ES23 – God²³ (Review und Kritik)

god23
ES23 - God ²³

Mit „God²³“ ist es also endlich so weit: Die im Ruhrgebiet bereits mit ordentlich Vorschusslorbeeren gestartete Kamen/Bochumer Band ES23 hat mit diesem Album endlich ihr Debütalbum veröffentlicht. Nun gilt es, diesen Lorbeeren gerecht zu werden. Einige Samplerbeiträge (u.a. im Orkus) und Remixes (unter anderem für ReAdjust oder die abgöttischen Wynardtage) haben diese bereits ansatzweise gerechtfertigt, doch nun gilt es, über die komplette Albumdistanz zu überzeugen: Das Projekt Studioalbum ist hiermit offiziell in Angriff genommen worden und überzeugend aufgemacht – Immerhin gibt es feine 13 Songs, 10 Remixes (u.a. von Animassacre, La Magra und Blutzukker) und ein verdammt gut gelungenes Artwork, und das für nen lausigen 10er. Was willst du mehr, mein Freund?

Okay, ich gebe zu, ein gutes Coverartwork würde mir als Kaufgrund nicht ganz ausreichen, doch die Band hat natürlich auch mehr zu bieten als einen guten Grafiker und viele Freunde, die sich für Remixes hergaben. Und das ist feine Musik, eine schöne Mischung aus Wumpscut, die das komplette Album über allgegenwärtig sind, Future Pop, EBM und Harsh Electro – Die eierlegende Electromilchsau. Oder so ähnlich. Denn alles, was einen durchschnittlichen Electrofan mit Niveau in Verzückung versetzt, wird hier aufgeboten: Tanzbarkeit, gute Melodien, düstere Atmosphäre, kalte, futurepoppige Synthleads und auch souveränen Gesang, der sowohl verzerrt als auch klar zu überzeugen weiß.

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Tim (oben) und Daniel (unten)

Das Album wird nach einem kurzen Intro von „Child“ eröffnet, das direkt vorgibt, in welche Richtung es geht – Der Wumpscut-Einschlag ist hier ganz besonders deutlich, mit einer atmosphärisch düsteren Spieluhr treibt der Song auf die Tanzflächen – Erinnert dezent an Horrorfilme der besseren Kategorie. „About a God schlägt hingegen in eine sehr club- und EBM-lastige Kerbe, die eher in Richtung technoiden Harsh Industrial tendiert und eher etwas für die Agonoize-Fraktion, die von diesem Song begeistert sein wird. Besonders cool: Die Popcorn-Gedächtnissynthies.

„Born“ trägt wiederum wieder die düstere, Wumpscut-lastige Seite der Band zutage und weiss durch guten Klargesang von Daniel zu überzeugen – Insgesamt eines der Albumhighlights. Genau wie „The Curse“, das bereits auf diversen Samplern vertreten war. Hier wechselt sich eine düster kriechende Strophe mit einem an etwas aggressivere Frozen Plasma erinnernden, eingängigen Refrain ab – Sehr tanzbar und geil gemacht. Clubhighlight – Wenn da nicht „No Return“ hinterhergeschoben werden würde, das noch einen Zacken aggressiver und EBM-lastiger reinhaut. „Sweetmeat“ gibt wieder voll auf die Glocke, wieder sehr an diverse Techno-Industrial erinnernd, während „Zarem“ da noch ein wenig mehr aus dem Rahmen fällt. Eine bedrückende Geschichte, aus Filmsamples zusammengeschnitten, die über ein tief düsteres Klangkonstrukt gelegt wurden.

Doch auch leichte Mankos gibt es zu vermelden – Aus dem „Interlude“ hätte man Welten mehr machen können- Hier wurde ein ganz gutes Songfragment verschenkt. Hie und da gibt es einige kleine Mängel in der Produktion, auch wenn das Album ganz ordentlich drückt. Der eine oder andere Song zieht auch etwas an einem vorbei, doch wenn man bedenkt, dass „God²³“ das Debüt der Band ist, darf man doch ordentlich beeindruckt dem Ding noch einen Durchlauf gönnen.

Fenriz
Fenriz

Fazit:

Ein starkes Debüt von ES23. Auch wenn hie und da leichte „Anfängerfehler“ auftreten, muss man der Band doch eine beeindruckende Reife attestieren. Während sich viele junge Bands in Trends verrennen, fallen die Ruhrpöttler da ein wenig aus dem Rahmen und erinnern statt an z.B. Combichrist gerne mal an Wumpscut – Vom Artwork als auch von der Musik her anscheinend ein großer Einfluss für die Band, für den man sich nicht schämen muss. Das Album hat einige gute Songs, teils auch Hits, aber auch ein paar weniger auffällige Songs – Als Highlights würde ich „The Curse“, „No Return“ und „About a God“ nennen. Insgesamt also durchaus ein Reinhören (mindestens!) wert. Was die Zukunft bringt, steht zwar noch in den Sternen, aber ES23 haben definitiv schon ein starkes Album im Gepäck! Endlich mal Dark Electro, der seinen Namen wirklich verdient. Die Remix-CD rundet das Ganze gut ab. Ergo: Zugreifen!


Tracklist:

CD 1:

  1. Intro
  2. Child
  3. About A God
  4. Born
  5. She
  6. The Curse
  7. Interlude
  8. No Return
  9. Machine
  10. I Want You
  11. For those who Died
  12. Sweetmeat
  13. Zarem

CD 2:

  1. About A God (E-Thik Remix)
  2. Sweetmeat (Electric Breathing Remix)
  3. No Return (-La Magra- Remix)
  4. Born (Animassacre Remix)
  5. About A God (Blutzukker Remix)
  6. The Curse (Shadowminds Remix)
  7. About A God (Cyborg Project Remix)
  8. About A God (Kaos-Frequenz Remix)
  9. Sweetmeat (Noize-Slut Remix)
  10. Born (Without Recognition Remix)
8/10
8 / 10

Highlights:

– The Curse
– Child
– About A God
–  No Return

www.myspace.com/es23band


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