Wer bettelt wird nicht gefüttert

Dementi – Wer bettelt wird nicht gefüttert (Review und Kritik)


Wer bettelt wird nicht gefüttert
Wer bettelt wird nicht gefüttert

Dementi – Wer bettelt wird nicht gefüttert (Review und Kritik)


Dementi ist eine im Jahr 1997 gegründete Band aus Erfurt, die sich musikalisch dem Genre der Neuen Deutschen Härte verschrieben hat, wobei intelligente Texte einen besonderen Schwerpunkt darstellen. Seit dem Jahr 2000 haben sie bereits vier Alben und zwei Singles veröffentlicht – eigentlich eine ziemlich stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass ich bis jetzt in meinem ganzen Leben noch nie etwas von ihnen gehört habe. Besonders bekannt scheinen sie also noch nicht zu sein, oder ich habe einfach keine Ahnung. Immerhin fällt bei einer näheren Betrachtung der Bandgeschichte schon auf, dass Dementi im Laufe ihrer Geschichte bereits mit einigen bekannteren Bands zusammengearbeitet haben. So traten sie bereits als Vorband von unter Anderem Umbra et Imago, In Extremo, Unheilig und Das Ich auf und das 2003 erschienene Album „Zweigefühl“ wurde vom Janus-Mitglied Tobias Hahn produziert. Sie spielten bereits auf dem Wave Gotik Treffen und auch auf dem Goetherock in Brüssel, gemeinsam mit weiteren Größen wie Oomph! und Subway to Sally.

Das alles klingt ja recht vielversprechend, und im Verbund mit dem interessant wirkenden Bandnamen bekommt man schon Lust, sich das neueste Album mit dem mehr oder minder tiefsinnigen Titel „Wer bettelt wird nicht gefüttert“ einmal näher anzusehen. Auch dieses entstand mit der Unterstützung anderer Musiker. Es enthält einen Remix von Painbastard, außerdem wirkten „RIG“ von Janus sowie die Sängerin „Amber“ als Gastsänger mit.
Auch hat das Album mit einer Gesamtzahl von 14 Titeln plus einem Remix und einer Spieldauer von mehr als einer Stunde geradezu Überlänge – man darf also gespannt sein, ob die Qualität der Musik mit der Quantität mithalten kann.

Nach dem Einschalten erwartet den Hörer zunächst einmal ein Intro. Vor einer elektronischen Klangkulisse hält hier eine Männerstimme einen bedeutungsschwangeren Vortrag über irgendwelche Prüfungen des Teufels und richtige Entscheidungen. Der Text erscheint für mich nicht so tiefsinnig wie er vielleicht sollte, aber klanglich  wirkt das Ganze schon interessant und macht Lust auf mehr, bevor das Album mit „Dein Zweites Ich“ wirklich beginnt.
Die Lieder selbst sind sehr rockig. Der Gesang wird von einer rauen Männerstimme ausgeführt und viele elektronische Elemente sind enthalten. Eben Neue Deutsche Härte, wie sie sein sollte. Die Songs sind größtenteils relativ harte Rocknummern, die oft aber auch ruhige, melodiöse Abschnitte beinhalten. Auch reine Balladen sind vertreten, die das ganze auflockern, wobei die sechsminütige Ballade „Der große Regen“ den Höhepunkt des Albums darstellt. Die Musik wirkt teils aggressiv und wütend, aber auch oft nachdenklich.
Außerdem sollte erwähnt werden, dass tatsächlich alle Titel außer dem Intro und dem Remix vollwertige Songs sind. Es gibt keine Überleitungen oder Zwischenspiele. Auch die Tonqualität ist gut.

Dementi
Dementi

Doch trotz dem offen zur Schau gestellten Potenzial will der Funke nur selten überspringen. Der Grund dafür ist, dass „Wer bettelt wird nicht gefüttert“ schlicht und ergreifend nicht ganz abgerundet ist. Im Gegenteil, das Ganze hat allerhand Ecken und Kanten. Vor allem der Gesang war mir ein Dorn im Gehörgang. Dieser ist in meinen Ohren lediglich Mittelmaß, nichts Besonderes und weder flexibel und facettenreich. Stellenweise hat er mich wirklich sehr gestört, beispielsweise zu Beginn von  „Was hält mich hier“. Hinzu kommt, dass diese Stimme nach meiner Einschätzung vor allem für härtere Songabschnitte geeignet ist und bei den vielfach vorkommenden eher nachdenklichen Passagen generell nicht wirklich passt. Lediglich bei „Die Finger deiner Hand“ gefiel mir der Gesang auch in den ruhigeren Abschnitten  gut.
Die Melodieführung finde ich ebenfalls stellenweise seltsam. Ein Beispiel hierfür ist der zweite Track, „Dein zweites Ich“. Hier empfinde ich die Melodie im Refrain als vollkommen überzogen, was sich ziemlich mit dem eher unmelodischen Rest des Songs beißt. Es passt einfach nicht richtig zusammen. Insgesamt sind die Songs oft einfach ein bisschen überladen.


Die Beiträge der Gastmusiker haben mich persönlich etwas enttäuscht. Ich mag die Stimme von RIG wirklich sehr gern, daher hatte ich gehofft, dass es sich bei „Das Buch“, dem Song, bei dem er mitwirkt, um ein Duett handelt. Letztlich übernimmt er dort aber lediglich die Background-Vocals. Hätte ich nicht gewusst, dass er dabei ist, es wäre mir wohl wirklich gar nicht erst aufgefallen. Davon abgesehen ist der Song aber gelungen.
Anders verhält es sich bei „Ein Atemzug“, dem Song, bei dem Amber mitwirkt. Dieser präsentiert sich als ziemlich seichte Ballade ohne viel Druck dahinter – allerdings bin ich ohnehin der Meinung, dass gerade ein Album dieser Länge auch ein paar Balladen braucht. So etwas lockert einfach auf und sorgt für Abwechslung. Jedoch stört die Gastsängerin – die ebenfalls nur im Hintergrund singt – durch ihren für meinen Geschmack etwas zu hohen Gesang.
Bei dem Beitrag von Painbreaker handelt es sich um einen Remix von „Der große Regen“. Das Lied ist mit einem relativ schnellen Beat unterlegt und somit tanzbarer. Der ruhige Charakter des Liedes bleibt aber erhalten. Gefällt mir recht gut.

Noch ein paar Worte zu den Texten: Diese sind ganz gut gelungen. Sie sind melancholisch – wofür ich ohnehin immer zu haben bin -, in gutem Deutsch verfasst und behandeln hauptsächlich Verzweiflung, die Gesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen. Etwas wirklich Besonderes oder Originelles sind sie allerdings auch nicht.
Besonders hervorheben möchte ich das Lied „Das Buch“, welches religionskritischen Inhalts ist und mich sehr stark an das Lied „Unter Kreuzen“ von Stillste Stund erinnert. Könnte dieses als Inspirationsquelle gedient haben?
Auch gelungen ist „Je schneller du rennst“, welches sehr direkt Drogensucht und daraus resultierende Prostitution behandelt.

Schwarzenews
Ridley

Fazit:
„Wer bettelt wird nicht gefüttert“ ist ein durchaus solides, aber verbesserungsfähiges Album. Die Musik wird Fans Neuer Deutscher Härte sicherlich gefallen, solange sie keinen musikalischen Überflieger erwarten. Alle anderen sollten bei Interesse Probehören. Zu diesem Zweck ist das Album auf MySpace komplett im Stream verfügbar. Generell gilt: Kann man hören – muss man aber nicht.



Trackliste:

  1. Intro
  2. Dein Zweites Ich
  3. Was hält mich hier
  4. Die Finger deiner Hand
  5. Der große Regen
  6. Wer bettelt wird nicht gefüttert
  7. Warten im Regen
  8. Das Buch Feat. RIG
  9. Der Krieger weint
  10. Ein Atemzug Feat. Amber
  11. Lügen
  12. Mit einem Engel
  13. Schweigen
  14. Je schneller du rennst
  15. Der große Regen Painbastard Remix


( 6 / 10 )
( 6 / 10 )

Anspieltipps:

– Der große Regen

– Das Buch Feat. RIG

– Je schneller du rennst

    Erscheinungstermin:
    Juli 2009

    Dementi – Homepage
    Dementi auf Myspace

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