Dornenreich - Flammentriebe
Dornenreich - Flammentriebe

Dornenreich – Flammentriebe (Review und Kritik)

Dornenreich - Flammentriebe
Dornenreich - Flammentriebe

Dornenreich Alben beschreibt man am besten wie eine Wundertüte. Man weiß nicht was drin steckt und eigentlich sind alle Erwartungen daran auch vollkommen für die Katz` weil die Österreicher sowieso etwas vollkommen anderes als vermutet abliefern. „Flammentriebe,“ ihr nunmehr siebtes Studioalbum, bildet da keine Ausnahme und schlägt wieder mal alles andere als die erahnten ruhigen Töne an. Eviga, Inve und Gilván haben zurück auf metallende Pfade gefunden, und bestreiten diese widererwartend nach wie vor verdammt gut.

Nach den letzten drei Alben „Hexenwind“, „Durch den Traum“ und „In Luft geritzt“ die alle eher durch Akustikmusik und Violinen Einsatz „glänzten“ muss ich wohl niemanden erklären warum ich hier nicht mehr viel für meinen Geschmack erwartet hatte. Der anhaltende Trend, sich vom Metal abzuwenden und Neofolk-artige Stücke unter dem ehemals mit „Black Metal“ assozierten Namen Dornenreich zu veröffentlichen, hat mir das ganze Projekt etwas suspekt gemacht. Und auch wenn Entwicklung sein muss und soll, hatten es die Österreicher meiner Meinung nach mit allem was später als „Her von welken Nächten“ erschien übertrieben.

Dornenreich

Und wie es meist so ist, halten „Back-to-the-Roots“ Alben niemals das was sie versprechen – sollte man zumindest denken. „Flammentriebe“ beweist hingegen, dass das Trio nicht vergessen hat womit es einmal angefangen hat. Das Dornenreich-typisch minimalistisch gehaltene Artwork lässt nicht vermuten, dass sich hinter ihrer siebten Scheibe ein Dark Metal Album versteckt das es in sich hat. Natürlich ist man im Laufe der Jahre gereift – selbst harte Stücke wie der einstieg mit „Flammenmensch“ klingen wesentlich durchdachter und weniger wirr und hektisch als auf dem letzten reinen Metal-Album. Und das sowohl was die musikalische Umsetzung als auch den Gesang Evigas angeht. Neben dem beinahe flüsternden Sprechgesang, an den man sich bei den vorherigen Werken gewöhnen musste, gibt es in Stücken wie dem komplexen „In allem Weben“ sogar kleine Ausflüge in schwarzmetallende Gefilde.

Besonders freut mich dabei, dass Dornenreichs „neue“ Richtung trotz des dominierenden Metalparts in Stücken wie dem mächtigen „Wolfpuls“ nicht einmal zu kurz kommt. Akustikpassagen, leise aber nicht aufdringliche Violinen – ein Album das (meiner Meinung nach) einen perfekten Spagat zu harten Riffs und harschen Vocals wagt. Das Ganze gibt jedem einzelnen Song einen eigenen Charakter und lässt die acht Stücke trotz eines merkbaren roten Fadens nicht einfach stumpf ineinander übergehen. Das Trio gibt sich mal roh, mal verstörend und bedacht wie in „Tief im Land“ und schaffen damit ein weiteres mal ein Werk, das besonders alten Fans der Österreicher Freudentränen in die Augen treiben dürfte.

Tobias "Zigeunerjunge" Geers

Fazit: Das beste Album das ich von Dornenreich seit „Her von welken Nächten“ hören durfte. Erst bretthart, im nächsten Moment ruhig und verletzlich wie man es von den dreien gewohnt ist. Wirklich jedes Stück, und selbst das instrumentale Outro „Erst deine Träne löscht den Brand,“ sind hörenswert. Ich hoffe ernsthaft, dass dies nicht das letzte metallende Werk ist, das man von Dornenreich zu hören bekommt. Mag sein, dass auch die letzten drei Alben ihre Anhänger gefunden haben, aber eine Band die solche Stücke schreibt sollte dem Metal erhalten bleiben. Zumal ich spätestens seit einem Auftritt, dem ich im letzten Jahr beiwohnen durfte, bekehrt bin was meine Meinung zu dieser Gruppe angeht. Jeder der Dornenreich früher mochte (oder einfach nur einmal verdammt guten und authentischen Dark Metal hören will) muss hier reinhören. Wer Neofolk möchte hat sicher nach den ersten Zeilen dieses Reviews sowieso nicht weiter gelesen…

Dennis "Bieberpelz" Knoll
Dennis "Bieberpelz" Knoll

Wenn Flammen nicht zünden wollen…:

Flammentriebe nennt sich das neue Werk von Dornenreich. Erstmals wieder als Metallisches Werk anzusehen, wirbt man mit Vergleichen zu dem Meisterwerk „Her von Welken Nächten„. Und alles um einem herum soll in Flammen aufgehen und eine brachiale Kunst der Flammen soll mich entzünden. Doch warum springt der Funke nicht über? Das es sich hierbei um brachiales Meisterwerk handelt stelle ich gar nicht in Zweifel. Doch mich kann das Werk nicht überzeugen, der Funke nicht überspringen und die für mich wichtigen Parallelen zu „Her von Welken Nächten“ fehlen vollkommen. Die Melodiöse Abwechselung, eins durch Valnes Gesang eingebracht, fehlt für mich hier vollkommen um es dem früheren Meisterwerk(en) gerecht zu werden. Statt dessen ist es ein Metal-Feuerwerk im Stile von „In Luft geritzt“. Wo Hexenwind noch durch dessen Romantik und Verträumtheit glänzen konnte und „Durch den Traum“ mit hypnotischer Monotonie in Trance versetzt hat – da können mich „In Luft geritzt“ und jetzt „Flammentriebe“ nicht ganz überzeugen. Was bitter schmeckt, schmeckt nicht gleich jedem bitter und so wird es auch hier der Fall sein. Nicht umsonst heimsen Dornenreich hohe Wertungen mit dem neuen Werk ein, denn musikalisch bewegt man sich auf einem hohen Grad. Nur mich kann es nicht mehr ganz so überzeugen wie einst ältere Werke und „Flammentriebe“ bekommt daher 8 von 10 möglichen Punkten.

Titelliste von „Flammentriebe:“

  1. Flammenmensch
  2. Der wunde Trieb
  3. Tief im Land
  4. Wolfpuls
  5. Wandel geschehen
  6. Fährte der Nacht
  7. In allem Weben
  8. Erst deine Träne löscht den Brand

( 8,5 / 10 )

Anspieltips:
> Flammenmensch
> Tief im Land
> Wolfpuls
> In allem Weben

Erscheinungstermin:
11.02.2010

http://www.myspace.com/mehralsdasein

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  • nilgoun

    @Zigeuner: Ich muss dich leider enttäuschen, denn laut Eviga ist es das letzte Metal Album das sie machen wollen. Ich glaub es wurde auch offen gelassen ob ueberhaupt noch ein Album kommen soll oder nicht, so schade wir beide das wohl finden.

    Ist die Wertung die Fusion aus den 8 Punkten von Bieber und vermutlich 9 von Zige oder wie schauts aus? ^^

  • Zigeunerjunge

    Ja… mir war auch so als hätte ich da was gelesen, dass dies ihr letztes Metal-Album ist – wusste nur nicht mehr wo :/ Schade eigentlich.

    Nein, das ist schon meine Wertung – „Her von welken Nächten“ finde ich trotz allem etwas besser, daher „nur“ 8,5 Punkte.

  • Soweit ich es immer bisher gelesen hatte, soll dies vermutlich das letzte Album im Metal-Stil sein.
    Weitere Alben dann eben einen anderen Stil innehalten.

    Ich denke nicht, das es hiernach Schluss sein könnte.

    Wegen der Wertung:
    Die Gesamt(Haupt)-Wertung eines Reviews entspricht immer die des Rezensenten.
    Ausnahmen lediglich dann, wenn mehrere Bewertungsgrafiken gezeigt werden.

  • Ridley

    Also mir gefällts…
    Sicherlich ist es ganz anders als Her von welken Nächten, aber ein zweites derart hektisches Album hätte ich auch gar nicht haben wollen.
    Erinnert mich ein bisschen an Durch den Traum, nur weniger verträumt und viel härter.