Geist - Galeere

Geist – Galeere (Review und Kritik)

Geist - Galeere
Geist - Galeere

Die Sehnsucht nach der kalten, dunklen Meeresgischt hat schon viele Menschen gepackt. Lebt das Meer in den fantastischen Träumereien von unschuldigen Kindern, so spiegelt es sich in den habgierigen Augen junger Männer, oder es treibt gebrechliche Greise in die schwarzen Fluten der Nacht. Literarisch wurde sich schon weitesgehend mit allen Aspekten der sieben Weltmeere beschäftigt, erschuf doch gerade das Meer für Captain Ahab seine Nemesis und schließlich sein nasses Grab, zerstörte es das Schiff des reisenden Crusoe, oder ist es Schauplatz für den Kampf gegen den Marlin des alten Fischers in Hemingways Novelle. In unserer Zeit birgt das Meer aber weit größere Gefahren, als Meereslebewesen, deren Grund bis zur Ausrottung weiterhin leer gefischt wird. Der Mensch selbst nimmt Einfluss und verursacht durch seine unbedachten Umgang mit der Natur in naher Zukunft Katastrophen gigantischen Ausmaßes. Es ist also ein wichtiges und für die Zukunft unumgängliches Thema, welches sich Geist für ihr drittes Album auf die Fahnen geschrieben haben, denn „Galeere“ setzt sich mit dem Meer, aber vor allem auch mit dem Menschen auseinander.

Geist
Geist

Nach dem fantastischen Debut „Patina“ und dem richtungsweisenden Album „Kainsmal“ ist „Galeere“ nun das erste Album unter der Flagge von Prophecy Productions. Gerechtermaßen möchte man sagen, steht das Label einschließlich Sublabel Lupus Lounge doch für Qualität und genau diese beweisen Geist auch mit Album Nummer Drei. „Galeere“ stellt eine Steigerung in jeglicher Hinsicht dar, welche man vor allem anhand der extrem dichten und vor allem klaustrophobisch düsteren Atmosphäre, die durch allerhand nautisch bekannter Geräusche noch weiter auf die Spitze getrieben wird, erleben darf. Die fünf Stücke gehen ineinander über, werden durch Echolote, knarzende Planken und etliche Filmsamples ausgeschmückt und erlangen dadurch noch weit größere Meerestiefe, als es allein durch die überlangen Kompositionen schon der Fall ist.

Markus Stock hat an den Reglern ganze Arbeit geleistet, die Drums donnern Welle um Welle gegen den Bug der Galeere, schummrige Gitarren erzählen Geschichten von in den Tiefen der schwarzen Fluten verunglückten Seeleuten und Cypher D. Rex klagt als toter Kapitän die Lieder der schon vergessenen Mannschaft mit aller Inbrunst. Es sind die kleinen Momente, die als Ganzes so wahnsinnig gut funktionieren, dass man vor Spannung nahezu bersten möchte. Als nach dem brachialen Knüppel-Part von „Ein Winter auf See“ diese unheimlich einschmeichelnde Leadgitarren-Melodie einsetzt, wünscht man sich selbst an Bord des vom Sturm gepeitschen Schiffes zu sein, um es mit eigenen Augen und Ohren miterleben zu dürfen. Kein Segel, nur die schwindende Kraft der Menschen läßt die Galeere nicht im Wahnsinn versinken.

Geist - Patina
Geist - Patina

Durch lichtlose Tiefen“ werden wir getrieben, vom Kampf zerschmetterte Wracks schimmern dunkelgrün von Algen bedeckt und zeigen, dass die Natur zum Schluss den Menschen bezwingen wird, irgendwann, denn sie ist im Gegensatz zum Menschen geduldig. Dessen Hochmut wird in „Helike“ von einer Flutwelle ausgemerzt, Poseidons Rache zwingt den Menschen seine Vergänglichkeit einzugestehen, denn dieser klammert sich daran „Unter toten Kapitänen“ zu segeln in einer Irrfahrt ins Ungewisse.

So bildhaft, wie ich hier versuche die Stücke zu beschreiben, darf man sich „Galeere“ durchaus auch vorstellen. Spannend ist dabei, dass auch antiker Stoff, wie der Untergang Helikes in heutiger Zeit hervorragend funktioniert und vielleicht mehr denn je für Angst und Schrecken sorgen sollte. Bei aller möglichen Insolvenzverfahren und Bankencrashs ist der in vollen Zügen von Statten gehende Klimawandel wieder in Vergessenheit geraten, spätestens bis in Südostasien wieder tausende von Leichen an die überfluteten Ufer der ärmsten Länder der Welt gespült werden und die westliche Welt vor Betroffenheit in Mitleid versinkt. Man darf „Galeere“ und allen anderen Werken, die sich dem Meer gewidmet haben, mit Ehrfurcht begegnen. Es wird sich dadurch zwar nichts verändern, doch man hat wenigstens versucht die Augen zu öffnen und sich bewusst zu machen, welche Rolle wir an Bord der vielen Galeeren im Meer der Menschen eigentlich spielen.


iskharian3Fazit:

Geist ist es gelungen sämtliche Stärken zu bündeln und innerhalb eines spannenden Konzeptes auszudrücken. Das Grundgerüst ist klar melodischer und abwechslungsreicher Black Metal, doch haben es Geist geschafft die Grenzen vor allem atmosphärisch zu erweitern. Die fünf überlangen Stücke sind nicht für Zwischendurch, sondern erfordern Aufmerksamkeit und Hingabe. Ein absolutes Eintauchen in die nasse Materie ist nötig, um „Galeere“ voll schätzen zu wissen. Dafür wird man mit einem Album belohnt, welches in seiner Kompaktheit wohl nur schwer zu toppen sein wird.

Trackliste:

  1. Galeere
  2. Ein Winter auf See
  3. Durch lichtlose Tiefen
  4. Helike
  5. Unter toten Kapitänen

9/10
9/10

Anspieltipps:

„Galeere“ ist ein kompaktes, abgeschlossenes Werk, am besten am Stück zu genießen

Erscheinungstermin:

15. Mai 2009

Geist Myspace

Geist Homepage

Lupus Lounge / Prophecy Productions


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