Buchrezension: „Blutmond“ von Markus Parthe

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Titel: Blutmond

Autor: Markus Parthe

Verlag: BoD Books on Demand

ISBN: 978-83842382381

Seitenzahl: 204 (194)

Genre: Kurzgeschichten Mystery/Fantasy

Preis: € 12,90

Klappentext:

Alles begann, als ein Guardian zu weit ging. Die Allianz wartete aber nur auf diesen Fehler. Simon LeBlanc war einer dieser Guardians. Einst ein Hüter des Wissens des Lebens, nun ein Opfer dieses Wissens. Ein Kampf ums nackte Überleben stand kurz bevor und niemand der unwissenden Menschen bemerkte etwas davon. Schon lange bevor die Menschheit bestand, gab es Guardians und die Allianz. Die Guardians geleiteten die sterbenden Menschen in die 2. Welt, in der sie von der Allianz erwartet wurde. Als Hüter des Wissens des Lebens kannten sie immer den genauen Tag des Ablebens eines Menschen. Ein Lebenszeitalter dauerte in ihrer Zeitrechnung nur einen Augenblick.

Die Guardians lebten mitten unter den Menschen.

Unerkannt. Bis…

 

Rezension:

Auf der Rückseite gibt der Autor an, dass die Kurzgeschichten nichts für zarte Gemüter sei und unter die Haut gehen. Das hat meine Neugier geweckt, das Buch zu lesen und für Euch zu besprechen und bewerten.

Inhaltlich sind es 10 Kurzgeschichten, die mehr oder weniger unabhängig voneinander sind. Das schwierige an Kurzgeschichten, wie in dem Fall von Markus Parthe ist, dass innerhalb weniger Seiten eine komplette Geschichte erzählt werden muss, somit auch ein Szenario aufgebaut werden, was zügig durcherzählt wird, ohne Fragen zurückzulassen. Dieses Konzept ist, je nach Geschichte, mal mehr, mal weniger gut umgesetzt. Mir persönlich sind die Sprünge manchmal zu groß und werfen, besonders bei unlogischeren Handlungssträngen, Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Aus dem Grund fand ich es manchmal schwer, einen Bezug zu den Charakteren aufzubauen.

Die Geschichten haben mir schon ganz gut gefallen und haben Potenzial, hätten aber besser ausgearbeitet sein können oder alternativ jede Geschichte für sich separat aufzubauen und zu veröffentlichen. So liest es sich phasenweise wie ein Exposé für ein Schreibwettbewerb, wo der Handlungsstrang angerissen wird, um den geeigneten Stil zu finden.

Dennoch eignet sich das Buch für die kleine Nachtlektüre vor dem Einschlafen oder um eine Fahrt im ÖPNV zu überbrücken, ohne mitten im Kapitel abbrechen zu müssen.

 

Was mir ganz und gar nicht an dem Buch gefallen hat, ist das Handwerk Buch und die Schlunzigkeit der Arbeit. Auf meine eigene Recherche hin, gibt der Autor auf seiner Homepage an, als Co-Autor für Wolfgang Hohlbein und aus diesem Grund, hätte er viele technische Dinge wissen müssen oder können.

Schwer ist es schon für eine Autor, wenn man über einen Bezahlverlag veröffentlicht, wie es Books on Demand ist und man praktisch keine Kenntnisse vom Layout hat.

Das Cover ist eine Fotografie eines „Blutmond“ mit einer schattenhaften Baumkrone. Die penetrante Titelei fügt sich unharmonisch über dem Bild in gelb, hingegen Autorenname und Genre in der üblichen weißen Schrift von Books on Demand.

Die Impressumsangaben sind zu dünn gehalten und geben keine Auskunft über Fotograf, Lektorat, Rechte, Druck, Veröffentlichung. Auflage wurde als Demand weggelassen. Das Buch wird bei Bestellung produziert.

Blättert man durch das Buch, wird man von Blocktexten regelrecht erschlagen. Hier hätten entsprechend korrekt gesetzte Absätze dem Leser und dessen Augen geholfen und hätte etwas mehr Struktur gebracht. Ebenso wäre es gut gewesen, wenn man hier auch die Sätze zusammengehalten hätte und nicht nur das Konvertierungsprogramm die Arbeit überlassen hätte. Es wirkt komisch, wenn fast zum Zeilenende ein Satz endet, aber noch in der gleichen Zeile der nächste Satz mit einem Wort beginnt. Das führt dazu, dass kaum eine Seite mit Schusterjungen und Hurenkinder auskommt und die Ende der Kapitel so sehr flattern, dass sie schon fast aus dem Buch rausfallen.

Auch das Sammelsurium an unterschiedlichen Schriftarten, was absolut inkonsequent durchgezogen wird. So findet man mal einen doppelten Absatz zwischen Kapitelnummerierung und Kapitelüberschrift, dann mal größer und wieder kleiner, unterstrichen oder ein ganz anderer Schriftstil. Ebenso in der Danksagung ist ein Mix aus Schrift und Größe, als habe man gerade erst die diversen Schriftarten entdeckt. Hier wäre ein einheitlicher Stil ästhetischer gewesen und dem Buch mehr Eleganz verliehen.

Hier würde ich in jedem Fall dem Verlag empfehlen, der ja neuen Autoren eine Dienstleistung anbietet, diese handwerklichen Dinge auf seiner Homepage erklärt und entsprechende Tipps und Tricks bereithält. Autoren, die sich für Books on Demand entscheiden, können auch die Möglichkeit nutzen, direkt in einem Buchformat zu schreiben, so hat man einen Überblick, wie das Resultat in etwa aussehen könnte.

Wer das Buch lektoriert hat, entnimmt man dem Impressum nicht. Auf Nachfrage beim Autor, war dies eine Teamarbeit; umso verwunderlicher ist es, dass fehlende und falsche Wörter in Sätzen nicht aufgefallen sind.

Den hier eingestellten Klappentext habe ich 1:1 abgeschrieben und dem Buchliebhaber wird da auch der erste Lapsus aufgefallen sein. Die Sache mit den Zahlen. Es ist vollkommen unüblich und auch unschön, wenn man Zahlen in einem Text verwendet, wenn dies nicht eine bestimmte Zahl auch ist, wie eine Telefonnummer, Hausnummer, etc… wenn man dies in seinen Texten unterbringt. Wenn man aber, wie in Blutmond, „2. Kaffee“, „20 Kinder“, „19 Särge“,… schreibt, liest es sich komisch und man hat das Gefühl, der Autor war einfach nur zu bequem, die zahlen in seinem Text auszuschreiben.

Unschön (aber nicht falsch) wirken auch die deutschen Anführungszeichen bei Dialogen, besonders dann sorgt es für Verwirrung, wenn man mittels Anführungszeichen ein Wort hervorhebt. „Ich rezensiere gerade das Buch „Blutmond“ für Dark-News.de.“ Auch in Deutschland haben sich die französischen Revers Anführungszeichen (Guillemets) durchgesetzt >>Ich rezensiere gerade das Buch „Blutmond“ für Dark-News.de.<<

Der Autor bedankt sich in seinem Buch für die musikalische Inspiration bei Künstlern aus der Musikbranche, ob die Nennung genehmigt wurde, ist mir nicht bekannt, jedoch versäumt Markus Parthe, die übliche Fußnote mit dem Bezug, weil es unklar ist, ob das eine Erfindung ist oder ein tatsächlicher Künstler mit einem realen Liedtitel. Beispiel hierfür wäre Seite 8 „Es war ihr Lieblingslied von Tarja Turunen „I walk alone“ (…)“ Hier hätte als Fußnote  – „I walk alone“ von Taja Turunen, Album „My Winter Storm“, Universal Records 2007. Mit freundlicher Genehmigung – informativ und höflich ausgesehen.

Zwei Dinge toleriere ich bei Autoren grundsätzlich nicht, auch wenn es vielleicht lässig sein sollte, aber man sollte wissen, was man schreibt und dann sollte man auch wissen, wie man es schreibt. Wenn man ausländische Wörter oder Begrifflichkeiten nutzt, sollten diese auch korrekt sein. Wenn man sich nicht sicher ist, bietet das Internet eine große Fülle an Nachschlagewerken. Man kann sich in etwa vorstellen, wie mir zumute war, als ich französische Wörter las, die falsch waren. So z.B. gehört auf „Negligé“ ein Akut (accent aigu) und „Rien-ne-va-plus“ schreibt man immer und grundsätzlich ohne Bindestriche. Ich setze auch auf deutsche Wörter keine Akzente, auch wenn ich sie da logisch fände.

Meine zweite Intoleranz gegenüber Autoren ist die absolute Schlunzigkeit der deutschen Zeichensetzung. Gerade wenn man das Medium Buch nimmt und sich als Autor etablieren will, ist der sichere Umgang mit den Zeichen und der Tastatur zwingend notwendig. Wenn man schon einen legeren Dialog in Umgangsprache schreibt und wie es durchgängig bei Markus Parthe der Fall an dem Beispiel auf Seite 16 „Ich bin`s, Simon.“, stelle ich mir zwangsläufig die Frage, warum mit einem Gravis „`“ (accent grave) das Apostroph gesetzt wird, wenn die Tastatur zwei Möglichkeiten anbietet. Die erste Variante auf der Tastatur selber Umschalttaste und Taste Doppelkreuz (Raute) = ‚ oder eben über Taste Alt+0146 = ’, was in beiden Fällen ein korrekter Apostroph ist.

 

Trotz handwerklicher Mängel, sind die Geschichten lesenswert, haben mich gut unterhalten und wer nun auf das Buch und den Autor mit seinen vielfältigen Aktivitäten neugierig geworden ist und sich auch für andere Werke von Markus Parthe interessiert, findet viele Informationen im Netz. In Kürze erscheint ein weitere Roman von Markus Parthe „Codename: Marie-Antoinette“ (bitte ohne Bindestrich).

 

Autorenhomepgae:

http://mpseamore.beepworld.de/index.htm

Facebook:

https://www.facebook.com/pages/Markus-Parthe/174896355989166?fref=ts

 

 

 

 

About Marcel Saint Julien

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  • [Snip]Wenn man ausländische Wörter oder Begrifflichkeiten nutzt, sollten diese auch korrekt sein. [/snip]
    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, denn:
    [snip]Wenn man schon einen legeren Dialog in Umgangsprache schreibt [/snip].
    Léger (m., légère f.) schreibt man meines Wissens nach auch nicht wie im obigen Text.

    [snip]und man hat das Gefühl, der Autor war einfach nur zu bequem, die zahlen in seinem Text auszuschreiben.[/snip]
    Zahlen sind zum einen ein Nominativ und werden groß geschrieben, es sei denn, man verwendet diese Buchstabenkombination als Verb. Und zum anderen werden Zahlen (keine Ziffern) als solche in der deutschen Literatur konventionell nur bis einschließlich Zwölf ausgeschrieben. Ab 13 nimmt man die Zifferndarstellung.

    Wenn man sich schon so weit aus dem Fenster lehnt, was Sprache und Zeichensetzung anlangt, dann sollte man sich die Mühe machen, seinen eigenen Text noch einmal Korrektur zu lesen. Denn irgendwie fasste ich die Rezension eher als Persiflage auf. Sätze ohne Interpunktion (und mit fehlenden Wörtern) wie etwa
    [snip]Wenn man schon einen legeren Dialog in Umgangsprache schreibt und wie es durchgängig bei Markus Parthe der Fall an dem Beispiel auf Seite 16 “Ich bin`s, Simon.”, stelle ich mir zwangsläufig die Frage, warum mit einem Gravis “`” (accent grave) das Apostroph gesetzt wird, wenn die Tastatur zwei Möglichkeiten anbietet.[/snip]
    treten häufiger auf. Nur so als Tip.

    Ich gebe dir aber sonst mit deiner Kritik recht: ein Buch kann noch so gut sein, wenn ein paar Layout-Konventionen durchbrochen werden, mindert das den Leseverlust.
    Da ich selber nur noch Ebooks lese, werde ich mal schauen, ob es auch eine elektronische Version des Buches gibt. Da sind Layout-Geschichten aber noch haariger.

    • Gut erkannt, die Persiflage. Aber „legeren“, laut Duden, ohne Akzent, denn das Wort ist eingedeutscht und kein französisches Eigenwort, wie beispielsweise „Negligé“. Danke für das „Trinkgeld“, denn ich gebe Dir gerne den Tipp, dass man Tipp mit 2 (zwei) „pp“ schreibt. Meilleurs vœux. Marcel