Die letzten Glühwürmchen (Anime Review und Kritik)

Die letzten Glühwürmchen

Wenn man mit Cineasten ins Gespräch kommt, stellt sich nach einiger Zeit oft die Frage nach dem traurigsten Film aller Zeiten. Dass gerade ein Film, der aus einem Genre kommt, dass für niedliche Komik bekannt ist, diesen Platz einnimmt, mag für Außenstehende verwunderlich sein – doch dieses Erstaunen wird schlagartig verworfen, wenn man das Meisterwerk von Isao Takahata gesehen hat.

Die letzten Glühwürmchen“ erzählt uns gnadenlos ehrlich eine der endlos vielen Schicksale zu der Zeit, als in Japan der Zweite Weltkrieg in seiner vernichtenden Endphase wie ein Orkan über das Land tobte.
„In der Nacht zum 21.09.1945 bin ich gestorben“. Schon die erste Filmsequenz jagt dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken. Der vierzehnjährige Seita sitzt schwach und abgemagert am Bahnsteig, er liegt im Sterben. Sein Umfeld nimmt ihn nicht wahr, höchstens wenn er einem der geschäftigen Erwachsenen im Weg sitzt, empören sie sich kurz über ihn. Er stirbt unbeachtet.

Damit beginnt der Film, der von der hoffnungslosen Vergangenheit des jungen Seitas erzählt. Seine Geschichte beginnt in der Stadt Kobe, die im Bombenhagel untergeht. Während sie Schutz vor den Angreifern suchen, werden er und seine vierjährige Schwester Setsuko von ihrer Mutter getrennt. Die verängstigte Schwester geschultert finden sie auf der panischen Flucht einen kleinen Unterstand, wo sie darauf warten, dass der totbringende Brandbomben-Regen endlich aufhört. Doch die Stadt steht nach dem Angriff in Flammen und die beiden Kinder machen sich auf die Suche nach ihrer Mutter, die Seita in einem Lazarett findet. Sie ist ein Anblick des Grauens – einbandagiert, nicht fähig zu sprechen. Nach ihrem Tod, von dem er seiner Schwester nichts erzählt, kommen die beiden Waisen bei ihrer Tante unter. Doch auch dort verweilen sie nicht lange, denn die dominante Frau behandelt sie schlecht und so beschließen sie, sich selber durch-zuschlagen.

Fruchtbonbons - für die Kinder ein Luxus in dieser Zeit

Wenn man den Krieg nicht von militärischer Seite sieht, sondern durch die Augen unschuldiger Kinder scheint einem die Thematik umso näher. Es gibt keine Statistiken, keine Zahlen, keine Pläne – man wird konfrontiert mit dem Schicksal von zwei auf sich allein gestellten Kindern, die versuchen, ihr kleines Paradies inmitten der Gewalt des Krieges zu beschützen. Der Film brilliert mit schönen Momenten, die trotzdem eine Tragik mit sich bringen, der man sich nicht entziehen kann. Hier werden zwei Extreme miteinander verschlungen, die eine unglaubliche Wirkung erzielen. Szenen, in denen die kleine Setsuko freudestrahlend einen Fruchbonbon von ihrem Bruder entgegen nimmt, während am Straßenrand verkohlte Leichen liegen, das sind Bilder, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben.
Ein Kriegsfilm ohne Andeutungen von Hass ist sicher ein neues Konzept. Doch der Film wird von soviel Menschlichkeit durchwoben, dass für dieses Gefühl einfach kein Platz ist.

Ein verzweifelter Aufschrei gegen den Krieg, so könnte man das Meisterwerk nennen. In den Nachrichten werden wir erschlagen mit News zu diesem Thema, doch mittlerweile sind wir abgestumpft. Kurze Sequenzen bewirken nicht viel, vor allem nicht, in einem von einer Weltmacht propagierten Krieg, den sie schön reden wollen. Niemand kann es nachvollziehen, welches Leid hinter jedem dieser Schicksale steckt und wenn dieses Thema in uns drängt, dann beschließen wir, es zu verdrängen und beschäftigen uns mit wieder mit unserem gemütlichen Alltag.
Doch „Die letzten Glühwürmchen“ lässt dies nicht zu. Dieser Film löst Empfindungen aus, die wir tagelang nicht abschütteln können, die uns zum Nachdenken bringen.

Die DVD ist in Deutschland von „Anime Virtual“ herausgegeben worden. Freigegeben ist er ab 6 Jahren, doch es wird empfohlen, ihn erst mit einem Mindestalter von 16 Jahren zu gucken, da er für Kinder aufgrund der verstörenden Thematik nur bedingt geeignet ist.

Die letzten Glühwürmchen

Fazit:

Wunderschön, aber auch endlos traurig. „Die letzten Glühwürmchen“ ist eine Perle der Filmkunst, nicht nur für Fans des Genres.

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