Fjoergyn – Jahreszeiten (Review und Kritik)

Jahreszeiten
Jahreszeiten
Vier Jahre nach der Veröffentlichung des Debüts „Ernte im Herbst“ und zwei Jahre nach dessen Nachfolger „Sade et Masoch“ ist es nun im November soweit: Die thüringer Schöngeister von Fjoergyn schließen ihren dreiteiligen Albenzyklus mit dem lang erwarteten Album „Jahreszeiten“ ab. Dieses wurde bereits im Vorfeld während der gemeinsamen Nachtreisen-Tour mit Dornenreich und Ahab in einer limitierten Version angeboten und rief infolgedessen bereits jetzt die verschiedensten Reaktion hervor – viel Euphorie, vereinzelt aber durchaus auch Enttäuschung. Das Album scheint also ein zweischneidiges Schwert zu sein, welches sich von den Vorgängern angeblich teilweise stark unterscheiden soll. Somit ist es wohl mehr als angebracht, genauer zu beleuchten, was den Hörer nun wirklich auf dem neuen Werk erwartet. Stellt es eine gute Ergänzung oder bestenfalls gar eine Bereicherung zu Fjoergyns bisherigem Schaffen dar?

Wie auch die Vorgängeralben, in denen es um den Konflikt zwischen Mensch und Natur beziehungsweise um den Menschen an sich ging, folgt auch „Jahreszeiten“ einem bestimmten Konzept. Wie der Name des Werkes bereits andeutet, wird hier versucht, ähnlich dem kürzlich erschienenen und ebenfalls mit „Jahreszeiten“ betitelten Album von Nargaroth, den Ablauf eines Jahres musikalisch darzustellen, chronologisch vom Frühjahr bis zum Winter. Dies führt dazu, dass die einzelnen Stücke nun sowohl musikalisch als auch inhaltlich wesentlich mehr aufeinander Bezug nehmen, als es noch in den Vorgängern der Fall war.

Von Anfang an bricht „Jahreszeiten“ mit der Tradition der beiden vorangegangen Alben, welche beide mit einem mehrminütigen instrumentalen Intro eingeleitet wurden. Nach einer recht ruhigen Einleitung, bestehend aus dem Rauschen des Windes, erweist sich der Opener „Auf bald“ als ein musikalisch recht hartes und episches, teilweise bereits mit Blastbeats unterlegtes Stück, welches den Intros der beiden Vorgänger in punkto Dramatik zwar in nichts nachsteht, aber reichlich Gesang beinhaltet – sowohl gutturalen als auch Klargesang, wie man das von Fjoergyn auch gewohnt ist. Der Text behandelt, wie der Winter endet und vom Frühling abgelöst wird. Der zweite Track „Verklärte Welt“ schließt sich dem musikalisch so nahtlos an, dass der Übergang beim ersten Durchhören nicht im Geringsten auffällt. Auffällig ist im weiteren Verlauf des Liedes die passend zum Frühling ungewöhnlich fröhliche Melodie.

Fjoergyn
Fjoergyn
Wesentlich getragener und bedrückender wird das Album dann mit „Sturmzeit“ fortgesetzt. Dieses endet mit einer Adaption der bekannten Melodie „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ von Wilhelm Hey, womit sich „Sturmzeit“ in die Tradition des Requiems von „Ernte Im Herbst“ und „Sade“ von „Sade et Masoch“ eingliedert, in denen ebenfalls bekannte Melodien adaptiert wurden.
Es folgen „Der Himmel fällt“ und „Am Ende der Welt“, welche textlich direkt zusammenhängen und ein wenig aus dem eigentlichen Konzept fallen. Im Konzept des Albums sollten sie den Sommer charakterisieren, jedoch wird hier stattdessen beschrieben, wie die Sonne verschwindet und später, nach einer Zeit der Unwetter und Naturkatastrophen, wieder erscheint. Dies zeigt auf, wie sehr die Menschheit der Macht der Natur eigentlich ausgeliefert ist. Im Kontext der Jahreszeiten könnten die beiden Lieder auf die Sommersonnenwende anspielen.
Mit dem vergleichsweise ruhigen und melancholischen „Der Herbst ist da“ wird danach sehr stimmungsvoll die dritte Jahreszeit, der Herbst, eingeleitet. Wie für ein Herbstlied typisch geht es hier vor allem um die Vergänglichkeit. Insgesamt ein sehr schönes Lied mit einem hohen Ohrwurmfaktor, aber leider ist es mit nicht mal vier Minuten auch etwas kurz.
Härter und länger ist dann „Wie Jahr um Jahr“, in dem weiter auf das Absterben der Natur während des Herbstes und die ersten Anzeichen des Winters eingegangen wird.
Jera
Jera
Mit „Jera“ (die altnordische Rune für „Ernte“) folgt danach ein – bis auf zwei rezitativ vorgetragenen Gedichtstrophen – instrumentales Stück, bevor in „Ich bin der Frost“ der Winter endgültig wiederkehrt und so den Kreis schließt. Passend dazu leitet am Ende des Stückes, nach einer weiteren rezitierten Textpassage, in der Fjoergyn selbst charakterisiert wird, das Geräusch des Windes nahtlos wieder in das erste Stück des Albums über.

Insgesamt sind die Texte einmal mehr sehr gut gelungen und bieten auch neben dem Konzept der Jahreszeiten Spielraum zur weiteren Interpretation.

Musikalisch geht das Album nicht wirklich neue Wege. Es orientiert sich am ehesten am direkten Vorgänger „Sade et Masoch“ und ist somit sehr gitarrenorientiert und rockig, wobei aber die Einflüsse der klassischen Musik noch deutlicher festzustellen sind – somit wirkt die Musik wesentlich vielschichtiger und übertrifft die der beiden schon äußerst epischen Vorgänger an Bombast noch bei weitem. Stellenweise wirkt die Melodieführung infolgedessen auch ein wenig überladen.
Der Klargesang ist in diesem Album facettenreicher als in den Vorgängern. Es wird versucht, ein größeres Spektrum an Gefühlslagen damit abzudecken, was gut gelingt, stellenweise aber auch der Gewöhnung bedarf. Zudem wurde auch das aus „Ernte im Herbst“ bekannte tiefe Growling, auf welches bei „Sade et Masoch“ weitestgehend verzichtet wurde, zumindest im Hintergrund der Lieder wieder häufiger verwendet.

RidleyFazit:
Was für ein Album! Ich habe versucht, meine Erwartungen im Zaum zu halten, denn bei vielen Musikern ist es so, dass die Qualität von Album zu Album sinkt. Bei Fjoergyn jedoch sind davon bisher keinerlei Symptome zu bemerken – der Quell der Inspiration scheint noch zu sprudeln, was hoffentlich noch lange so bleibt. Die Musik jedenfalls wirkt sowohl ausgereifter als auch aggressiver und intensiver als noch bei „Sade et Masoch“.
Es mag sein, dass auf diesem Album nicht mehr so eingängige Lieder wie „Katharsis“ vertreten sind, doch dies ist zumindest für mich nicht die Musik, die Fjoergyn repräsentiert, weshalb ich es ihnen weder ankreiden kann noch will.
So kann ich nur damit schließen, dass Fjoergyn mit „Jahreszeiten“ nicht nur einen würdigen Abschluss für ihren Zyklus, sondern auch den bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens abgeliefert haben.

Trackliste:

  1. Auf bald
  2. Verklärte Welt
  3. Sturmzeit
  4. Der Himmel fällt
  5. Am Ende der Welt
  6. Der Herbst ist da
  7. Wie Jahr um Jahr
  8. Jera
  9. Ich bin der Frost
(9 von 10)
(9 von 10)
Anspieltipps:
Sollte am Stück gehört werden. Höhepunkte:
-Verklärte Welt
-Am Ende der Welt
-Der Herbst ist da

Erscheinungsdatum:
27.11.2009

Fjoergyn – Homepage
Fjoergyn auf MySpace

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