Corvus Corax - Sverker
Corvus Corax - Sverker

Corvus Corax – Sverker (Review und Kritik)

Corvus Corax - Sverker
Corvus Corax - Sverker

Corvus Corax, eine Band über die man eigentlich nicht viele Worte verlieren muss, da der Name wohl jedem der sich auch nur ein wenig für die Musik der mittelalterlichen Szene interessiert ein Begriff ist. Über das neue Album „Sverker“ lohnt es sich aber definitiv einige (viele) Worte zu sagen.

Das Intro „Intro gjallarhorni“ ist, wie der Name schon sagt, maßgeblich durch den Klang der Hörner geprägt, passend zum Titel. Denn das Gjallarhorn ist in der nordischen Mythologie ein Naturhorn, das der Lichtgott Heimdall besitzt.
„Gjallarhorn“ scheint nun die Fortführung des Intros. Der Track klingt wie das Aufmarschieren zu einer Schlacht, der Anstieg der Lautstärke, die Steigerung des Tempos geben dem Stück sehr viel Kraft, angeblich eine Eigenschaft, die auch Heimdall auszeichnete. Vielleicht ist dies eine Anspielung auf Heimdalls Rolle in der nordischen Mythologie, in der er als der Wächter der Götter bezeichnet wird und die Brücke Bifröst zwischen Midgard und Walhall bewacht. Gegen Ende wird der Song schon fast ein wenig chaotisch und unkontrolliert, aber nicht so, dass es den Hörer sonderlich stört.
„Sverker“ ist nun eins der Stücke, die in den ersten Sekunden eine Ballade vermuten lassen sich dann aber zu einem kraftvollen, eingängigen Stück entwickeln. Mit dem Gesang assoziiert man Schlachtgesänge oder Seemannslieder, die über ihre Auseinandersetzungen singen. Der Rhythmus erinnert dabei stark an das Aufmarschieren zu einer Schlacht, klingt irgendwie furchteinflössend, als würde drohend schweres Geschütz aufgefahren werden. Tatsächlich wird hier der Gang des schwedischen Königs Sverker zu seinem dänischen Kontrahenten beschrieben, wobei Sverker den Dänen über die Folgen des Krieges aufklärt, um einen Waffenstillstand auszuhandeln. Sicherlich ist diese Thematik, vor allem auf aktuelle Ereignisse übertragen, nicht zu verachten.
„Fiach Dubh“ (irisch: Kolkrabe) klingt zu Beginn sehr nach einem irischen Trinklind. Aber nur zu Anfang, denn sehr bald klingt „Fiach Dubh“ eher nach Begleitmusik, die, während im Fernsehen eine schöne Landschaft gezeigt wird, läuft. Zum Glück bleibt dieser Eindruck nicht erhalten, da Trommeln und Dudelsäcke wieder eindeutig in den Vordergrund treten und das eher leichte, ruhige verdrängen. Hinzu kommt außerdem das Geräusch von krächzenden Raben.
„Trinkt vom Met“ ist einer von jenen Tracks, die zwar sehr kurz sind, das Herz des Musikfans, vor allem auf Festivals, aber sehr erfreuen, denn wer wird denn nicht gerne zum Trinken aufgefordert?
Mit mitreißendem Rhythmus kommt nun „The Drinking Loving Dancers“ daher. Das Stück zeichnet sich vor allem durch seinen Abwechslungsreichtum aus. Vor allem aber animiert der es zum schnellen Tanzen. Persönliche sehe ich den „The Drinking Loving Dancers“, sowohl wegen der gesanglichen Leistung  im Bezug auf das Gesamtbild, als auch wegen des komplexen Aufbaus als einen der besten auf dieser CD an. Sicherlich wird der Track vor allem auf Festivals das Publikum begeistern, frei nach dem Motto „Schlafen kannst du wenn du tot bist, also genieße das Leben“. Der ursprünglich in nordischer Sprache geschriebene Text wird hier von Corvus Corax auf Englisch mit deutschem Chorus vorgetragen.
„Lá í mbealtaine“ (irisch: Ein Tag im Mai) klingt nun eher balladenhaft und sehr sanft. Der Gesang ist ruhig und schmeichelnd. Die musikalische Begleitung sehr harmonisch und ohne große Kontraste. In Anbetracht des Titels ist dies jedoch gerechtfertigt und durchaus angebracht.
„Havfru“ fügt sich in die Reihe der choralen Gesänge mit Trommelrhythmus. Irgendwie klingt der Gesang ein wenig eintönig und auch die Dudelsäcke gegen Mitte könnenden Song nicht mehr wirklich retten.
„Baldr“ ist nun ein rein instrumentales Stück. Das Stück ist abwechslungsreich aufgebaut und assoziiert eine gewisse Stärke, aber dennoch schwingt irgendwie ein wenig Melancholie mit.
Bei „Ragnarök“ ist erst ein Intro zu hören, als würde ein Holzschiff langsam durch Wasser gleiten. Dann setzte der instrumentale Teil ein, der bedrohlich, wild und hypnotisch zugleich klingt, dem Hörer ein Gefühl der Beengtheit gibt, als gäbe es kein Entkommen. Dennoch erklingt nach dieser bedrückenden Phase eine hoffnungsvolle Melodie. Verständlich, wenn man Ragnarök im Kontext der nordischen Mythologie sieht, denn dort beschreibt Ragnarök den Untergang der Götter und das Entstehen einer neuen Welt, die das goldene Zeitalter der Menschen einleitet. Corvus Corax blicken hier fast ein wenig amüsiert auf das Jahr 2012, für das uns, zumindest laut dem Mayakalender, der Weltuntergang prophezeit ist.
Bei „Tjúgundi biðil“ handelt es sich schließlich nur um ein kurzes Intermezzo, kurz und okay.
„Na láma sa“ scheint nun ein rein instrumentales Stück zu sein, das zu Beginn gruselig klingt und eher langsam ist, sich vor allem durch die starke Präsenz der Dudelsäcke auszeichnet. Doch weit gefehlt. Der Track verfügt nicht nur über Gesangsparts sondern auch über einen genügend komplexen Aufbau, sodass der Track bei der immensen Länge nicht langweilig wird.

Fazit:

Für das Album „Sverker“ bereisten Corvus Corax mehr als zehn Länder, beschäftigten sich mit der nordischen Sprache und brachten gleichzeitig Themen des aktuellen Zeitgeschehens, verpackt in Legenden und Mythen auf den Tisch. Die Mühe war es auf jeden Fall wert, denn mich hat „Sverker“ sehr positiv überrascht. Das Album ist abwechslungsreich, sowohl musikalisch als auch inhaltlich und sprachlich.Daher freue ich mich schon sehr, einige der Tracks auf dem ein oder anderen Festival live zu hören und zu sehen. Wer bis dahin nicht warten kann, sollte sich unbedingt die CD kaufen.

Tracklist:

  1. Intro gjallarhorni
  2. Gjallarhorni
  3. Sverker
  4. Fiach Dubh
  5. Trinkt vom Met
  6. The Drinking Loving Dancers
  7. Lá í mbealtaine
  8. Havfru
  9. Baldr
  10. Ragnarök
  11. Tjúgundi biðil
  12. Na láma sa

9/10

Veröffentlichung:

25.11.2011

Anspieltipps:

The Drinking Loving Dancers, Fiach Dubh

Homepage Corvus Corax

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