Echtra - Paragate
Echtra - Paragate

Echtra – Paragate (Review und Kritik)

Echtra - Paragate
Echtra - Paragate

Sich eine gute dreiviertel-Stunde Rauschen anzuhören zerrt schon an der Motivation ein Album zu rezensieren, selbst wenn man dem tiefgestimmten Sound von Drone-Doom nicht unbedingt negativ gegenüber steht. So macht der washingtoner Musiker Echtra es einem auch wirklich nicht einfach sein neuestes Album Paragate, das lediglich aus zwei überlangen „Songs“ besteht, am Stück zu ertragen. Wer sich dennoch traut und etwas mit Namen wie Sunn O))) anfangen kann, darf im Folgenden lesen wie ich mit dem Einschlafen kämpfe und daran verzweifle den minimalistischen Sound zu umschreiben.

Dabei hatte ich mich der Scheibe angenommen, weil der Amerikaner als Mix zwischen Black Metal, Doom und Drone angepriesen wurde. Der für mich entscheidende Genre-Einfluss ist dabei allerdings (fast) gar nicht gegeben. Nur langsam und zäh kommt das erste der beiden Stücke in Gang, ohne dabei wirklich irgendwann schneller zu werden. Stattdessen wird aus dem anfänglichen akustischem Geklimper bald eine hypnotisch rauschende Klangwand aus der kaum ein Instrument ordentlich rauszuhören ist. Irgendwann setzt

Echtra
Echtra

ein merkwürdiges Gegrummel im Hintergrund ein, das wohl den Gesang darstellen soll. Das Rauschen der tief gestimmten Gitarre dominiert durchgehend und eigentlich folgt eine Wiederholung der nächsten. Mag man bei Projekten wie Burzum eine gewisse Monotonie als hypnotisierend und positiv ansehen, wirkt das Ganze ohne wirkliche Überraschungen hier einfach nur einschläfernd. „Paragate I“ rauscht an einem vorbei, und wenn man mal kurz unaufmerksam war ist man aufrund der vielen Wiederholungen schnell wieder an der Stelle eingestiegen wo sich der Geist verabschiedet hat. Irgendwann weicht dann auch der letzte Rest Melodie einem einzigen Störgeräusch mit merkwürdigen Klagelauten im Hintergrund, das mich denken lässt meine Boxen sind kaputt. Ernsthaft – wer hält das für Musik?

Der Übergang zur zweiten Tortur in Überlänge erfolgt nahtlos und ohne dass man ihn bewusst wahrnimmt. Tatsächlich ist das Album wohl nur deshalb in zwei Parts unterteilt, weil es sich sonst niemand bis zum Ende anhören würde. Eine kleine Pause hat man danach allerdings auch bitter nötig. Der Punkt zum Wechsel zu „Paragate II“ wurde aber schon recht gut gewählt, denn nach kurzer Zeit mischen sich leise Synthie-Klänge in die merkwürdige Störfrequenz, die meinen Gehörgang bis dahin malträtiert hat, und bald darauf lässt sich auch wieder eine leise Akustik-Melodie ausmachen, die dann von einem Drum-Gewitter abgelöst wird. Und da haben wir, kurz vor Schluss, den einzigen Punkt der Scheibe den man mit Black Metal in Verbindung bringen kann. Jetzt könnte man denken, der Ablauf der Platte sei gar nicht so monoton und langatmig, immerhin liest es sich hier ja schon recht abwechslungsreich. Aber das alles hat sich mir erst nach dem (gefühlt) zehnten Durchlauf erschlossen. Tatsächlich habe ich die Rezension wohl so oft abgebrochen, dass ich die Scheibe mittlerweile in- und auswendig kenne.  Hier wird es einem wirklich nicht leicht gemacht, und sprach ich am Anfang an dass Sunn O))) Fans gefallen daran finden könnten, meinte ich damit die ganz Hartgesottenen.

Fazit: Tut euch selbst den Gefallen und lasst die Scheibe im Regal stehen. Sie mag atmosphärische Momente besitzen, aber ca. 80% des Albums kann ich nicht einmal guten Gewissens „Musik“ nennen. Dröhnen, Rauschen, bestenfalls mal Geklimper und das in immer wiederkehrenden Strukturen die wohl „hypnotisch“ sein sollen. Nein, ich denke nicht einmal dass es am erschreckend wenigen Black Metal Anteil der Scheibe liegt, das ich so wenig damit anfangen kann – selbst Drone Doom Anhänger werden ihre Schwierigkeiten damit bekommen. Dennoch empfehle ich Leuten, die auf der Suche nach einem solchen Hybriden sind, eher die Kanadier von Neige et Noirceur oder ähnliche Vertreter – bei Echtra tut man gut daran, das Projekt einfach zu ignorieren.

Titelliste von „Paragate“

  1. Paragate I
  2. Paragate II

(3,5/10)

Anspieltips:
Versucht wie lange ihr den ersten Track aushaltet.

Erscheinungstermin:
31.03.2011

http://www.myspace.com/23echtra23

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