Finsterforst - ...zum Tode hin

Finsterforst – …zum Tode hin (Review und Kritik)

Finsterforst - ...zum Tode hin
Finsterforst - ...zum Tode hin

An jeder Ecke dudelt und pfeift es, aus jedem Lautsprecher schunkelt und geigt es, auf jedem Festival werden Götter gepriesen, von denen die meisten nicht einmal ansatzweise eine wirkliche Ahnung haben und doch gibt es abseits der Gernotshagens und Black Messiahs (Kollege Skaal möge es mir verzeihen) dieser Welt auch Pagan Metal, welcher zum einen eine eigene Note besitzt, inspiriert klingt und zum anderen herrliche Songideen mit überlangen Kompositionen verbindet.

Finsterforst
Finsterforst

Über den reichlich bescheuerten Bandnamen möchte ich den Mantel des Schweigens legen, sind andere sicherlich nicht besser oder schlechter, Finsterforst sprechen eher durch ihr musikalisches Können und das ist wirklich enorm. Allein schon fünf Songs auf 70 Minuten zu verteilen und damit nicht zu langweilen, ist schon ein wahrer Segen einer Band aus einem Bereich, aus welchem man mittlerweile schon so übersättigt ist, dass einem schon beim blanken Hören von Humppa Rhythmen oder folklastigen Instrumenten die Galle hoch kommt. Und da können die Bands teilweise noch nicht einmal etwas dafür, es liegt einfach an den Praktiken mancher Labels jeden noch so leidigen Trend auszureizen bis zur absoluten Schmerzgrenze und jeden Schrott zu veröffentlichen, auf welchem auch nur ansatzweise ein Thorshammer gedruckt ist. Aber, was soll die Jammerei, auch diese Trendanbiederung wird mitsamt den Knallchargenversammlungen, die den früher einmal stolzen Begriff des Pagan Metals in den Schmutz ziehen, verschwinden und nur das übrig bleiben, was es auch wirklich verdient hat ein Genre mit Leben zu füllen.

Genug davon, denn Finsterforst gehören eben nicht zu den Sprücheklopfern und Großmäulern dieser Welt, sie haben etwas zu bieten, was eben diesen vollkommen abgeht. Auch Finsterforst garnieren ihre Musik mit Akkordeon, Tin Whistles und folkigen Melodien, verknüpfen Black Metal Blasts mit Power Metal Speed oder auch erhabener Majestätik im Stile Moonsorrows, sind dabei aber wesentlich variabler, glaubwürdiger und vor allem ganz einfach besser als es manche vollkommen zu Unrecht Lorbeeren einheimsende Band (wie hieß diese Band mit E?) ist. Ist der „Urquell“ noch von Akkordeon geprägt, dessen Melodie sich durch den Song wie ein roter Faden zieht, legen die nachfolgenden Stücke eine ordentliche Schippe drauf, bersten vor Abwechslung, knüppeln einen nieder, lassen einen akustisch entspannen oder voller stolz das Haupt erheben. Hinzu kommt, dass Finsterforst halbwegs klischeefrei an die Sache heran gehen, doch lyrisch dank erzwungener Reimschemas noch etwas unbeholfen daher kommen. Inhaltlich sicher interessant, in der Ausführung aber noch steigerungsfähig. Aber, was meckere ich, da greifen manche Bands weit tiefer ins Klo, als es Finsterforst jemals könnten.

Finsterforst - Live
Finsterforst - Live

Ganz groß in Form läuft die Band beim 21 minütigen „Untergang“ auf, denn hier stecken die schönsten Flötenarrangements, die tollsten ausgedehnten Akustikpassagen und das ausgefeiltste Songwriting des ganzen Albums. Was in diesen 21 Minuten passiert, reicht für manche für ganze Alben, so ist man sehr abwechslungsreich und klingt nicht zerfahren oder wie eine Aneinanderreihung von tollen Ideen. Gut, Party-Stimmung, wie bei anderen Bands kommt nur bedingt auf, aber bei Finsterforst stehen eher die Atmosphäre und die großen Stücke im Vordergrund. So hinkt denke ich der Vergleich mit Moonsorrow sicher nicht hinterher, auch wenn Finsterforst doch desöfteren mehr auf das Gaspedal treten und gesanglich den Finnen noch nicht das Wasser reichen können. Die Produktion ist jedenfalls exzellent druckvoll und passt wie die schlagkräftige Heidenfaust aufs Auge.


iskharian3Fazit:

Schöner, eigenständiger Pagan Metal, der durch musikalisches Können und tollen überlangen Songs überzeugen kann. So kurz und knapp fällt das Fazit aus. Die wenigen Kritikpunkte wirken sich kaum auf die Wertung aus und ich bin mir sicher, Finsterforst werden sich noch weiter steigern können. Einheit Produktionen hat jedenfalls ein ganz heißes Eisen im Feuer mit den Freiburgern.


 

Trackliste:

  1. Urquell
  2. Das große Erwachen
  3. Seines Glückes Schmied
  4. Sturmes Ernte
  5. Untergang


7,5/10
7,5/10

Anspieltipps:

Untergang, Das Große Erwachen, Sturmes Ernte

Erscheinungstermin:

27. Februar 2009

Finsterforst Myspace

Finsterforst Homepage

Einheit Produktionen


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