Faun - Eden

Faun – Eden (Review und Kritik)

Faun - Eden

Faun sind ja auf  der Bühne der mittelalterlichen Musik nun wirklich keine Unbekannten mehr. Zwei Sängerwechsel seit 2008 stellten die Band auf eine Probe, die sie jedoch 2010 mit ihrer Akustik-Tour zum Buch der Balladen gemeistert haben. Bei diesen Konzerten stellte Margareta Eibl alias Rairda ihre Stimm- und Spielfertigkeiten grandios unter Beweis.

Nun wird schon zum nächsten großen Schwung ausgeholt: Das Album Eden wurde wieder für Screaming Banshee Records aufgenommen und steht nun in den Läden. Was aber so kurzfristig erscheint war in Wirklichkeit schon seit 2008 in Arbeit, und die lange Wartezeit scheint bei einem Umfang von 72 Spielminuten auch gerechtfertigt. Wandeln wir doch ein wenig in diesem musikalischen Paradiesgarten und schauen uns genauer um.

Zunächst ein paar Worte zum Cover und dem Booklet, die von insgesamt drei Künstlern erstellt wurden! Namentlich sind das Brian Froud, Julia Jeffrey und Kris Kuksi, die sich auf dem 70-seitigen Heft im Pappschuber wirklich nach allen Regeln der Kunst ausgetobt haben. Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Deluxe Pack zu holen, es ist sein Geld wirklich wert.

Auf schöne Bilder folgt schöne Musik, in diesem Fall dreht sich die Musik um den Garten Eden, allerdings von allen möglichen Sichtpunkten aus. Da hätten wir zum Beispiel Gesänge und Gedichte aus der Antike, norwegische Runengedichte und finnische Zaubersprüche, deren Texte sich übrigens alle samt Erläuterungen in Deutsch, Englisch und Originalsprache im Booklet finden.

Doch nun genug geschwafelt, ab mit der Musik! Das sagen sich auch Faun, und nach knapp 15 Sekunden Intro treiben uns die Trommeln in „Lvpercalia“ nach vorn. Dieser Song hat das, was Faun schon auf Renaissance zur Perfektion trieben, wieder hervorragend aufbereitet.

„Zeitgeist“ wartet mit der klaren Stimme von Oliver S. Tyr und einigen Einspielungen von englischen Stimmen auf, die vom fight against nature erzählen. Im Refrain glaubt man hier, sich beim Buchstaben vergriffen zu haben, eigentlich war die Drehleier doch immer deren Markenzeichen?! Macht nichts, hier klingt es absolut angemessen, Zeitgeist hat Potential für den mittelalterlichen Tanzabend.

Tanzbar geht es weiter mit „Iduna“, bevor der „Butterfly“ mit uns über die britischen Inseln davonfliegt. Nahtlos geht das Instrumentalstück in eine Geschichte zu Adam über, bevor mit „Hymn To Pan“ das schmackhafte Herz des Albums erreicht wird. Hier haben Faun wirklich ein meisterhaftes Stück geschaffen, das Flöten, Marimbas, Blech- und Holzpercussion miteinander verwebt. In „Pearl“ zeigen die Damen der Band, was für gesangliche Perlen sie doch sind. In diesem vom Dudelsack untermalten Stück stehen beide eindeutig im Mittelpunkt. Doch auch der Orient mischt hier als musikalische Untermalung mit – so geht multikulturell.

Die Band im neuen Gewand

Die „Polka Fran Anderson“ schafft es hingegen, ganz ohne Percussion eine sofortige Lust zum Tanzen zu wecken, eine respektable Leistung! „Alba“ handelt als mittelalterliches Tagelied von einem fliehenden Liebespaar, auch hier weiß Pade wieder mit einer außergewöhnlichen Gesangsmelodie überzeugen.

Mit den folgenden Stücken kommt nicht viel Neues, aber Bewährtes in Bestform. „The Market Song“, ein wunderschönes Duett mit männlichen und weiblichen Gesangsanteilen bietet eine gute Vorbereitung auf den krönenden Abschluss: „Golden Apples“.

Hier holen die Musiker noch einmal ihre sämtlichen Fähigkeiten in der Liedschreibung hervor und zaubern uns diese von Flöten und Frauengesang getragene Ballade.

Fazit:

Was lange währt, wird endlich gut! Hier haben sich Faun noch einmal selbst übertroffen und mit ihrem aus allen Kulturen zusammengetragenem Epos ein echtes Monumentalwerk geschaffen, das man in Ruhe genießen sollte. Einziges Manko für mich waren hierbei die wenig abwechslungsreichen Trommeln, die ruhig ein wenig mehr Dynamik und Tempo in die Stücke bringen könnten. Ob das vielleicht bei diesem Konzeptalbum gar beabsichtigt war, erfahrt ihr in unserem Interview.

Titelliste:

1. Lvpercalia
2. Zeitgeist
3. Iduna
4. The  Butterfly
5. Adam Lay Ybounden
6. Hymn To Pan
7. Pearl
8. Oyneng Yar
9. Polska Från Larsson
10. Alba
11. Ynis Avalach
12. Arcadia
13. The Market Song
14. Golden Apples

(9/10)

Erscheinungstermin:

Bereits erschienen

Anspieltipps:

Zeitgeist; Hymn To Pan, Polka Fran Anderson

Links:

www.faune.de

Faunbuch

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