Hammer of Doom Festival 2009

Hammer of Doom Festival (Konzertbericht)

Hammer of Doom Festival 2009
Hammer of Doom Festival 2009

Der Bechtolsheimer Hof hat am 31.Januar in Würzburg zum ersten Hammer of Doom Festival geladen und nach entspannter Anfahrt hab ich in Würzburg auch recht schnell einen Parkplatz gefunden. Den B-Hof selber hab ich dann nur mit viel Glück und dem Verfolgen langhaariger, Schwedisch sprechender Menschen, die sich als eine der teilnehmenden Bands, nämlich Isole, heraustellten, entdecken können.Das erste Mal in Würzburg, da kann das schon mal passieren.

Vor dem Club war es dann auch schon recht gut gefüllt, was die Stimmung schon mal ansprechend anheizte. Im Club selbst, der sich als hübsch verwinkelter Braukeller herausstellte war schon die buchstäbliche Hölle los und man merkte, es wird heute sehr voll hier werden. Wenn man bedenkt, dass Doom eigentlich in den letzten Jahren eher ein Randgruppendasein gefristet hat, ist man umso mehr erstaunt, wie viele heute mit Saint Vitus, Reverend Bizarre oder anderen Shirts aus dem Bereich anzutreffen waren. Noch erstaunlicher ist, dass hier wirklich einmal alle Altersgruppen vorhanden waren, vom jungen Erwachsenen bis zu nicht mehr ganz so jungen Herren war alles vertreten. Man durfte also gespannt sein, wie das gut gefüllte Haus auf die sechs geladenen Bands reagieren wird.

Seamount
Seamount

Den Einstieg machten dabei die lokal ansäßige Band Seamount, welche zusammen mit ihrem amerikanischen Sänger Phil Swanson, der stimmlich etwas angeschlagen war, vom Publikum sehr positiv aufgenommen wurde. Die Band spielte locker ihren traditionell verwurzelten, leicht progressiven Doom runter, wirkte sehr routiniert und konnte als Opener wirklich überzeugen. Mitnicken war schon einmal angesagt und die sympathischen Ansagen Phils taten ihr übriges, um die Band positiv in Erinnerung zu behalten.

Ereb Altor hatten dann leider etwas Pech, was ihren Auftritt anbelangte. Erst technische Schwierigkeiten, dann verstimmte sich Ragnars (Daniel Bryntse) Gitarre noch ständig, doch die schwedische Band, die zu 100% aus Isole-Mitgliedern besteht, rettete ihren dank der Probleme spät gestarteten Auftritt noch so über die Zeit und konnte durchaus auch begeistern. Die zweistimmigen Chöre wussten schon auf dem Album „By honour“  zu gefallen und spätestens beim Bathory-Cover hatten sie mich vollends gepackt. Trotz aller Schwierigkeiten ein guter Auftritt und man war in der Hoffnung, dass man mit Isole die Umstände besser meistern konnte. Die Schweden sollten aber nicht die einzigen sein, die heute Abend Probleme bekommen sollten.

Von In aevum agere hatte ich bisher noch nie gehört, doch als die Band zu spielen begann wusste ich, warum sie an dritter Position gesetzt waren. Die Süditaliener zeigten eine beeindruckende Leistung, klangen für eine Doom-Band schon sehr thrashig und knallten dem begeisterten Publikum auch einmal lupenreinen Power Metal um die Ohren. Technisch vollkommen auf der Höhe, hymnenhaft und auch leicht progressiv lies man bei einem Teil der Zuhörer die Köpfe kreisen. Ein Candlemass Cover und erste Zugabe-Schreie wurden laut, die man aufgrund des fast schon zu knappen Zeitplanes nicht erfüllen konnte.

Daniel Bryntse - Isole
Daniel Bryntse - Isole

Mit Isole kam nun mein eigentlicher Grund auf dieses Festival zu fahren und was soll ich sagen? Die Schweden machten alles wesentlich besser als mit Ereb Altor, sorgten gleich zu Beginn für absolute Hochstimmung und begannen mit „The watcher“ vom Debut „Forevermore„. Für meinen Teil war ich in absoluter Ekstase, gefangen von den Stimmen Cristers und Daniels, perfekter epischer Doom Metal. Danach das Titelstück des zweiten Albums „Throne of void„, nicht weniger genial, einfach fantastisch. Zwischen ausgelassenem Bangen und ungläubigen Staunen war alles dabei, was die Gefühlspalette hergibt. Gänsehaut trotz der üblen Hitze im Bierkeller. Danach kam mit „By Blood“ der Opener von Album Nummer drei „Bliss of solituide„, wiederum ein totaler Hammer. Der Gesang Daniel Bryntses brennt sich tief in die Seele, einfach herrlich! Das Stück vom neuen, im Februar erscheinenden Album „Silent ruins“ erfüllte alle hohen Erwartungen, gefiel der Menge ebenso, wie die etablierten Songs und wurde total abgefeiert. Zum Schluss wurde von den Fans „Autumn leaves“ vom zweiten Album gefordert, doch zu meiner großen Freude spielten Isole „Demon green„, welches mit seinem Hymnehaften Choruspart etliche zum Mitsingen zwang. Ein grandioser Abschluß für eine sehr sympathische Band.

Die Italiener Dark Quarterer bekam ich dann nur noch am Rande mit, war ich eigentlich schon in Aufbruchstimmung, da ich am nächsten Tag in die Arbeit musste und bei knapp zwei Stunden Fahrt nicht zu spät zu Hause sein wollte. Doch musste ich mir die Band dann doch einmal ansehen, waren der Sänger und der Drummer bestimmt schon locker jenseits der 50. Ich muss zugeben, von der Band bisher noch nie etwas gehört zu haben und so bin ich umso mehr erstaunt, dass es diese bereits seit 1974 gibt und das erste Album erst 13 Jahre später auf den Markt kam. Nun ja, ich war gespannt, bekam dann noch mit, dass der Keyboarder der Band Probleme mit einem der zwei Tasteninstrumente hatte und sich dann auf die Orgel beschränkte. Der Sänger und Bassist Gianni Nepi, der aus dem Bilderbuch für gealterte Rockstars stammen könnte mit seinem Hut und dem silbergrauen Vollbart baute einen Notenständer mit einem Büchlein in welchem sich scheinbar die Texte befanden vor sich auf und machte auf mich zunächst einen sehr amüsanten Eindruck. Na, das kann was werden, dachte ich mir, doch als man die ersten Töne erklingen ließ, war ich tatsächlich positiv überrascht. Hammond-Orgel, Progressiv-Episch bis zum geht nicht mehr und überlange Songs mit wahnwitzigen Sololeistungen des jungen Gitarristen Francesco Sozzi. So wurde die Band vom Publikum, welches total mitging, extrem abgefeiert.

The devil’s blood konnte ich mir dann leider nicht mehr ansehen, was ich sehr bedauere, aber die Niederländer sind im Moment sowieso ständig live unterwegs, was ich dann wohl auf jeden Fall noch nachholen werde.

Insgesamt also ein gelungenes Festival, auch wenn mich persönlich wirklich nur Isole vollkommen begeistern konnte. Ein großes Lob gebührt dem noch recht jung wirkenden Soundmann, der allen Bands einen zwar seh lauten, aber differenzierten und in dem Gewölbe ansprechenden Sound gezimmert hat. Über eine Neuauflage des Festivals würde ich mich auf jeden Fall sehr freuen, hat das volle Haus den Veranstaltern bestimmt die Möglichkeit für ein Hammer of Doom Teil Zwei eingeräumt.

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