Turning Season Within

Draconian – Turning Season Within (Review und Kritik)

Turning Season Within
Turning Season Within

Draconian, eine aktuell siebenköpfige Doom Metal-Band aus der schwedischen Stadt Säffle, hat durchaus bereits eine bewegte Geschichte hinter sich: Im Jahre 1994 gegründet – damals noch unter dem Namen „Kerberos“ – spielte die Band zunächst Musik, die dem Death Metal zuzuordnen war. Mit dem Beitritt des Sängers Anders Jacobsson fand die Band dann schon bald zu ihrem aktuellen Namen. In den folgenden Jahren wurden mehrere Demos aufgenommen, wieder verworfen und erste Konzerte gespielt. Die Band machte einige Besetzungswechsel durch und änderte mit der Zeit ihren Stil vom Death Metal hin zu melancholischem Doom Metal mit starken Einflüssen aus dem Gothic Metal. Erst im Jahre 2003 erschien dann endlich ihr Debüt-Album: Where Lovers Mourn. In der Folge entwickelten Draconian auf zwei weiteren regulären Alben und einem Bonusalbum ihren Stil konsequent weiter.


„Turning Season Within“, ihr drittes und bis jetzt letztes vollwertiges Album, präsentiert sich nun musikalisch so, wie guter Gothic Doom eben klingen sollte: Düster, massiv, hart, getragen, bedeutungsschwanger und natürlich ziemlich deprimierend.
Im Mittelpunkt steht der Wechsel zwischen dem tiefen Growling von Anders Jacobsson und dem sirenenhaften, klagenden Gesang der Sängerin Lisa Johansson, welcher vor allem in den Refrains zum Tragen kommt und hierbei oft an Symphonic Metal erinnert. Dieses für den Gothic Metal typische Element wurde hier wunderbar umgesetzt, wobei besonders der weibliche Gesangspart sehr positiv auffällt. Auch textlich ist alles so, wie es sein muss: die poetischen Texte kreisen wie üblich um negative Themen wie Trauer, Depressionen und fehlgeschlagene Liebesbeziehungen. Das Leben ist schlecht, Liebe bedeutet Schmerz und die Welt ist ein einzig’ Jammertal, das sind die drei einfachen Wahrheiten, die hier wunderbar zum Ausdruck gebracht werden.
Untermalt wird das Ganze von harten Gitarrenriffs, die zwar oft schleppend sind, aber vor allem in den Refrains sehr schöne, episch und teilweise auch fast poppig klingende Melodien bilden. Insgesamt wurde der Doom-Anteil im Vergleich zu den Vorgängern etwas zurückgeschraubt, der Gothic Metal steht nun mehr im Vordergrund.
Dieses Erfolgsrezept bieten Draconian nun auf insgesamt 9 Tracks dar, wobei jeder einzelne Song sehr gut gelungen ist und im Ohr hängen bleibt. Kein einziges Lied fällt den anderen gegenüber ab, jedes hat ein gewisses Ohrwurmpotential. In der folgenden Beschreibung wird auf die besonders gelungenen Stücke etwas detaillierter eingegangen:

Draconian
Draconian

Als erstes ist hier das auf den melodischen Opener „Seasons Apart“ folgende, recht harte „When I Wake“ zu nennen. Der Gesang besteht zum größten Teil aus Growling, die Sängerin hat eher kurze, aber nichtsdestotrotz gut gelungene Auftritte.
Gleich danach kommt mit „Earthbound“ ein weiteres Highlight. Hier bilden die ruhiger instrumentierten, klagenden Gesangsabschnitte der Sängerin einen starken Kontrast zu harten, wütenden Abschnitten des Sängers.
Auch „Not Breathing“ weiß zu gefallen, besonders wegen dem melodiösen, von getragenem weiblichem Gesang begleiteten Refrain. Man kauft der Sängerin einfach die komplette Traurigkeit, jede Anklage, die in ihrem Gesang mitschwingt, ab, es wirkt absolut ungekünstelt.
Das wohl ungewöhnlichste, aber zugleich auch beste Lied ist das darauffolgende „The Failure Epiphany“, welches sich zum Großteil sehr ruhig und melodisch präsentiert, aber vor allem in den Refrains, in denen Sängerin und Sänger gleichzeitig singen, auch härtere Töne anschlägt. Auch die Akustikgitarre findet in dem Stück Verwendung.

„Morphine Cloud“ schließlich ist sehr langsam und doomig gehalten.
Danach folgen noch die Stücke „Bloodflower“ und „The Empty Stare“, bevor das Album mit „September Ashes“, ein kurzes Gedicht, welches vor einer Kulisse aus Piano- und Violinenklängen gesprochen vorgetragen wird, sein Ende findet.

Ridley
Ridley

Fazit:
Auf „Turning Season Within“ haben Draconian mit Sicherheit nicht das Rad neu erfunden. Ähnliches ist auch schon bei anderen Bands zu hören gewesen, das Album beinhaltet nicht viele Experimente. Aber nichtsdestotrotz ist es Draconian meiner Meinung nach gelungen, ihre Musik auf eine schöne, qualitativ hochwertige Weise umzusetzen und so im Ohr zu bleiben. Ich persönlich höre auf dem Album eigentlich jedes Lied gerne. Draconian machen guten Gothic Doom, die Musik strahlt Traurigkeit und Schwermut aus und ist somit jedem Freund gepflegter Melancholie uneingeschränkt zu empfehlen.

Trackliste:

  1. Seasons Apart
  2. When I Wake
  3. Earthbound
  4. Not Breathing
  5. The Failure Epiphany
  6. Morphine Cloud
  7. Bloodflower
  8. The Empty Stare
  9. September Ashes


( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltipps:
-Not Breathing
-Earthbound
-The Failure Epiphany


Erscheinungstermin:
2008 erschienen

Draconian – Homepage
Draconian auf MySpace

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