Cryptic Wintermoon - Fear

Crpytic Wintermoon – Fear (Review und Kritik)

Cryptic Wintermoon - Fear
Cryptic Wintermoon - Fear

Man kann rätseln, welche Gründe es haben mag, dass eine von der Presse hochgelobte Band wie die Oberfranken Cryptic Wintermoon mittlerweile ihren Bekanntheitsgrad eher aufgrund Wühltisch-Aktionen des alten Labels Massacre Records bezieht. An mangelnder Qualität kann es nicht liegen, denn allein das Debut lief bei den wenigen, die es ihr eigen nennen können (Ars Metalli sei dank…) rauf und runter und war wohl ein Meilenstein im deutschen melodischen Black/Death Metal. Denn die Kryptischen klangen schon seit je her sehr eigenständig und hätten das Zeug gehabt ganz nach vorne zu kommen. Ein Problem ist vielleicht dabei, dass die Franken nicht die schnellsten sind, denn auch ihr in Eigenproduktion gezimmertes „Fear“ darf gerade einmal vier Jahren nach „Of Shadows...“ im CD-Player rotieren.

Cryptic Wintermoon
Cryptic Wintermoon

Aber was lange währt, wird schließlich zumeist auch gut, was man dem ohne Label, aber dennoch mit drückendem Sound und edler Digipak-Erscheinung, veröffentlichtem „Fear“ jeder Sekunde anmerkt. Routiniert und durchdacht wirken die dreizehn Stücke inklusive In- und Outro, besitzen vor allem ansatzweise wieder die Atmosphäre und Liedstärke des Debuts „The age of cataclysm“ ohne als Abklatsch dessen zu wirken. Zu meckern gibt es kaum, so liegen die einzigen Kritikpunkte für mich nur darin, dass man immer noch nicht den wirklichen Weg zwischen den aggressiven schwedische orientierten Death Metal Stücken und den melodiereichen, jedoch manchmal etwas gleichförmig wirkenden schwarzmetalischen Ausbrüchen gefunden hat. Das macht das Album zwar nicht wirklich homogen, lässt dafür gehörig Abwechslung aufkommen. Und so ist es eigentlich wie immer bei Cryptic Wintermoon, einige Songs stechen stark heraus, wie „Down below„, welches sich aufmacht in die Fußstaben des Debuts zu treten, andere gehen etwas unter, da sie sich eben kaum vom restlichen Material unterscheiden. Auch gesanglich könnte sicherlich noch etwas mehr Abwechslung drin sein, aber hier beginnen wir schon auf wirklich hohem Niveau zu meckern, denn Ronny macht seine Sache wirklich gut und auch die cleanen Passagen der Vorgänger-Alben halten sich nun in Grenzen.

Cryptic Wintermoon
Cryptic Wintermoon

Aber lassen wir die Kritik bei Seite und kümmern wir uns um die Beweihräucherung, denn „Fear“ hat deutlich zugelegt im direkten Vergleich zu den Vorgängern. Zum einen legte man sich konzeptuell wirklich ins Zeug und liefert mit dem 1. Weltkrieg ein Schaubild der „Angst“ dar, welches für die wenigen noch Lebenden Menschen aus dieser Zeit sogar die Gräuel des 2. Weltkrieges übertrifft. Gaskrieg und Grabenschlachten bestimmten das Bild eines unerbittlichen Kampfes um jeden Meter Land in einem Krieg, der von allen gewollt, aber schlussendlich dem Deutschen Reich, einschließlich Verbündeter in die Schuhe geschoben wurde. Dass aus diesem Krieg und der nachfolgenden Reparationen ein Menschen wie Adolf Hitler hervor gebracht wurde, zeigt nur, wie groß die Tragweite dieses 1. Weltkrieges sein würde. Cryptic Wintermoon jedenfalls haben sich bemüht das Thema mit ihren musikalischen und textlichen Mitteln adäqaut umzusetzen und man darf sagen, es ist ihnen durchaus gelungen. Zwischen Maschinengewehren, gelegentlichen Bombeneinschlägen und einer düsteren, jedoch typisch melodisierten Atmosphäre, dürfen wir dem ein oder anderen Experiment lauschen, wie zum Beispiel dem als Ballade durchgehenden Stück „One of your sons is coming home„. Etwas in der Richtung hört man im Black/Death-Bereich selten und noch seltener so gut, wie hier. Der Keyboardeinsatz könnte zwar für manchen etwas kitschig wirken, geil ist jedenfalls, dass man die Macht und Erhabenheit eines „When daylight dies“ hier wieder einfangen konnte. Und ein beinharter Schwedenbanger wie „Hellstorm infantry“ passt irgendwie perfekt dazu.

Cryptic Wintermoon - Logo
Cryptic Wintermoon - Logo

Eine Coverversion durfte auf dem gut 50 minütigen Album auch nicht fehlen und so nahmen sich die Franken Freddy QuinnsHundert Mann und ein Befehl“ vor, welches zwar sicherlich ungewöhnlich, im konzeptuellen Zusammenhang aber mehr als passend ist. Und verdammt, hab ich mich neulich noch über MacBethsDas Boot„-Cover gefreut, schaffen es Cryptic Wintermoon dem Song wirklich ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Klar, das Experiment hätte auch fehlschlagen können, doch dem Mut der Oberfranken muss man auf jeden Fall Tribut zollen, nicht nur dieses Stück als Cover auszuwählen, sondern gleich auch noch Gestaltung, Vertrieb und Aufnahme des Albums finanziell selbst zu übernehmen. Für das Mastering der Scheibe war übrigens kein geringerer als Andy Classen verantwortlich und allein das spricht ja schon für hohe Qualität.

iskharian3Fazit: Ob es denn nun der richtige Schritt war, das Album in Eigenregie zu veröffentlichen, wird die Zeit zeigen, die Unabhängigkeit und die künstlerische Freiheit kann man „Fear“ jedenfalls deutlich anhören. Cryptic Wintermoon können jedenfalls stolz sein auf ein rundum gelungenes Werk, welches hoffentlich den Zuspruch findet, den es verdient. Das Album könnt ihr im auf 1000 Einheiten limitierten Digipak auf der Homepage der Band erwerben oder in den gängigen Mailordern der Nation.


Trackliste:

  1. 21 guns (Intro)
  2. Pride of Australia
  3. Dominate
  4. Dreadnought
  5. Down below
  6. One of your sons is coming home
  7. Hellstorm infantry
  8. Tales from the trenches
  9. God with us
  10. Last letter
  11. Hundert Mann und ein Befehl
  12. The end
  13. Last post (Outro)


( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:

Down below, Hellstorm infantry, The end

Erscheinungstermin:

19. September 2009

Cryptic Wintermoon Homepage

Cryptic Wintermoon Myspace


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