhaupt waren die Auftritte äußerst zufriedenstellend. Aber dazu später mehr im Detail!

Allgemein war die Organisation gut. Der Einlass aufs Gelände war selten mit Wartezeiten versehen, wenn auch dadurch die Kontrollen teilweise sehr sehr lasch ausfielen. Auch die angesprochene Händlermeile war einigen ein Dorn im Auge. So musste der geneigte Festivalbesucher immer erst komplett an dieser vorbei, wollte er zu den Bühnen gelangen. Vor der Mainstage waren zum Teil faustgroße Steine ausgelegt. Nicht unbedingt etwas für dünne Schuhe, aber auf jeden Fall gut gegen große Matschgelage.
Weiterhin gab es auf dem Gelände, wie für ein Festival üblich, allerlei Angebote an flüssiger und fester Nahrung. Sowohl Preise als auch Qualität der Köstlichkeiten waren mehr als annehmbar. Aufpassen musste man nur auf dem Festivalgelände an sich, da dort öfter 4 Euro für einen kleinen Schnaps hingelegt werden mussten.

Auch beim Zeltplatz war an alles gedacht. Es waren ausreichend Dixies vorhanden, welche mehrmals täglich gesäubert wurden und so eigentlich immer in einem guten Zustand waren. Wem die normalen Dixies nicht genügten, konnte auch für 1 Euro auf die immer frisch geputzten Toiletten gehen, oder auch mal morgens seinen Dreck für 2,50 € in den Duschen lassen. Trinkwasser konnte man kostenlos an den Tanks die an jedem Tower aufgestellt waren zapfen.
Beim Verlassen des Zeltplatzes gab es für alle, die einen vollen Müllsack anschleppten, eine sehr schöne und vor allem auch scharfe Luftaufnahme im Großformat.

Die Abreise mit dem Auto war so komfortabel wie die Anreise. Zwar wurde man hier erst über das angekaufte Areal geleitet , statt einfach direkt auf die Straße zu dürfen, aber das Tat nicht weh und war aus organisatorischer Sicht bestimmt notwendig.
Man muss leider sagen, dass die sehr gut organisierte Ankunft mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der total fehl geplanten Abfahrt überschattet wurde. Besonders in Richtung Bayern wusste niemand, ob ein Bus fährt, und der Sonderbus, der dann fuhr, war recht teuer und der Busfahrer erdreistete sich auch noch dazu den einen oder anderen müden Pilger übers Ohr hauen zu wollen.

Aber genug zur Organisation an sich, kommen wir also zum interessanten Teil: Den Auftrittsberichten!

Donnerstag:

Angefangen hat unser Donnerstag mit Equilibrium. Leider war es einer der typischen Equilibrium Auftritte – ein akustisches Desaster. Trotz der schlechten Einstellungen am Mischpult (oder aber des schlechten Inputs an dieses … wir wollen ja nicht dem Tontechniker die Alleinschuld geben) kam Stimmung auf und etliche Zuschauer schienen glücklich von dannen zu ziehen.

JBO
JBO


Die nachfolgenden J.B.O. hatten mit der Stimmung keine Probleme. Allein schon da „Die Verfechter Des Wahren Blödsinns“ ihr 20jähriges Bestehen feierten. Auch wenn sie etwas in die Jahre gekommen sind, und ihre Spontanität darunter etwas litt, war der Auftritt an sich durchaus als sehr gut zu bezeichnen. Licht und Ton waren hier einwandfrei.


Kreator war für viele wohl die Band des Abends. Wer den Auftritt auf dem Legacy Fest in Dessau gesehen hat, war wohl etwas enttäuscht, da die Show genau die selbe war (inklusive aller Ansagen!). Alle anderen haben aber einen klassisch guten Auftritt gesehen. Sowohl Ton als auch Licht waren gut und die Stimmung am kochen.

Der Auftritt, besser gesagt die Inszenierung, von Cantus Buranus war einfach nur episch. Die Kostüme, die japanischen Trommeln, die Sängerin und das Orchester schufen eine Atmosphäre, die in sprachlosem Kopfschütteln und ehrfürchtig geöffneten Mündern endete.  Die Thematik rund um die Blutkardinäle war stimmig und begeisterte durch ein prunkvolles Gesamtbild auch die archaischsten in der Menge. Der Applaus fiel dementsprechend voluminös aus.

Freitag:

Am zweiten offiziellen Tag, Freitag, zog es die meisten Vikinger, Worst Dudes Ever, Black Metaller, Goths usw. erst einmal nach Dinkelsbühl, wo die letzten Vorratslöcher beim örtlichen Rewe und die leeren Bäuche bei McDonald‘s gestopft werden sollten. Die Busse bewältigten den übermäßigen Ansturm gerade noch. Das Gedränge, Geschiebe und den Ellbogeneinsatz war man vom Vortag noch gewohnt.
Sehr praktisch, dass vom Abladeplatz der Massen mit wenigen Schritten der Supermarkt erreicht werden konnte.

Battlelore sollten die erste Band des Tages werden aus unserer Sicht. Auch wenn viele Festivalbesucher wohl um diese Zeit noch an ihrem Kissen horchten hat sich das Aufstehen schon gelohnt. Der Ton war gut und von der Bühnenshow haben sie raus geholt was möglich war. Wirklich bombastisch war die Stimmung leider dennoch nicht, was aber nur darauf zurückzuführen ist, dass eben wenig Leute da waren.

Folgen sollten mit Nim Vind und The Other zwei Bands, die man nicht unbedingt auf einem Metal Festival erwarten würde.

Nim Vind
Nim Vind

Beide Bands spielen Punk und trotz meiner anfänglichen Zweifel sollte ich den Besuch der beiden Bands nicht bereuen. Laut meines Wissens recht Punk untypisch hatten beide sehr gute Riffs und dadurch auch Melodien im Reportoire. Ebenso waren beide Auftritte sehr transparent, was den Ton angeht, und leider dennoch recht flau von der Stimmung her. Allgemein dachten wohl viele Festival Besucher, dass sie sich die Auftritte der Punk Bands nicht anschauen , was auch ihr gutes Recht ist, aber eben durchaus traurig für selbige. Wenig Publikum resultierte hier also in wenig Stimmung.

Trotz gutem Sound und mehr Menschen vor der Bühne konnten auch Entombed ihr Publikum nicht wirklich mitreißen. Ganz anders sollte das beim Auftritt von Schandmaul aussehen. Die Stimmung hier war sehr gut und die Bereitschaft des Publikums am Auftritt teilzuhaben, in Form von Mitsingen, -klatschen und -springen, war auch mehr als deutlich zu vernehmen.

Sabaton
Sabaton

Eine der besten Bands des Tages sollte Schandmaul aber ohne Probleme den Rang ablaufen. Sabaton hielten den ganzen Auftritt die Explosivität mit der sie ihn starteten. Der Sound war erstklassig und ich kenne keine Band die mit mehr Freude auf der Bühne steht. An dieser Stelle kann ich nur jedem empfehlen, der auch Powermetal nicht abgeneigt ist, schaut sie euch Live an!  Das Publikum war auch durchweg begeistert und das Einzige was den Auftritt etwas trüben konnte waren die ganzen Crowdsurfer, welche verhinderten, dass man sich völlig auf Sabaton einlassen konnte.

Aus meiner Sicht sehr ungünstig war die Running Order in Bezug auf die folgenden Bands. Amorphis, Vreid und Amon Amarth spielten direkt nacheinander, bzw zeitgleich. So mussten hier einige Abstriche gemacht werden.  Amorphis waren mit einem sehr großen Publikum gesegnet, lieferten im Gegenzug aber eine grandiose Show ab – soweit ich dies beurteilen kann. Sowohl Sound als auch Licht waren sehr gut und die Stimmung – zur Musik passend – recht verhalten. Nichts desto trotz bekamen Amorphis nach jedem Lied den gebührenden Applaus.

Leider musste ich Amorphis schon früher verlassen um Vreid zu sehen. Aufgrund der Tatsache, dass Amorphis spielten und darauf Amon Amarth folgen sollten war das Party Tent recht leer. Aus Sicht der Zuschauer sicherlich recht angenehm, bekamen Vreid so leider weniger zurück als sie verdient hätten. In meinen Augen teilen sie sich mit Sabaton den Titel „Band des Tages“. Auch hier waren Licht und Ton ohne Mängel und die Stimmung mehr als gut. Kaum eine andere Band hatte soviel Atmosphäre geschaffen wie Vreid es konnten.

Um einen Auftritt von Amon Amarth kommt man seit ein paar Jahren kaum mehr herum. Keine Frage, dass auch das Summer Breeze nicht ohne die Schweden ablaufen durfte. Die Band davor, Amorphis, hatte eigentlich noch eine halbe Stunde Spielzeit, da versammelten sich schon unglaublich viele fast schon fanatische Fans vor dem ersten Wellenbrecher. Und ich spreche für alle, die es in die ersten 10-15 Reihen geschafft haben, wenn ich sage, dass der komplette Auftritt ein einziger Überlebenskampf war. Wenige denen dies nicht gefiel. Es war auch der Auftritt mit den meisten Crowdsurfern, die in Scharen vor die Bühne gehievt wurden. An dieser Stelle ein großes Lob an die dort wartenden Securities, die, trotz des gewaltigen Stresses und einer verdammt heißen Pyrotechnik im Nacken, niemals pampig wurden. Ganz im Gegensatz zu denen auf Wacken…
Musikalisch muss man sagen, dass Amon Amarth live um einiges besser klingt als auf Platte, die Riffs sind klarer und der Gesang steht einen Tick weiter im Vordergrund. Trotz dessen gab es einige grobe Schnitzer – in Form von falschen Noten – zu vernehmen, über die der geneigte Fan aber gerne hinweg sieht.
Die Bühnenshow der wohl am meist erwarteten Band, Amon Amarth, war, wie vorhin erwähnt, richtig heiß. So heiß, dass sich eine Kamera eindrucksvoll verabschiedete. Hoffen wir, dass dies auch auf der Festival DVD zu sehen sein wird.

Haggard
Haggard

Haggard sollten den Betrieb auf den beiden Hauptstages am Freitag beenden.  Ton und Licht waren auch hier wieder einmal nicht zu bemängeln. Dies war allgemein ein großer Pluspunkt des Festivals an sich – selten mussten hier Abstriche gemacht werden.  Das Set bestand zur einen Hälfte aus alten, und zur anderen aus neuen Liedern. Die Stimmung war großartig und da sich Haggard nun einmal nicht zum crowdsurfen eignen, konnte man sich auch komplett auf diese einlassen. So konnte man ihren Auftritt genießen und die grandiose Komposition auf sich wirken lassen. Einziger Minuspunkt hier: die Klavierparts waren ein wenig experimentell ausgeführt.

Samstag:

Der letzte Tag. Am morgen dominiert von Wehmut, spätestens ab der Dämmerung dominiert von Wermut. Die Stimmung am letzten Abend war bombastisch.

Angefangen hat der Tag für uns mit Epica. Nicht sehr gut besucht, aber dennoch gut war dieser Auftritt. Auch hier ist wieder nur zu sagen, dass sowohl Sound als auch Stimmung dennoch sehr gut waren. Sie lieferten einen guten Einstieg in den Festivaltag.

Brainstorm
Brainstorm

Sehr stimmungsvoll war der Auftritt von Brainstorm. Sehr zuträglich dafür war, dass die Band sich selbst nicht all zu ernst genommen hat. „Man war das ne scheiß Ansage“ hallte es von der Bühne, nachdem der Sänger unzufrieden mit sich und selbiger war (es war die Einleitung zu „Fire Walk With Me“). Auch als er ankündigte, dass die Spielzeit bald vorbei ist und sich dabei vorne auf die Bühne setzte trug dazu bei.

Zwar sehr passend, aber schlecht durchdacht war, dass die absolute Party Band schlechthin, die Excrementory Grindfuckers, im Party Tent spielte. Die Grindfuckers, durch Internet und exhibitionistische Auftritte bekannt und beliebt, zogen schlichtweg zu viele Leute für das Party Tent an. Am Ende standen 3000 Leute vor dem Zelt, sahen nichts, hörten nicht viel mehr. Schade, aber zum Glück sind die Texte der Grindfuckers bekannt wie die Bibel im Vatikan und die richtigen Hardliner hatten auch vor dem Zelt ihren Spaß.

Einige wenige zog es aber doch etwas geknickt zur Main Stage, auf der Moonspell einen grandiosen Old School-Auftritt hinlegte. Mir nicht ganz verständlich, warum die Menge sich nicht elektrisieren ließ, obwohl Sound und Performance allgemein sehr gut waren.

Zum Glück hatten Opeth noch genügend Strom für alle, die Band, die technisch wohl am besten war, legte einen sehr schönen Auftritt hin. Die letzte Band auf der Main Stage verließ eben jene stilvoll und was blieb, war ein guter Schlusseindruck.
Einen falschen Eindruck hatte ich vor dem Festival von den Deathstars, die ich eher unfreiwillig besuchte. Die Musik war keineswegs so unausgereift und kommerziell wie gedacht, der Auftritt sehr dramatisch, aber es passte einfach nur zu den Typen, die mit ihren 3 kg Schminke pro Person eine laszive Stimmung an den Mann brachten.

Die letzten Partymonster krochen um 8.00 am Sonntag in ihre Zelte, um ein letztes mal den Schlaf der Gerechten anzutreten.


Messi
Messi

Abschließend muss man aber sagen, dass das Summer Breeze 2009 einzigartig ist, wenn man viele interessante und nette Leute kennen lernen will. Gute Laune war immer da, auch wenn man verständlicherweise nicht auf jede Band auf der Running Order Lust hatte. An jeder Ecke überwog die Kollegialität und zu Ausschreitungen kam es so gut wie nie. Auch das Martinshorn des Krankenwagens schwieg lange oder hallte nur selten über den Platz. Eine klare Empfehlung an alle, die nächstes Jahr ein Festival suchen, das eine große Vielfalt an Musik und Menschen bietet, und sich nicht daran stören, auch mal eine Band anzuhören, die man vor dem Festival nicht auf dem Schirm hatte.


Bericht: Florian „Messi“ Messmer mit Unterstützung von Daniel „nilgoun“ Dervaric

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