Bonjour Tristesse - Par un sourire
Bonjour Tristesse - Par un sourire

Bonjour Tristesse – Par un sourire (Review und Kritik)

Bonjour Tristesse - Par un sourire
Bonjour Tristesse - Par un sourire

Nein, die folgende Rezension bespricht nicht einen zeitlosen Klassiker der Literatur – viel mehr einen potentiellen im depressiven Sektor deutschen Schwarzmetalls. Nathanael, der Kopf hinter den in unserer Redaktion euphorisch gefeierten Thränenkind, veröffentlicht nach langem Warten seiner Anhänger endlich das Debüt seines Nebenprojektes Bonjour Tristesse. Dabei gibt sich der Mann mit „Par un sourire“ seinen DSBM Wurzeln näher denn je, und glänzt dennoch mit einem Facettenreichtum und spielerischem Können, dass seine Hauptband beinahe alt aussehen lässt.

Eben jenes ist ja nicht immer einfach. Selbst wenn der depressive Ableger des Black Metal ein nicht ganz so eng geschnalltes Korsett aus Stilmitteln aufweist wie die klassische Variante, so findet sich wirkliche Abwechslung doch eher selten. Ich denke ich brauche an dieser Stelle niemandem erklären wie die typische Songstruktur eines 08/15 DSBM Werkes aussieht: Burzum Gekreische zu rauschendem Gitarrenklang der kaum ein Riff erkennen lässt und einem schlecht programmierten Drum-Computer. Bands die es schaffen so etwas aus irgendeinem Grund eigenständig klingen zu lassen, steigen dann schnell zu Szenegrößen oder Geheimtipps auf.

Nathanael
Nathanael

Aber kommen wir endlich zu „Bonjour Tristesse“… es wird jeden Hörer zunächst einmal schockieren, dass das erste Stück „Tu es inscrite dans les lignes du plafond (Histoire d‘ Isabelle partie une)“ obwohl es auch ohne Schlagzeug aus der Konserve auskommt, wohl der Prototyp von eben dem ist was ich so eben erläutert habe. Auch mit klischeehaft depressiven Sprachsamples nach denen man sich am liebsten den nächsten Strick greifen möchte kommen direkt zum Einsatz. Was macht dieses Nebenprojekt also so besonders? Ich will es euch verraten – der unglaublich emotionsvolle Klang wunderschöner Riffs in Stücken wie „Wieder allein“ oder „Mit einem Lächeln“. Nathanael erschafft Klanglandschaften die einen fesseln, mitreißen und in einen tiefen Sog vertonter Melancholie ziehen und sich damit so erfrischend von all dem Einheitsbrei absetzen. „Tu es inscrite dans les lignes du plafond“ an erster Stelle auf die Scheibe zu setzen war wahrscheinlich der größte Fehler am ganzen Album – wer hätte schon damit gerechnet, dass nach dem ersten Gähnen ein solches Werk Einklang findet.

Ein Werk dass nicht nur Freunde der Saiteninstrumente, sondern mit seinem ungewohnt druckvollen Drumssound auch die Trommler in helle Aufregung versetzen dürfte. Nathanael schafft es hier auch ohne seinen Thränenkind Kollegen Pesten am Schlagzeug zu überzeugen und untermauert zusätzlich die damit geschaffene Atmosphäre aus wunderschönen Riffs. Das ganze erinnert dabei durchaus an die Band, die ihn zu einem kleinen Geheimtipp der deutschen Szene hat werden lassen. Thränenkind und der Einfluss den seine Hauptband ausübt sind durchaus deutlich, wenn auch nur im Gitarrenklang. Gesanglich fahren Stücke wie „Freiheit“ (und eigentlich das komplette Album) eine völlig andere Schiene. Nicht verzerrt und durchaus verständlich wie auf ihrer Demo und dem Split mit Heretoir, dafür hoch kreischend und an den „DSBM-Prototypen“ erinnernd.

Tatsache ist, ich brauche eigentlich keine Möchtgern-Vikernisse, denn die gibt es zuhauf – aber hier passt es. Wirkliche Atmosphäre würde durch zu klar verständliche Stimmen wahrscheinlich gar nicht so wirken. Auch wenn es natürlich schade ist, dass dadurch der rote Faden, den das Album zu besitzen scheint, nicht direkt zu erfassen ist. Die Geschichte, die im ersten Stück angefangen wurde wird nämlich in letzten Titel „Tu es inscrite dans les yeux que j’aime (Histoire d‘ Isabelle partie deux)“ fortgeführt. Wieder Unterbrechungen mit eingeschobenen Sprachsamples, wieder das selbe Mädchen mit einem ausgeprägten Hass auf die Welt und sich selbst. Sollte hinter der gesamten Scheibe wirklich ein Konzept stecken freue ich mich auf die Veröffentlichung der Texte, denn der letzte Song geht noch einmal richtig tief in die Abgründe der menschlichen Emotionen und lässt den Hörer von tiefer Betrübtheit bis zu aggressiven Ausbrüchen noch einmal alles empfinden was Nathanael mit seiner Solo-Langrille im inneren seiner Hörer bewirken möchte. Bis sich die Protagonistin mit schockierender Gleichgültigkeit von einem verabschiedet – vermeintlich für immer.

Fazit: Wie unglaublich ich diesen Mann unterschätzt habe. Ich will keinen falschen Eindruck schüren: „Par un sourire“ ist kein Album das ich mir jeden Tag geben kann, und so wird es sicher nicht nur mir ergehen. Daher ist es mir persönlich auch „nur“ 8,5 Punkte wert. Aber Bonjour Tristesse bügelt so ziemlich alles aus, was mir an Thränenkind unsympathisch war. Todtraurig – aber nicht schnulzig eben. Dazu das Gefühl eine Geschichte zu verfolgen, obwohl sich der Einsatz von Samples gerade mal auf zwei Stücke begrenzt und die Scheibe so nicht im geringsten überladen wirkt. In der richtigen Stimmung zu solchen Klängen kann man sich in der Musik Nathanaels verlieren und ich glaube genau das war die Intention hinter dem Weg zu einem etwas konventionellerem DSBM. Hier werden einem Klanglandschaften geboten, die in der Musik Thränenkinds mit ihrem stellenweise etwas wirrem Sound keinen Platz gefunden hätten. Und selbst wenn sich Ähnlichkeiten fast ausschließlich auf den Gitarrenklang beschränken, dürften Anhänger hier genau so wenig falsch liegen wie Leuten denen das aktuelle Album der befreundeten Heretoir gefallen hat. Dem ist man mit dieser Scheibe musikalisch sogar noch näher.

Dennis "Bieberpelz" KnollWeil ich das nichts bin … mit solchen Worten – voller Abscheu und depressiver Gleichgültigkeit – endet das Werk „Par un sourire“ und beendet damit eine Geschichte die bitter unter die Haut geht. Bonjour Tristesse macht mit „Par uns sourire“ all das richtig was an Thränenkind so mancher kritisiert hatte und setzt dabei noch einen oben drauf. Nathanael, welcher mittlerweile auch bei Agrypnie und Heretoir eingestiegen ist, zeigt auf voller Länge was für ein begnadeter Musiker er doch ist. Richtig fette Gitarren Riffs und dazu ein unerwartet gutes Schlagzeug. „Par un sourire“ lässt mich leben und wieder sterben und verdient sich damit von mir volle 9,5 Punkte.

Und so Endet der letzte Tanz im Leben – der Tanz mit dem Tod. Und alles was bleibt sind die letzten Worte … bis bald! Vielleicht?!

Titelliste von „Par un sourire“

  1. Tu es inscrite dans les lignes du plafond (Histoire d‘ Isabelle partie une)
  2. Wieder allein
  3. Mit einem Lächeln
  4. Freiheit
  5. Lebenskraft
  6. Tu es inscrite dans les yeux que j’aime (Histoire d‘ Isabelle partie deux)

( 9 / 10)
( 9 / 10)

Anspieltips:
> Wieder allein
> Mit einem Lächeln
> Tu es inscrite dans les yeux que j’aime (Histoire d‘ Isabelle partie deux)

Erscheinungstermin:
April 2011

MySpace: http://www.myspace.com/bonjourtristesseband
Par un Sourire vorbestellen im offiziellen Bonjour Tristesse Shop: Empyre-Music.de

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  • Ich bin ja jetzt sehr gespannt auf das Werk, wo weder Thränenkind noch Heretoir mich wirklich überzeugen konnten. Wenn wirklich alles wie beschrieben ist sollte Bonjour Tristesse ja ganz ordentlich sein 😉

  • Freunde der Musik von Heretoir werden es sicherlich mögen, die von Thränenkind ebenfalls.
    Dennoch ist es absolut eigenständig/anders und ich könnte mir vorstellen das es dir daher auch gut gefällt.
    Bin sehr gespannt auf deine Meinung wenn es raus ist.

  • Naja… gerade „eigenständig“ würde ich es nicht nennen… es baut schon auf dem DSBM Grundgerüst auf, ist nur wesentlich besser umgesetzt als 90% des Underground-Einmann-Krams aus dieser Ecke.

    Als eigenständig sehe ich Thränenkind an. Auch wenn mir deren Stil nur bedingt gefällt.