Hekate - Die Welt der dunklen Gärten

Hekate – Die Welt der Dunklen Gärten (Review und Kritik)

Hekate - Die Welt der dunklen Gärten

Hekate gehören zum Urgestein des Neo-Folk: Gegründet wurden sie bereits 1991 und der erste Tonträger „Sanctuary“ erschien 1994. Nach sieben Jahren Pause (das letzte Album, „Goddess“, erschien 2004) ist die Band aus Koblenz jetzt wieder da und entführt uns in ihre verträumte, melancholische „Welt der dunklen Gärten“. Stilistisch ist das Album nicht weniger vielseitig als die Vorgänger: Klassik, orientalische Klänge, Folk, alles ist vorhanden. Die für die Band typischen Elemente – abwechslungsreiche Percussions, gespielt von Jörg Schickenrath, und abwechselnder männlicher und weiblicher Gesang – verleihen auch diesem Album die individuelle Note.

Die Texte sind teils Eigenkreationen, teils aber auch Vertonungen von bereits bestehenden Werken bedeutender Künstler wie Lord Byron, Joseph von Eichendorff oder Hermann Löns.

Das Album beginnt mit dem Titel „Byronic Hero“. Der englische Text „When we two parted“ von Lord Byron wird von Sänger Axel Menzer gesprochen vorgetragen. Dabei wird er von Schellen und einer Akustikgitarre begleitet. Der später einsetzende Wah-Wah-Effekt der E-Gitarre rundet die musikalische Begleitung ab.

„Jardin d’Anais“ wird mit Streichern und einem Metallophon eingeleitet. Auch hier wird der französische Text zunächst wieder, diesmal aber von Sängerin Susanne Grosche, gesprochen vorgetragen. Im weiteren Verlauf des Stücks jedoch wird es sehr abwechslungsreich: Der Text wird abwechselnd von ihr gesprochen und gesungen und dabei von verschiedenen Instrumenten, wie Klavier, Synthesizer und Akkordeon begleitet. Eine schüchterne Snare spielt dabei einen Marschrhythmus im Hintergrund ein.

Mit dem dritten Track, „In My Garden“ wird es dann düster: Das von Synthesizern gespielte Intro wird mit einem Soundeffekt unterlegt, der das Gefühl vermittelt, mitten in einer Tropfsteinhöhle zu stehen. Jetzt singen beide im Duett, wobei Susanne Axels tiefen Gesang in hohen Melodien wiederholt. Zur Atmosphäre passend reiht Keyboarder Achim Weiler regelrecht „tröpfelnd“ ein Klavier mit ein. Der Song ist schon leicht psychedelisch, insbesondere, wenn der im Duett vorgetragene Refrain von den leicht disharmonischen Synthesizer-Klängen begleitet wird, die sich durch das gesamte Stück ziehen und den düsteren Touch aufrecht erhalten. Der meditative, ruhige Text stellt einen interessanten Kontrast zur Musik dar. Die heiser vorgebrachten Abschlussworte sorgen für einen Gruseleffekt.

Der nächste Song, „Seelenreise“ macht seinem Titel alle Ehre. Das Saiteninstrument, welches ich leider nicht identifizieren kann, leitet das Stück zunächst allein, bald aber in Begleitung eines schweren Schlagzeugs und schwerer Streicher ein. Ganz leise vernimmt man im Hintergrund Meeresrauschen. Hier untermauert die Musik sehr passend den Text, der ein absolut gelungener Ausdruck der puren melancholischen Sehnsucht ist, und von Susanne mit ausdrucksstarker Stimme vorgetragen wird. Der Refrain wird am Ende zusätzlich mit tiefen Männerstimmen unterlegt, die der Männerchor Koblenz – Arzheim liefert. Zwischendurch ertönt immer mal wieder eine liebliche Flöte und dann werden wir mit Trommeln, Schellen und hohen, südamerikanisch klingenden Trommeln in völlig fremde Klangwelten entführt.

Auch für das nächste Stück, „Sanctus“, haben Hekate sich vom Männerchor Koblenz – Arzheim tatkräftige Unterstützung geholt: Unterlegt von tiefen Streichern klingt der düster vorgetragene Choral – obwohl, oder wahrscheinlich eher, gerade weil er ein wenig monoton ist – beinahe wie Musik aus einem Horrorfilm.

„Die dunkle Wolke“ ist ein traditionelles Lied, was Hekate auch entsprechend umsetzen: Die volksliedartige Begleitung erinnert ein wenig an „Die Streuner“ und „Ougenweide“. Zwischendurch wird auch mal ein Dudelsack eingespielt.

Hekate - Die Band

„Per aspera ad astra“ ist wieder ein Instrumentalstück. Auf ihrer Homepage erklären Hekate, dass dieses Album eigentlich ein Konzeptalbum um den Mann ist, der aus diesen Worten ein Kunstwerk schaffte: Karl Wilhelm Diefenbach. Dem deutschen Künstler, der um die Jahrhundertwende lebte, wollen Hekate auf diesem Album auch Gehör verschaffen: Er war ein Aktivist, der sich für die Verbundenheit des Menschen mit der Natur und die Akzeptanz der menschlichen Natur per se einsetzte. Und welches Symbol könnte wohl eine bessere Schnittstelle zwischen Mensch und Natur sein als der Garten? Natur-Motive kommen in den Texten und auch in der Musik – in Form von eingespielten Geräuschen aus der Natur, die in die Lieder mit eingebaut werden – dieses Albums immer wieder vor.

Auch dieses Instrumentalstück erinnert mit seinem Intro, das von düsteren Streichern eingespielt wird, an die musikalische Untermalung von Horrorfilmen. Die Trommeln setzen ein und werden ebenso energischer, wie die Klangfarben vielfältiger: Orgel und Bläser kommen dazu. Nachdem das Schlagzeug einen abrupten Schuss erzeugt hat, wird der energische Teil mit krachender Snare, gespielt von Schlagzeuger Dirk Diederich, noch einmal wiederholt.

Dann kehrt auf dem Album wieder etwas Ruhe ein. Ein leiser Dudelsack ist zu hören und das Geräusch einer knarrenden Tür sorgt für einen Gruseleffekt. Die zaghafte, mit einem Wiederhalleffekt unterlegte Männerstimme wird immer deutlicher hörbar. Die auf der Scheibe öfters eingesetzten orientalischen Trommeln spielen zusammen mit den – wieder einmal – düsteren Streichern, die hier fast in jedem Stück vertreten sind. Axel und Susanne erzählen in diesem Stück die tragische Geschichte von Idilia.

Im gleichnamigen Song des Albumtitels singt uns Susanne, begleitet von einer Akustikgitarre, Streichern und einem Klavier eine schöne, traurige Melodie des schönen, traurigen deutschen Textes voller Liebessehnsucht. Das ist wirklich Schwarzromantik vom Feinsten! Im Refrain ist der Frauengesang sogar zweistimmig. Die Musik wird im Verlauf des Stücks wesentlich voller mit bewegter Klavierbegleitung und Marschtrommeln, die dann von einer süßen Geige, einer sanften Akustikgitarre und einem tiefen Klavier zum Übergang unterbrochen werden. Musikalische Abwechslung wird also auch bei diesem eher ruhigen Genre nicht außen vor gelassen – im Gegenteil!

Mit „Opportunity of Time“ bleibt es ruhig und dank der eingespielten Windgeräusche und der Flöte können wir weiterträumen.

Und mit der Abwechslung ist es immer noch nicht vorbei. „The Present Day“ erinnert durch das Flötenintro, die Trommeln und Susannes Gesang an keltische Folklore, die bisher noch keinen bedeutenden Platz auf diesem Album gefunden hatte – man sucht hier wirklich vergeblich nach Lücken.

„Die Blaue Blume“ ist an das Gedicht „Wegewarte“ von Hermann Löns angelehnt. Mit erneut psychedelisch angehauchter Musik steht bei dem Vortrag dieses trostlosen, aber dennoch sehr schönen Textes Susannes Stimme im Vordergrund.

Das Album schließt mit einem Text von Aleister Crowley, der zweiten Strophe seines Hauptwerkes „Liber al vel Legis“, ab. Der Text betont noch einmal die schwermütige Sehnsucht nach der grenzenlosen Freiheit, die man nur in der Natur finden kann.

Fazit: „Die Welt der dunklen Gärten“ ist ein Konzeptalbum, dessen Konzept man aufgrund der Vielfalt der Musik nicht sofort erkennen kann. Der rote Faden zieht sich hier wirklich eindeutig durch die Texte, die die Essenz der verschiedenen Facetten der Romantik vermitteln: Freude, Liebe, Ästhetik, aber auch Schwermut, Melancholie und (Todes)Sehnsucht. Die atmosphärische Musik rundet das Ganze ab und verzaubert den Zuhörer regelrecht. Bei dieser Musik kann man gar nicht anders, als in fantasievolles Träumen zu verfallen.

Da Neofolk nun keine Musikrichtung ist, mit der ich mich intensiv beschäftigt habe, kann ich da vergleichend zu anderen Vertretern des Genres nur schwer ein Urteil fällen. Für die musikalische Finesse und den Anspruch der Texte sind aber auf jeden Fall 8 von 10 Punkten drin.

Tracklist:

01. Byronic Hero

02. Jardin d‘ Anaïs

03. In my Garden

04. Seelenreise

05. Sanctus

06. Die dunkle Wolke

07. Per aspera ad astra

08. Idilia Dubb

09. Oh du Welt der dunklen Gärten

10. Opportunity of Time

11. The Present Day

12. Die blaue Blume

13. House of God

8/10

Erscheinungsdatum:

Bereits erschienen

Anspieltipps:

Seelenreise

Oh du Welt der dunklen Gärten

Opportunity of Time

Links:

www.hekate.info

About Mustaveri

Alter: 28 Beruf: Übersetzerin (freiberuflich) Lieblingmusik: Metal (Death, Dark, Black, Thrash, Symphonic, Gothic) Hobbys: Musik, Sport, Schreiben, Kunst, Kochen

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