Das Ich - Die Propheten (Re-Release)

Das Ich – Die Propheten (Review und Kritik)

Das Ich - Die Propheten (Re-Release)
Das Ich - Die Propheten (Re-Release)

Eine der größten Herausforderungen für einen Musikjournalisten ist es, objektiv an seine Lieblingsbands heranzugehen. Es tut im Herzen weh, wenn man seine Lieblingsfreaks zerpflücken und ihnen Fehler zugestehen muss… Darum wird man hier in dieser Review keine Objektivität finden. Lasst uns also Das Ich, die Speerspitze des Ungenres mit dem coolen Namen, der Neuen Deutschen Todeskunst, nach allen Regeln der Kunst abfeiern und uns freuen, dass das seit 2004 vergriffene Debütalbum „Die Propheten“ remastert und mit drei Live-Bonustracks wieder in den Läden steht. Wer dieses Album tatsächlich noch nicht besitzen sollte, darf sich gepflegt in den Hintern getreten fühlen, denn „Die Propheten“ ist nicht mehr und nicht weniger als eines der besten Gothic-Alben der 90er. Und davon gab es ja schließlich eine Menge. Stefan Ackermann und Bruno Kramm sind schließlich nach wie vor mit die Speerspitze Gruftideutschlands, und nicht zuletzt auf diesem Album begründet sich ihr Kultstatus.

War'n sie nicht mal knuffig?
Waren sie nicht mal knuffig?

Es ist interessant, sich vorzustellen, wie schockierend und neuartig Songs wie z.B. „Gottes Tod“ oder „Lügen und das Ich“ für die damalige Zeit geklungen haben müssen. Stefan Ackermanns ritualaartige Beschwörungen klangen damals sicher noch eindringlicher als heute, und Bruno Kramms teilweise wirklich seltsame Mischung aus Streichern, Electro- und Klassikversatzstücken noch ungewöhnlicher und herausfordernder. Noch viel seltsamer kommt so etwas mit einem teilweise unwiderstehlichen Tanzappel, der manche Songs – Kennern dürften sofort „Lügen und das Ich“, „Gottes Tod“ oder „Kain und Abel“ einfallen. Aber auch die ruhigeren Songs, wie z.B. der sehr gruselige Opener „Es ist ja Krieg…“, sollten auf gar keinen Fall vergessen werden. Textliche Absurditäten und Grenzgängerphilosophie findet man im Klavierstück „Frevel“, Epik im wirklich großartigen Titelsong.

Warum also noch mehr Worte verlieren, wenn schon die ersten paar Worte auf nen glatten Zehner als Wertung  hindeuten? Naja, zum einen habe ich gerade Sprachdurchfall, und zum anderen möchte ich euch klar machen, dass dieses Werk wirklich essentieller Bestandteil einer jeden ernst zu nehmenden Musiksammlung sein sollte. Außer du bist in hässlichen Neonfarben gekleidet und denkst, Hardstyle hat irgendetwas mit Gothic oder Industrial zu tun – Mögest du auf ewig mit Tokio Bordell gequält werden. Einen schlechteren Geschmack als Hardstyle (Tschuldigung, ich muss brechen) kann man nicht haben. Vielleicht nimmt ja einer von diesen Neonspacken diese Rezension beim Wort und holt sich „Die Propheten“ und erkennt, dass sein Lebensweg nur in die ewige Hölle (Hölle! Hölle! Hölle!) führt.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Die Gruftelite hat gesprochen. Hugh. Meine Arroganz befiehlt mir, diesem Album 10 Punkte zu geben und noch einen Cyberwitz zu reißen, aber da man als Grufti nicht lacht, tu ich das nicht. Dem Drang, Das Ich noch eine 10-Punkte-Rezension hinterher zuschieben – „Die Propheten“ ist schließlich ein beeindruckendes Werk, das damals wie heute noch viele Freunde finden wird und im remasterten Gewand noch besser zur Geltung kommt, gebe ich allerdings nach, auch wenn ich die 3 Live-Bonustracks für ein wenig verzichtbar erachte. Für Fans ein Muss, für die, die es werden wollen, sowieso. Die Vorfreude auf das bald erscheinende Album „Ritual“ wird jedenfalls noch ein wenig größer, der „Kannibale“ wird sich dann durch die Clubs fressen und für einige sehr schöne Stunden bei toller Musik sorgen.



Tracklist:

  1. Es ist ja Krieg…
  2. Kain und Abel
  3. Die Propheten
  4. Des Satans neue Kleider
  5. Gottes Tod
  6. Der Hass
  7. Lügen und das Ich
  8. Frevel
  9. Kain und Abel (live)
  10. Lügen und das Ich (live)
  11. Jericho (live)

10/10
10/10





www.myspace.com/dasich

Veröffentlichung: Bereits erschienen

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