Combichrist - Making Monsters (CD Cover)

Combichrist – Making Monsters (Review und Kritik)

Combichrist - Making Monsters (CD Cover)

Nach dem Release der Never Surrender EP Anfang August dieses Jahres, schicken Andy LaPlegua, z_marr, Mr. Peterson, Joe und Trevor jetzt die lang ersehnte Langspielplatte hinterher. Mit Making Monsters erwarten euch eine Stunde Combichrist pur – überraschend emotional und stimmgewaltig.

Cover der CD+DVD Limited Edition

Das Release steht seit dem 27. August in den Läden – als Audio-Compact-Disk mit 12 Titeln (12-14€), und als CD+DVD-Limited Edition (18-20€).
Opener des wohl bedeutsamsten Combichrist-Werkes ist die knapp zweiminütige Exposition Declamation. Wenn mich nicht alles täuscht, dann hab ich den Sound schon auf dem M’Era Luna als Intro zu dem grandiosen Gig hören dürfen – wunderte ich mich noch, dass nicht 5am after Party lief… Schwer verzerrte, rhythmische Drums provozieren regelrecht das aufnehmen des Beats, machen hungrig auf die Klänge, die da noch kommen werden. Von einem aggressiven, femininen Sample flankiert, attackieren LaPlegua und Band scharf die Trommelfelle.

Der erste umfassende Song der Scheibe ist Follow The Trail Of Blood – mit Unterstützung von Brandon Schieppati (Bleeding Through). Mit einem gemächlichen Grundtakt überrollt eine hochenergetische Walze den Hörer, der von dem unüblichen Klang der Stimme Schieppatis wohl etwas verstört sein mag – lang gezogene Shouts, gepaart mit dem üblichen Combichrist-Stil, läuten die neue Ära ein.

(c) 2009 Foto-Franz.com, Berlin

Zeit, sich von diesem ersten ‚Kulturschock“ zu erholen, bekommen wir im folgenden bei der schon aus der EP bekannten Auskopplung Never Surrender – typisch Combichrist – treibend jagen die Jungs ihre Sounds in den Gehörgang, von wo aus die Elektrohymnen direkt in die Glieder hetzen und uns fast automatisch auf die Tanzfläche zerren. Wem es bei diesem Song in den Fingern oder Ohren juckt, wer mehr von der Combichrist-Droge braucht, der sollte sich die bereits erwähnte Never Surrender EP in den CD-Wechsler packen. Denn viele tanzbare Floorburner á la Never Surrender hält die Scheibe nicht bereit.

Nichtsdestotrotz haben wir es mit einem großartigen Werk zu tun – was Throat Full Of Glass auf emotionale Weise beweist. Ehrlich gesagt, war mir bisher gar nicht aufgefallen, was für eine – wie ich finde – großartige Stimme Andy LaPlegua hat. Einfach herrlich…

Kommen wir dann mal zu dem unanständigen Teil der Veröffentlichung. Fuckmachine platzt wiederum mit hartem EBM-Beat aus der Anlage und findet so direkten Zugang in den Gehörgang. Die Vocals spielen hier eher eine untergeordnete Rolle neben den dominanteren Sounds.
Track Nummer 6 von Making Monsters gehört mit zu den genialsten Sounds des Silberlings. Forgotten ist ein ruhigerer Song, der dennoch unglaublich viel Charakter hat. Hier sollte sich ein jeder Hörer selbst eine Meinung bilden.

Combichrist - aktuelles Promofoto

Wiederum mit brilliant-klarer Stimme erscheint Just Like Me, nach der Halbzeitpause des Langspielwerkes. Besser man lässt sich am Beginn nicht durch die Kinderstimme beirren, folgt doch schon nach wenigen Sekunden der Combichrist-Sound. Der Grundrhythmus ist wieder etwas gemütlicher, doch im Ganzen ist die ganze Komposition wieder treibend und fetzt einfach.

Slave to Machine zeichnet sich durch einen zügigen EBM-Beat aus, der einem Leben in die müden Glieder haucht. Abwechslungsreich und einprägsam bahnt sich dieser Song einen Weg ins Gedächtnis. Der Eindruck, das Combichrist hier eine Art Crossover aus neuer Musikrichtung und alten Vocal-Stilen versucht, endet in der Feststellung, dass dies eine aufregende Mischung ergibt.

Zeit für Erholung und Erfrischung gibt es dann bei Through These Eyes of Pain – und auch für Herzblut. Hier ist jetzt endlich mal Zeit, die eigene Bessere Hälfte zu schnappen um gemeinsam durch Fog und Spotlight zu schweben.
Ein Song mit Floorfillerpotenzial ist sicher MonsterMurderKill. Leicht verspielt und kindlich tobend, kombinieren Andy und seine Mitstreiter EBM-Beat, aufgeladene Beeps und eine distorted voice.

Combichrist

Vorletzter Song des Albums Making Monsters, das zugleich auch Auftakt-Release für ein neues CC-Motto ist, ist They. Mit knapp 6-einhalb Minuten zählt er nicht nur zu den großartigsten Tracks, sondern ist auch der längste der Scheibe. Weniger Temperament als MonsterMurderKill, mehr Energie im Beat – und ein klarer, unverzerrter Andy LaPlegua, geben diesem Song einen Charakter, der einem bei Combichrist bisher noch nicht begegnet ist.

Abgeschlossen wird Making Monsters von einem Track, der den Rhythmus der Exposition aufgreift. Reclamation rundet diese wundervolle Scheibe ab, die in sich ein herrliches, anbetungswürdiges Werk ergibt.

BassTierchen

Fazit: Diese Scheibe eignet sich nicht nur, um den Nachbarn beizubringen, dass man sonntags keine Löcher in die Wände bohrt. Nein, im Gegenteil ­­– ohne diesen Beitrag würde ich unsere düster-elektronsiche Szene als musikalisch arm bezeichnen. Making Monsters stellt bisher da gewesenes in den Schatten, zeigt der Szene neue Bahnen. Selbstredend werden die ‚Klassiker’ wie Without Emotions oder Electrohead etc. nicht abgewertet dadurch. Einfach die Entwicklung, die Combichrist hier demonstrieren, halte ich für eine wirkliche Bereicherung. Man kann nur stark hoffen, dass hier vielleicht andere Künstler Inspiration finden, einmal neue Wege zu gehen.

Tracklist:

  • Declamation
  • Follow The Trail Of blood (feat. Brandon Schieppati (Bleeding Through))
  • Never Surrender
  • Throat Full Of Glass
  • Fuckmachine
  • Forgotten
  • Just Like Me
  • Slave To Machine
  • Through These Eyes Of Pain
  • MonsterMurderKill
  • They
  • Reclamation

Anspieltipps:

  • Throat Full Of Glass
  • Slave to Machine
  • Through these Eyes Of Pain
  • MonsterMurderKill
  • They

Wertung:

Grandios: 10/10

Combichrist Homepage

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  • Verfall

    einfach nur geil der werk, 10PKT

  • Also ich finds ziemlich schlecht..kann nich genau sagen worans liegt..finds einfach nich so toll. aber hey, hier gibts tatsächlich noch elektro reviews..find ich gut 🙂 hatte mich schon gewundert ob ihr euch demnächst wohl in http://www.metal-news.de umbenennt ;P

  • sicher schlecht weils anders ist als die vorgängeralben. das is das typische rumgeheule, das man derzeit in fast allen fanclubs zu lesen bekommt. schrecklich. nur weil sich andy und co mal experimentell an andere stile wagen, ist das album lange nicht schlecht. sauber produziert und jeden cent wert – keine frage.

  • Farbklecks

    Bin der gleichen Meinung. Auch ich finde Making Monsters sehr gut gelungen. Ich finde es bei weitem besser als Today we are all demons. Bei diesem kam ich nicht sonderlich gut mit einigen songs klar. Hatte meine 4 favos. Den rest hatte ich eiskalt immer weggeskippt.
    Bei making monsters is es bei mir genauso wie bei everybody hates you. Kann jeden song von hören. Und ich find es toll das andy seiner stimme endlich mal mehr zutraut (auf jeden klingt es so) und das man etwas panzer ag und icon of coil durchhört find ich umso besser. (ich LIEBE panzer ag und IoC)
    das was ich net wirklich nachvollziehen kann ist, das viele never surrender so hochloben. ist bei weitem kein schlechter song, doch befinden sich auf dem neuen album beiweitem besseres.

  • Vielen Dank für deine Meinung Farbklecks 🙂

    Freut mich, das ich mit meiner Einschätzung doch nicht so weit ab liege. Die Erwartungen der CC-Fanbase haben Andy & Co mit MM nicht erfüllt, aber gerade das halt ich für wichtig. Gibt man den Fanz immer das was sie wollen, schaut’s für mich eher nach Geldmacherei aus als wenn ich versuche neue Wege zu gehen. Das das oftmals auch zusätzliche Märkte öffnet ist dabei eher ein Bonus, als einem Kritikpunkt würdig.

    Ich werde nicht anfangen, Künstler wie CC mit Geschäftsleuten wie Unheilig etc. zu vergleichen. Soll nicht heißen, das ich dem Grafen den Erfolg nicht gönne… 😉