Centhron - Roter Stern

Centhron – Roter Stern (Review und Kritik)

Centhron - Roter Stern
Centhron - Roter Stern

Schon vorab erregte das nun mehr dritte Album von Mastermind Elmar Schmidt (Gesang, Programmierung, Samples, Synthesizer), Melly Thies (Gesang, Management), Stefan Thies (Bass), Anette Schmidt (Keyboard, Synthesizer) und Jörg Herrmann (Programmierung, Samples) reichlich Aufsehen. Die angeblich fragwürdigen Inhalte, insbesondere mit politischem Bezug, bewegten das beauftragte Presswerk dazu, die Produktion zunächst zu verweigern. Seit dem 29. Mai 2009 ist das einstündige akustische Bollwerk, bestehend aus 13 angenehm produzierten Tracks, dennoch im Handel erhältlich.

Der Titel „Roter Stern“ ist keinesfalls willkürlich gewählt. Rot – die Farbe des Kommunismus, rot – die Farbe der RAF (Rote Armee Fraktion). Im Orkus-Interview der Ausgabe 6/2009 liest man auf Seite 35 folgende Worte: „Es geht um die Gefühlswelt, die die RAF hinterlassen hat – oder wenigstens haben könnte in meiner Fiktion.“ (Elmar Schmidt im Orkus Magazin  Nr. 6 – Juni 2009, Seite 35)
Mit diesen Worten im Hinterkopf war ich für euch auf akustischer Expedition.

Schon der Name des ersten Songs auf der Platte verdeutlicht, worum es geht.
WK III“ (Weltkrieg 3) macht mit seinen linearen und gleichmäßigen Beats, die zum Mitmarschieren  einladen, definitiv Hungrig nach mehr. Deutsche Lyrics, wie „Marsch im Gleichschritt // für die Ehre“ appellieren förmlich,  die Tanzfläche zu annektieren.
Bitch of Dreams“, versehen mit vorwiegend englischem Text, treibt mit einem schnelleren Beat und faszinierend präzisem Einsatz der Synthesizer die Lust zum Tanzen auf die Spitze. Das lange Break im letzten Drittel des Songs ist dabei nur die Ruhe vor dem Sturm.
Zeit zum Erholen von den Tanzattacken gibt es nicht. Mit einem angenehmen Exerziertakt hämmert „Dreckstück“ im Anschluss auf die Ohren ein. EBM mit deutschen und englischen Textpassagen, der tief unter die Haut geht, und fast automatisch die Füße bewegt.
Das Leben ist herzlos – Warum sollte das Leben nach dem Tod anders sein? Piratenfürst Davi Jones aus Fluch der Karibik lässt grüßen. Der „Orkan“ leitet den Angriff ein. Spätestens jetzt gehört die Tanzfläche allein den Anhängern von Centhron und deren Verbündeten. Extatisch  treibend und mit den peitschen-artigen Einwürfen des Filmzitats potenziell einer der Tanzflächenfüller in den Clubs.
Ungleich schwerer kommen die „Sphären von Ost“ wie ein Bombenteppich daher. An dieser Stelle hätte ein dosierterer Einsatz von Textelementen den Klanggenuss sicherlich noch weiter gefördert, aber nichts desto trotz kann man diesen Song genießen – egal ob auf der Tanzfläche oder daneben.

Centhron
Centhron

Kommen wir zur Herrschaftsepoche von „Roter Stern“: „Cleopatra“ bildet den ersten absoluten Höhepunkt etwa bei der Hälfte der Spieldauer des Albums. Hier findet man ein perfektes Gleichgewicht von Musik und Lyrics.
Mit „Godmachine“ liefern Centhron einen durchaus tanzbaren Track, der dennoch zu fünf Minuten Erholung einlädt. Melodische Vocals von Melly im Wechsel mit ruhigeren Ergänzungen von Elmar entführen die Sinne, bis man von „Fast Blast“ in die Realität zurück katapultiert wird.
Peitschende Beats, treibende Vocals und angenehme Leads stehen im achten Titel des Albums im Vordergrund und bilden eine Illusion von Euphorie.
Dem stilistisch erforderlichen Gegensatz bietet „Kaltes Fleisch“. Einen Hauch von Depression vermittelnd, kommt der Sensenmeister, Gevatter Tod, in einem marschierenden Takt daher.
Der Song „Roter Stern“ lässt sich nur schwer in irgendwelche Beschreibungen drücken. Am Besten, ihr hört selbst.
Testosteron“ und „Seelenflug im Rotbereich“ bringen dann nach dem Ohrenschmaus noch einen angenehmen Ausklang, ehe der Hörer von „die Galeere“ dann doch noch eine gehörige Überraschung erlebt.


BassTierchen
BassTierchen

Fazit: Centhrons „Roter Stern“ ist definitiv sein Geld wert. Wenn auch weniger melodisch und in aggressiverem Ton gehalten als die beiden Vorgänger, ist „Roter Stern“ ein Klangerlebnis der besonderen Art für industriell orientierte Ohren und gewiss mit Chartpotenzial*. Von politisch fragwürdigen Inhalten keine Spur. Aber: Ich hätte mir mehr Abwechslung innerhalb des Werkes gewünscht.




Dennis "Bieberpelz" Knoll
Dennis "Bieberpelz" Knoll


Zweite Meinung: Ich als Freund der alten Alben von Centhron bin von der genialen Produktion dieses Albums (woran sicherlich auch Jan. L(Noisuf-X/X-Fusion), welcher das Album abgemischt hat, Schuld dran hat) mehr als Fasziniert. WKIII, Bitch of Dream und einige andere Kernstücke haben mir so den Bass um die Ohren gehauen, das ein mittanzen im Auto gar nicht zu vermeiden war und ich nun weitere Favoriten für die Zukunft habe. Waren Centhron einst für geniale Musik mit mittelmäsiger Produktion bekannt, bekommt man sie nun mit guter Produktion vorgesetzt. Das nenne ich mal eine Entwicklung. Was ich allerdings vermisse ist die Abwechselung sowie die Besonderheiten wie sie mir einst mit Songs Einheit C, Geist und c.o. auftischten. Dann hätten wir hier sicherlich einen 10/10 Kandidat, so hat das Album mit 8 Punkten aber ebenfalls eine grandiose Wertung verdient.

Centhron @ mySpace
Centhron Homepage


Tracklist
1. WK III (5:04)
2. Bitch of Dreams (4:31)
3. Dreckstück (4:41)
4. Orkan (4:40)
5. Sphären von Ost (4:37)
6. Cleopatra (4:30)
7. Godmachine (5:13)
8. Fast Blast (3:45)
9. Kaltes Fleisch (5:20)
10. Roter Stern (5:33)
11. Testosteron (4:58)
12. Seelenflug im Rotbereich (4:27)
13. Die Galeere (3:21)


Wertung
Wertung


Veröffentlichung: bereits veröffentlicht

Anspieltipps:

WK III
Orkan
Sphären von Ost
Fast Blast



*: Centhrons Album „Roter Stern“ ist eine Neuvorstellung für die German Electronic Webcharts (GEWC) KW 25. Somit wissen wir kommene Woche mehr über die Chartplazierung.

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