Canaan – Contro.Luce (Review und Kritik)

Canaan – Contro.Luce


Hatten sich Mauro und seine Mannen in den letzten Jahren eher ihrem Dark-Ambient Projekt Neronoia gewidmet, so haben sie sich doch nach 4 Jahren Pause von Canaan nun wieder ans Werk gemacht. „The Unsaid Words“, das letzte Album auf dem der italienische Fünfer zu hören war, empfing ja durchaus positive Kritiken, und ob Neronoia nun nur pausieren oder für auf Eis gelegt wurden, scheint neimand so genau zu wissen. Was liegt da also näher, als wieder unter dem Namen Canaan Musik aufzunehmen? Dachten sich die Jungs wohl auch, dabei sind 71 Minuten Tonmaterial herausgekommen, die nun im Hause Eibon Records kompakt gepresst und hier eingehend rezensiert werden.

Schon beim ersten aufmerksamen Hören fallen hier die Parallelen zwischen beiden oben genannten Formationen auf, und böse Zungen könnten wohl behaupten, Canaan hätten einfach die überschüssigen Neronoia-Songs genommen, ein wenig umarrangiert und für ihre eigenen Zwecke genutzt.

Sicherlich ist der Einfluss nicht ganz abzustreiten, spielen doch 4 der 5 Musiker in beiden Bands. Dennoch ist das, was die Italiener auf ihrem sechsten Studioalbum abliefern, etwas ganz Anderes:

Mit Metal hatte die kontroverse Kapelle noch nie viel am Hut, und daran ändert sich auch auf dem neuen Album nichts.Im Gegenteil, ein regelrechtes Kontrastprogramm wird hier auf den geneigten Hörer losgelassen, beim Namen Contro.Luce (ital. Gegen.Licht) wohl auch nicht weiter verwunderlich.

Komplett auf Italienisch eingesungen mag dieses durchweg ruhige Album vielleicht erst etwas befremdlich wirken, jedoch passt die Sprache wirklich zum Charakter der Musik. Die düstere Klangwelt, wenn auch teilweise durch fröhlich anmutende Streicher und ähnliche Spielereien, ist das bestimmende Thema, und Mauro’s Stimme sorgt hier für die drückende Schwere, die sich bei Stücken wie „Ragione“ auf den Hörer legt wie eine Bleiweste auf den Patienten.

Dann hätten wir da ein Problem, was die Songs angeht:  11 der 21 Titel heißen schlicht und ergreifend „ . “, sind großteils instrumental gehalten und weisen viele traditionelle Klänge aus dem mediterranen und okzidentalen Raum auf.

Insofern merkwürdig, als dass die einzelnen Teile sich doch stark unterscheiden. Genau am Wendepunkt der Platte gibt es gleich zweimal „ . “ hintereinander, und von da an werden die Lieder auch immer experimentierfreudiger, was sich bis zum Abschlussinstrumental weiter steigert. Hier finden sich auch immer wieder leichtere, man könnte fast sagen stimmungsvollere Anteile, die schon ein wenig an The Birthday Massacre erinnern.

Dagegen stehen 10 Stücke wie das einleitende „Calma“, bei dem der Name (ital. „Ruhe“) Programm ist, während das abwechslungsreiche „Terrore“ in der Mitte des Albums mit drückender, dunkler Atmosphäre aufwartet. Teilweise wird der Gesang auch zweistimmig vorgetragen, was die Atmosphäre des ganzen nur noch stärker verbreitert, und man sich wahrhaft auf einem fliegenden Klangteppich wiederfindet.

Fazit:

Insgesamt handelt es sich um ein Album, das durchgängig „adagio“ gehalten ist, aber durch die Tiefe und Dichte seiner Klängezu überzeugen weiß. Verzerrte Gitarren und Stimmen sind ebenso zu finden wie symphonische Samples, Mauro’s Stimme fügt sich ohne Probleme ins Gesamtkonzept der dunkelmetallischen Träumerei, die übrigens am Besten im Ganzen genossen werden sollte.

Sowieso ist der sechste Streich von Canaan nichts zum Zwischendurch-mal-hören, es braucht Ruhe, die ganze Vielfalt von Contro.Luce auf sich einsinken zulassen.

Ein kleiner Punkt, an dem ich mich gestoßen habe war die Tatsache, dass die Stücke untereinander kaum verwoben sind, Übergange sind scharf und kaum fließend, aber das war wohl bei diesem Album der Gegensätze so vorgesehen.

Tracklist:

1.   Calma

2.        .

3.   Onore

4.        .

5.   Noia

6.        .

7.   Terrore

8.        .

9.   Ragione

10.      .

11. Oblio

12.      .

13.      .

14. Lascivia

15.      .

16. Umiltà

17.      .

18. Concupiscenza

19.      .

20. Esitazione

21.      .

( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:

Terrore, Ragione, . (Track 21)

Erscheinungstermin:

14. Januar 2011

Links:

http://www.canaan.it/

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