Furia - Grudzie? za Grudniem

Furia – Grudzien za grudniem (Review und Kritik)

Furia - Grudzie? za Grudniem
Furia - Grudzie? za Grudniem

Ganz ehrlich, mir gehen Behemoth und Vader mal so dermaßen am Arsch vorbei, egal was für tolle Alben die Herren aus Polen eingespielt haben mögen, denn unser östlicher Nachbarstaat hat wesentlich mehr (und besseres) zu bieten als die mittlerweile etablierten Bands, die sich mit Hochglanz-Verträgen und Produktionen rühmen dürfen. Ich sage hier nicht, dass die Bands es nicht verdient hätten, doch wie ich finde ist dabei einiges an Herz in der Musik verloren gegangen. Neben den göttlichen Mgla, die es hoffentlich auch einmal schaffen auf Albumlänge voll zu überzeugen, ist es Furia gelungen innerhalb kurzer Zeit auf etlichen deutschen schwarzmetallischen Plattentellern zu landen. Mit dem neuen Album werden sich die Polen jedenfalls eine noch größere Fan-Basis erspielen können.

Denn, das, was Shining wohl mit ihrem neuen Album nicht geschafft haben, haben Furia in meisterlicher Manier vollbracht, nämlich eine Weiterentwicklung furiosen Ausmaßes, nahe an musikalisch wertvollen Genregrößen wie Negura Bunget oder sogar Opeth. Klar, deren Progressivität wird zunächst nicht erreicht, doch Furia besitzen genügend musikalische Tiefe und eigenständiges Songwriting, um sich klar in die vorderen Positionen des melodischen Black Metals zu etablieren. Dazu ein leichter Schuss rockiger Rotzigkeit, was sich durch den Gesang, den ich dank der polnischen Sprache vom Klang her mit Skyforger vergleichen könnte und einem Niklas Kvarfort besser zu Geswicht stünde, als sein ewiges Geröchel, noch ordentlich verstärkt. Furia wissen, wie man abwechslunsgreich und spannend agiert und das auf jeder Ebene. Dabei stört die polnische Sprache nicht im Geringsten, sondern gibt dem Album einen  Hauch slawischer Größe hinzu.

Furia
Furia

Darf man den Opener wohl noch als so etwas wie eine Auslotung, wie weit man gehen kann, verstehen, wird man bei „Zgnilem“ das erste mal den Mund vor erstaunen öffnen können. Nachdem man in bester Dark Funeral Manier ein typisch schwedisches Riff runtergeholzt hat (es fehlt noch nicht einmal der thrashige Drum-Einsatz), erstaunen die Mannen mit einem entspannten cleanen Gitarreneinsatz, versetzt mit leisen Blasts und der beeindruckenden Stimme Nihils. Tolle wehmütige Melodien, welche sparsam gesetzt werden, lassen immer wieder genau aufhorchen und dank frischer Ideen, versinken Furia im Gegensatz zu Shining nicht im Sumpf der musikalischen Letargie. Leicht jazzige Passagen wirken auflockernd, aber nicht verkopft, erinnern bisweilen an Klabautamanns Geniestreich „Merkur„, ohne dort abzukupfern.

Przechrzczony“ geht gleich zum Angriff über, rockt wirklich derbe mit passendem Double-Bass Einsatz. Überhaupt ist die instrumentale Fraktion exzellent. Die Drums sind präzise und spannend arrangiert (etwas Druck in der Produktion wäre sicher noch drin gewesen), die Seitenfraktion, einschließlich Bass, jedenfalls ist über jeglichen Zweifel absolut erhaben. Der geniale Wechsel zwischen melodischen Metal Parts und jazzig ruhigen Abschnitten, ist absolut gekonnt und liefert immer wieder Überraschungen. Konzeptuell greifen die Polen die Belagerung der russischen Stadt Pskow im Livländischer Krieg (1558 – 1583) auf, was sich aber mangels Kenntnisse des Polnischen anhand der Texte nur schwer erahnen lässt.


iskharian3Fazit: Furia haben ein spannendes Album veröffentlicht, welches absolut eigenständig ist und im Wechsel zwischen Ruhe und Sturm zu seiner größten musikalischen Entfaltung kommt. Zwischen schwedischer Melodieführung, slawischer Urgewalt und avantgardistischen Songstrukturen verbirgt sich ein langhaltig ansprechendes Album, welches wohl den Durchbruch der Polen bedeuten könnte, denn mit seiner gekonnten Vielfalt bewegen sich die Polen ganz klar im oberen Drittel slawischer Black Metal Bands.


Trackliste:

  1. Jeszcze i jeszcze
  2. Zgnilem
  3. Przechrzczony
  4. Grudzien za grudniem
  5. U krza stoi olsza
  6. Kim jestes


( 8 / 10 )
( 8 / 10 )

Anspieltipps:

Zgnilem, Przechrzczony

Erscheinungstermin:

12.10.2009

Furia Homepage

Pagan Records Myspace




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