Heavy-Current – Push the Fire (Review und Kritik)

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Heavy-Current - Push the Fire

Dafür, dass Heavy-Current schon ihr fünftes Album veröffentlichen, habe ich bisher überraschend wenig von der Band gehört, eigentlich nur den wirklich guten Track „Das L-Ich-T“ von einer Sonic-Seducer-Compliation. Angeblich hat sie sogar schon die Radionervensäge Eins Live gespielt. Zu ihrer Verteidigung kann ich sagen, dass die auch schon mal von den Sisters of Mercy gespielt haben, zwar spät nachts, aber sie haben es gespielt. Also können wir doch ein wenig neutraler an die Jungs herangehen, die sich ohrenscheinlich ordentlich von Nine Inch Nails, Project Pitchfork, Zeromancer und Oomph! haben inspirieren lassen. Heraus kommt kraftvoller und tanzbarer Electro-Rock, der zum mitnicken anregt.

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Sein Nachbar hört Hardstyle. Ich würde auch so reagieren.

Mit den richtigen Vorbildern kann normalerweise nicht viel schiefgehen, es sei denn, man ist eine Eins-zu-Eins-Kopie. Das sind die Bielefelder aber zum Glück nicht, obwohl gerade die etwas neueren Oomph! immer gerade durchscheinen. So ist der Anfangston des Openers „Infected fast genau der gleiche wie bei Oomph!s „Der neue Gott“ (Sogar die Tonlänge stimmt!), aber nehmen wir das mal als kleinen Tribut. Denn an den Songs an sich ist fast nichts auszusetzen. Relativ konsequent ziehen Jan (Gesang und Synths), Felix (Gitarre und Cello) und Nook (Schlagzeug und Synths) ihren Stil durch, der von straighten Schlagzeugrhytmen, industriellen Gitarrenriffs und Synthiemelodien plus elektronischen Unterbau geprägt ist. Jan mag kein Übersänger sein, macht aus seinem rockigen Organ aber das Beste, was verdammt gut zur Musik passt. Nur an der Variabilität lässt er noch ein wenig vermissen. Es gibt aber fast durchgängig auf die Glocke, also stört das recht wenig.

Am besten geht das Rezept von Heavy-Current beim Titeltrack „Push the Fire“ auf, der sehr elektronisch anfängt und im Refrain das Gitarrenbrett auspackt. Dringend erwähnenswert ist aber auch der zweite Song, „Ratrace“, bei dem Jan gesanglich seine beste Leistung abliefert. Dieser Song ist wohl das Highlight des Albums und schlägt alle anderen Tracks in Sachen Eingängigkeit und Tanzbarkeit. „Lucid Dreaming“ ist ein ebenfalls toller, sehr elektronischer Song, der von analogen Synthies dominiert wird. Hier klingen Project Pitchfork am deutlichsten durch. „Dining Death“ ist ein weiterer guter Song, der von der Synth-Rock-Linie weiterhin kaum abweicht. „Heut Nacht“ erinnert gar an Rammstein, vor das Gitarrenriff klingt laut und überdeutlich nach ihrem Song „Los“. Immerhin verzichten sie auf das pseudoböse Gegrummel und die ewig gleichen Gitarrenriffs, die Rammstein so unerträglich machen. Manche Songs verpuffen leider relativ wirkungslos, aber insgesamt ist das Album stark.

Fenriz
Fenriz

Fazit: Mein erster echter Kontakt mit Heavy-Current lief also sehr positiv ab. Im Vergleich zu Zeromancer schneiden die Bielefelder etwas besser ab, wer auf Synth Rock à la eben Zeromancer, Project Pitchfork zur „Daimonion“-Phase oder auch Gothminister steht, darf zugreifen. In den Clubs sollte dieses Album auch seine Freunde finden, aber live sollte das Album am besten wirken, da viele Alben live und bei voller Lautstärke am besten wirken. Einen Auftritt von Heavy-Curret sollte man dementsprechend wohl besser nicht verpassen, sie sind übrigens bald mit Project Pitchfork und mit der Letzten Instanz auf Tour. Ein Album mit Stärken und wenigen Schwachpunkten. Es geht also in die richtige Richtung – Ich bin gespannt, wie es weitergeht.



Tracklist:

  1. Infected
  2. Ratrace
  3. One Way World
  4. Dining Death
  5. SHARK
  6. Heut Nacht
  7. Push the Fire
  8. Lucid Dreaming
  9. Temper
  10. Project Chaos
  11. Rain of Asia

(7,5 / 10)
(7,5 / 10)


Veröffentlichungsdatum: 20.03.2009

Homepage: www.myspace.com/heavycurrentofficial

Highlights:

Push The Fire

– Lucid Dreaming

– Ratrace

– Dining Death

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