Dimmu Borgir - Abrahadabra

Dimmu Borgir – Abrahadabra (Review und Kritik)

Dimmu Borgir - Abrahadabra

Was wurde nicht alles schon über die norwegische Kommerzsensation Dimmu Borgir geschrieben, geschimpft und verlautbart? Wie groß waren die Aufschreie beim ersten Einsatz cleanen Gesangs, bei der ersten Bearbeitung der Songs mit Orchester und doch wächst die Fangemeinschaft Dimmu Borgirs weiterhin scheinbar unaufhaltsam. Wer auch heute noch auf ein neues Stormblast hofft, der hat weder die Band noch den Musikmarkt verstanden, denn das will doch in Wirklichkeit keiner mehr haben. Umso erstaunlicher ist, dass Dimmu Borgir, die mittlerweile nur noch auch einem Kerntrio bestehen, stellenweise genau diesen Weg beschreiten und zumindest ansatzweise Ideen aus der Vergangenheit zulassen.

Objektiv konnte man den Norwegern eigentlich noch nie vorwerfen schlechte Musik zu machen. Instrumental war man stets absolut auf der Höhe, die Probleme in der öffentlichen Wahrnehmung der Band liegen vermutlich eher in ihrer Selbstdarstellung und vielleicht der für manche als Verballhornung der Black Metal Ethik geltenden Artworks und Live-Auftritte. So auch das im Voraus veröffentlichte Video zur gefühlten Single „Gateways„, welches dank peinlichem Elvisgedächtnisstrampelanzugs von Shagrath die Grenzen des guten Geschmackes weit überschreitet, aber das ist man ja mittlerweile von Videos aus dem Metal Bereich und speziell von Nuclear Blast gewohnt. Der Qualität des Songes haftet aber dennoch dieses Video an und das hat das Stück bestimmt nicht verdient. Denn wenn man sich darauf einlässt und es ein bisschen auf sich Wirken lässt, hat „Gateways“ absolute Ohrwurmqualitäten. Auch wenn es zunächst abschreckt, dass sowas wie Gitarren kaum vorhanden sind und dass Gastsängerin Agnete Kjølsrud (die Brigitte Nielsen der 2010er Jahre) so hysterisch klingt, wie das Sägen eines Styroporblockes mit einem Fuchsschwanz. Aber aller Polemik zum Trotz bleibt dieses Stück wirklich im Ohr haften, denn so hitverdächtig war bisher keiner ihrer Songs, was sie einen Schritt näher an Cradle of filth heran bringt, dem alten Rivalen, der das gleiche Schicksal zu teilen hat. Ob das jetzt gut ist oder eher schlecht muss natürlich jeder selbst beurteilen.

Dimmu Borgir

Doch was hat denn das neue Dimmu Borgir Album noch alles zu bieten? Zunächst einmal die Tatsache, dass man die klassische Instumentierung einschließlich Chor um ein vielfaches erhöht hat, was das Gefühl einem Metal Album zu lauschen weit nach hinten drängt. Dennoch schaffen es Dimmu Borgir das ganze durchaus gefällig zu gestalten, was in der Selbstbeweihräucherung (und dem nächsten Hit) „Dimmu Borgir“ wohl am besten gelingt. Nein, mit dem unsäglichen „In sorte diaboli“ hat das nichts zu tun, dafür sind Shagrath und Co hier viel zu seicht und melodiebetont, aber, verdammt, das Stück klingt in manchen Abschnitten sowas von nach Enthrone darkness triumphant, dass einem die Kinnlade schon mal runter klappen kann. Sehr melodisch, sehr gefällig und irgendwie vor allem wesentlich besser als „In sorte diaboli„, welches für mich den absoluten Tiefpunkt der Norweger darstellt. Als dann die erste Minute von „Ritualist“ beginnt, verfällt man regelrecht in Euphore und hört sich sagen, „Sie könnens ja doch noch!“ Kettenrasseln, Akustigitarre, entspannter Blast, eine kurze Zeit lang ist man wieder bei Stormblast, in der seligen Zeit der 90er Jahre angekommen.

Was sonst noch auffällt ist, dass das Schlagzeug in meinen Ohren viel zu künstlich und schwachbrüstig klingt. Sicherlich kompetent gespielt, doch mir geht der Wahnsinn und der Ideenreichtum der letzten Jahre gewaltig ab. Auch Snowy Shaws (Mercyful Fate) cleaner Gesang ist kein Vergleich zur mittlerweile zu vertrauten Stimme Simen Hestnæs‚. Dies sind so die Momente, wo man um die alte Besetzung trauert. Dass man vor allem die Gitarren so schwachbrüstig produziert hat, ist zwar dem Orchester absolut zuträglich, doch der Metal-Fan fragt sich natürlich, wie das in Zukunft weiter gehen wird.


Fazit:

Keine richtige Rückbesinnung, kein wirklicher Schritt nach vorne, nur wenig Originalität, aber dennoch ein anständiges Album, was ich nach den missglückten Vorgängern kaum erwartet habe. Insgesamt also ein stimmungsvolles Intro, drei echte Hits, vier gutklassige Songs und der Rest von belanglos bis schlichtweg schlecht („The demiurge molecule“ ist ein zusammengestückeltes Ärgernis!), was nach 4 bis 5 Punkten klingt. Doch „Abrahadabra“ wird mit mehrmaligem Hören immer besser, denn dann bemerkt man, dass vor allem die klassischen Arrangements und der Chor sehr stimmig eingesetzt wurden. Wer Dimmu Borgir noch nie mochte, der mag sie auch weiterhin nicht, aber was anderes hat man sowieso nicht erwartet.


Trackliste:

  1. Xibir
  2. Born treacherous
  3. Gateways
  4. Chess with the abyss
  5. Dimmu Borgir
  6. Ritualist
  7. The demiurge molecule
  8. A jewel traced through coal
  9. Renewal
  10. Endings and continuations



6,5

Erscheinungstermin:

22. September 2010

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