Heimdalls Wacht - Nichtorte....oder die Geistreise des Runenschamanen
Heimdalls Wacht - Nichtorte....oder die Geistreise des Runenschamanen

Heimdalls Wacht – Nichtorte… oder die Geistreise des Runenschamanen (Review und Kritik)

Heimdalls Wacht - Nichtorte....oder die Geistreise des Runenschamanen
Heimdalls Wacht - Nichtorte....oder die Geistreise des Runenschamanen

Jetzt folgt eine kleine Belehrung wie authentischer Pagan Black Metal zu klingen hat. Fans von austauschbarem Party „Viking“ Müll wie Varg, Korpklaani und ähnlichen Konsorten dürfen jetzt entweder die Seite wechseln oder im Folgenden lesen wie die Münsterländer Heimdalls Wacht schon im Januar 2010 mit „Nichtorte… oder die Geistreise des Runenschamanen“ ein weiteres nahezu perfektes Album veröffentlichten. Jeder mit auch nur dem geringsten Gespür für gute Musik dürfte spätestens dann den EMP Katalog wegwerfen und den Kleiderschrank von Equilibrium-Hemdchen säubern. Hier wird den Ahnen richtig gehuldigt!

Man verzeihe mir diesen Vergleich, denn das Ahlener Quartett hat mich innerhalb seines sieben jährigen Bestehens bisher nicht ein einziges mal enttäuscht. Rückblickend hatte sich sogar „Threnos (Ursprung II)“ ihr Beitrag zur Niewelkraien Splitveröffentlichung zu meinem absoluten Lieblingssong von Ihnen entwickelt – und das obwohl ich dem

Heimdalls Wacht
Heimdalls Wacht

zunächst sehr skeptisch gegenüber stand. Damals waren die Holländer Heervader mit von der Partie, und auch dieses mal hat das Land hinter der nahen Grenze die Finger mit im Spiel. Heimdalls Wacht neuestes Werk erschien wiederveröffentlicht über das niederländische Label „Heidens Hart“ und befindet sich dort in bester Gesellschaft ohne den bitteren Beigeschmack einer Christhunt Produktion.

Und eben weil ihre Werke nun komplett neu aufgelegt wurden wandert auch „Nichtorte…“ auf meinen Schreibtisch, bei der ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich noch gar nichts von seiner Existenz wusste. Dabei erschien das Album nur knapp nach dem Gemeinschaftstonträger als Vorhut, und geht (glücklicherweise) den konsequenten Weg weiter. Damit meine ich das Heimdalls Wacht keine fröhliche Musik für Plastikwinkinger machen und auch Hymnen wie das bekannte „Weißes Pferd auf rotem Grund“ Ausnahmen waren. Grundsätzlich behält sich die Band nämlich schon ab dem ersten Song „Wolkenbruch“ einem eher melancholischen Stil bei, der wesentlich mehr in Richtung Black Metal als zum heutigen „Pagan“ tendiert.

Narhemoth
Narhemoth

Von dem etwas depressiven Unterton, der in einigen Stücken wie etwa dem Gitarren-lastigen „Die Bürde der Schande“ mitschwingt, mal abgesehen macht man aber keinerlei Kompromisse. Doublebass Attacken, schnelle Riffs und ein auf´s äußerste kreischender Narhemoth machen Stücke wie „Der Wind gibt mir Geleit“ und „Ignis Fatuus“ zu brettharten Songs die keinerlei Anstalten machen unnötig Eingängig zu erscheinen. Oft braucht es mehr als einen Durchlauf, um die großartigen Melodien in der ziemlich organischen Produktion auszumachen, die eigentlich in jedem Stück gegeben sind. Besonders gelobt seien an dieser Stelle die extrem gut umgesetzten Vocals. Überwiegend Gekeife, das sich beinahe überschlägt, an einigen wenigen Stellen mit Klargesang gedoppelt oder eben durch diesen unterbrochen. Die Texte klingen dabei in den wenigen verständlichen Momenten so vielversprechend, dass man um´s googlen kaum drum zu kommt.

Da das Album (wie bereits erwähnt) ziemlich hart aus den Boxen tönt, braucht es natürlich auch zwischenzeitlich kleine Verschnaufpausen in Form von kurzen Zwischenspielen wie „Die Lichtung im Mondesschein“ oder dem ungewöhnlichen Intro zu „Waldeinsamkeit.“ Besonders letzteres lässt aufhorchen und führt noch einmal vor Augen dass man es hier mit Pagan Metal zu tun hat. Waldgeräusche, Vogelzwitschern, ein kläffender Hund und eine leise Frauenstimme, die klingt als wäre die Dame besoffen leiten einen weiteren gnadenlosen Song ein.

Ich finde es immer wieder schade, dass über die Gruppe so wenige Informationen einzuholen sind, die ich jetzt in meinem Review verarbeiten könnte. Auf der anderen Seite ist vielleicht gerade das nicht vorhandene Interesse dieser Band an Medien wie dem Internet der Grund dafür dass man grade Heimdalls Wacht wirklich abnimmt was sie verkörpern. Geschissen auf das was die partygeile „Szene“ hören möchte – hier wird einem knallharter Schwarzmetall geboten, der in seiner Umsetzung unglaublich ehrlich klingt. Und wenn man nicht grade die Wochenenden damit verbringt Met aus einem Nuclear Blast Plastik Horn zu trinken, dürfte das genau das sein was man von Pagan Metal erwartet.

Fazit: Irgendwie hatte ich nach allem was ich in letzter Zeit aus der Germanen-Ecke gehört habe (oder ertragen musste) wenig Motivation hier rein zu hören. Ich bin froh es doch getan zu haben, denn hätte ich diese Scheibe früher gehört, wäre sie sicher mit unter meine Top 5 aus 2010 gekommen. Das Album ist komplett stimmig und schließt direkt an ihre älteren Werke an, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Das (beinahe) durchgehende geknüppel macht genau so viel Spaß wie die wenigen ruhigen Momente. Ein weiteres Mal zeigen Heimdalls Wacht dass sie zu den ganz Großen in Deutschland zählen. Ich könnte jetzt noch zig lobende Adjektive finden um diese Scheibe zu beschreiben, belasse es aber bei einer unbedingten Kaufempfehlung. Hier können sich die Varg´s dieser Welt auch mehr als eine Scheibe abschneiden.

Titelliste von „Nichtorte… oder die Geistreise des Runenschamanen“

  1. Deindividuation
  2. Wolkenbruch
  3. Der Wind gibt mir Geleit
  4. Ignis Fatuus
  5. Die Lichtung im Mondesschein
  6. Die Einsamkeit des Gestaltenwandlers
  7. Waldeinsamkeit
  8. Die Bürde der Schande
  9. Das Treffen der Bergtrolle
  10. Im Steinkreis der Alben
  11. Der Zug der Wolkenfrauen
  12. Reindividuation

( 9,5 / 10 )

Anspieltips:
> Der Wind gibt mir Geleit
> Ignis Fatuus
> Die Bürde der Schande
> Im Steinkreis der Alben

Erscheinungstermin:
15.01.2010

http://heimdallswacht.de/

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