Front Line Assembly - Improvised Electronic Device

Front Line Assembly – Improvised Electronic Device (Review und Kritik)

Front Line Assembly - Improvised Electronic Device

Front Line Assembly veröffentlichen ein neues Kapitel in ihrer langen, wegweisenden Biographie und machen genau das, was sie am besten können: Das Aufbrechen und Neuerfinden von Elektronik und Industrial Musik ohne Kompromisse bei Songwriting und Melodie. “Das neue Kapitel heißt Improvised Electronic Device und es verbreitert den stilistischen Ansatz der Band einerseits, und besinnt sich andererseits auf die Stärken der Band in Sachen Songwriting und Sounddesign“ sagt Bandgründer Bill Leeb und ergänzt „Wir finden wieder neue Wege um unseren Sound zu definieren.

Das Album beschleunigt schon im eröffnenden Titeltrack von 0 auf 100 und dementsprechend weit nach oben geht auch der Adrenalinspiegel der überraschten Hörerschaft. “Das ist der erste Song den wir in diesem ungewöhnlichen Rhythmus geschrieben haben“ erklärt Bill, “Chris Peterson (Keyboards & Programming) wollte unbedingt mehr Abwechslung in unserem Sound, er hat uns herausgefordert, neue Wege zu suchen. Viele Gitarrensounds, die von Jared Slingerland und Justin Hagberg (von der kanadischen Metalband 3 Inches Of Blood) eingespielt wurden, erhielten im Nachhinein noch eine elektronische Veredlung um noch ein wenig fremder und aggressiver, technischer zu klingen. Wir wollten, dass gerade der Titeltrack komplex und herausfordernd wird, genau wie die Welt in der wir gerade leben. In dieser Welt gibt es eben keine leichten Antworten mehr.“

Ihren Sound zu verändern ist FLA auf jeden Fall gelungen. Ebenso scheinen die Jungs auf ihre alten Tage doch etwas tiefgründiger zu werden. Der Song „Angriff“ zum Beispiel, wurde durch FLAs erste Reise nach Russland inspiriert, wo Bills familiäre Wurzeln liegen. Die Band war wohl schwer beeindruckt von den vielen Monumenten und Kriegsdenkmälern, daher ist auch der Sound sehr getragen und teilweise recht bombastisch-erdrückend. Nach dem etwas blass wirkenden „Hostage“ kommt dann dank Justins Einfluss wieder brachialer Gitarrensound ins Spiel. Die Lyrics handeln von einem Planeten, der in Schleim und Trauer getaucht, darauf hofft endlich aus seiner Situation erlöst zu werden. Nur eine Metapher dafür, dass wir alle Gefangene unserer Umwelt sind, oder schwingt da doch ein wenig Kritik am Verhalten des Menschen mit?

„Shifting Through The Lens“ erzählt von einer Situation, die viele von uns wohl kennen; man schaut durch ein Schlüsselloch und sieht Dinge, die nicht für einen bestimmt waren. Im Falle dieses Songs ist das allerdings ein Glücksfall, denn dieser elektronische Tanzflächenfüller wird wohl demnächst öfters in den Clubs zu hören sein. Treibender Beat, Vocodereinsatz und eine eingängige Melodie: Et voilá, ein Sommerhit! Wenn man dann müde und abgekämpft wieder in den heimischen Sessel sinkt, lässt einem Improvised Electronic Device mit „Laws Of Deception“ ein klein wenig Zeit zum Luftschnappen. Genutzt wird diese Zeit allerdings um in mansonesquer Manier (sowohl thematisch als auch musikalisch) gehörig Kritik an den Medien und ihrem Machtmissbrauch zu üben. Da ertappt man sich nicht nur wegen des Rhythmusses beim Nicken.

Wer danach Aggressionen in sich aufsteigen spürt, dem wird sogleich mit „Pressure Wave“ geholfen. Schrammelgitarre, verzerrte Schreie und massiver Einsatz von Perkussion schaffen umgehend Abhilfe. Kein Wunder, dass bei miesem Wetter in Vancouver solche Musik herauskommt. Und noch weniger verwunderlich ist es, warum dieses Wetter dann „heroin weather“ genannt wird. Aber Finger weg von den Drogen (!), denn „Afterlife“ gehört zwar reihenfolgetechnisch als nächstes gehört, aber bitte nicht wörtlich genommen. Ungewohnt ruhig und als erster Song mit Akkustik-Gitarre, ist das Stück eine Hommage von Bill an seinen Vater, den er nach zwanzigjähriger Suche endlich in Österreich fand, welcher aber zwei Monate nach dem Treffen verschied.

Wer jetzt jedoch befürchtet, nur noch traurige Songs auf dem Album vorzufinden, wird positiv enttäuscht. Die vorletzte Nummer „Stupidity„, hört sich nicht nur so an als wäre sie eigentlich von Ministry, nein, Al Jourgensen höchstpersönlich steht da am Mikro. Ok, wie er nunmal ist hat er auch gleich die Abmischung übernommen, was dazu führte, dass „Stupidity“ ein knallhartes Schrammelbrett ist, bei dem man nicht genau weiß, ob man nun headbangen oder stompen soll. Genial! Solch produktive Zusammenarbeit sollte es öfter geben. Als Ausklang haben die Jungs dann ein klassisches Ambient-Stück auf das Album gepackt. Sphärische Klänge, langsamer Beat und eine abwechslungsreiche Melodie. So hat man FLA-Alben gerne; abwechslungsreich.

Fazit: Überraschend, anders, abwechslungsreich. Mehr kann man eigentlich zu Improvised Electronic Device nicht sagen. Ja doch, etwas fällt mir dann doch noch ein: Anhören!








Tracklist:

  1. I.E.D
  2. Angriff
  3. Hostage
  4. Release
  5. Shifting Through The Lens
  6. Laws Of Deception
  7. Pressure Wave
  8. Afterlife
  9. Stupidity (feat. Al Jourgensen)
  10. Downfal
( 9,5 / 10 )

Veröffentlicht: 25.06.2010

Anspieltipps:  Shifting Through The Lens, Afterlife, Stuoidity

Website: http://www.mindphaser.com

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