Helrunar – Frostnacht (Review und Kritik)

Helrunar - Frostnacht
Helrunar - Frostnacht
Was erhält man, wenn man Pagan Metal und Schwarzmetall mischt? Heidnische Misanthrophie? Schwarze Asentreue? Fernab all dieser obskuren Bezeichnungen für eine nicht abwegige Mischung der beiden Genres kann man allerdings eine Band als durchaus nennenswerten Vertreter voranstellen: Helrunar. Seitdem die Gruppe Anno 2001 gegründet wurde, macht sie das sicherlich berechtigte Genre unsicher und stellt ein Meisterwerk nach dem Anderen auf. Im Jahre 2005 erschien ihr erstes vollständig eigenproduziertes Studioalbum „Frostnacht„. Kann es überzeugen? Ja. Aber natürlich wollt ihr mehr wissen, also lest weiter.

Manch ein Leser mag die Vorstellung von einer Verbindung der beiden Genres als obskur befinden. Aber sie ist leicht erklärt: Man mische heidnische Themen, gerne aus der nordischen Mythologie, und deren etwas rhythmische Methodik mit typischen Elementen des Black Metal, so z.B. Screams, Anfeindungen gegen das Christentum und teils langsam gespielte Drums. Was man dann erhält ist eine gekonnte Mischung der beiden Genres, die absolut zu überzeugen weiß. Und genau so vermag man Helrunar und ihre Werke zu beschreiben.
Wichtigster Merkmalspunkt ist, wie auch im Black Metal typischerweise anzutreffen, dass die Musik äußerst atmosphärisch ist. Eine atmosphärische Stimmung in der Produktion zu erzielen ist nicht so leicht wie gesagt; hier dennoch wird eine gewisse Misanthrophie, Nachdenklichkeit und Aggression ausgelöst. Nachdenklichkeit lässt sich einerseits durch monotone Songstrukturen auslösen und andererseits durch tiefgehende Texte, so wie es hier größtenteils der Fall ist, die hauptsächlich den Einfluss des Schwarzmetalls zeigen.

Helrunar
Helrunar
Dies zeigt sich als Erstes besonders während des 4. Songs: „…bis die Seele gefriert„. Mit einem fetzigen Trommelspiel beginnend, leitet die Band ein durch und durchdachtes Werk ein, das den Hörer prompt in den Bann zieht. Dem Anfangsspiel nachfolgend ertönt ein absolut passender Gesang des Frontmanns Skald mit einprägenden Zeilen wie „Fleisch ist ein undankbares Material“ oder „Dorn um Dorn um Dorn, bis die Seele gefriert„. Mir persönlich wurde dort direkt der 1. Ohrwurm des Albums verpasst.
Textlich simpel und dennoch wunderbar passend kommt „Älter als das Kreuz“ einher. Ein tragender, vom Schwarzmetall beeinflusster Sound beeinflusst anfangs den Songverlauf, unterstützt von sich wiederholenden Phrasen über Dinge, die älter als das Kreuz existieren, und mündet immer weiter im Laufe des Stücks in einen endlichen Höhepunkt mit einer sich erhöhenden Frequenz der Drums. Manch einer mag sich fragen, warum diese Texte denn nun besser als all jene der anderen Pagan Metal-Bands sein sollen, wenn sie denn nur aus solch simplen Textfetzen bestehen. Nun, gerade dieser Text überliefert eine Botschaft, die, wenn man sich etwas Gedanken darüber macht, durchaus Sinn ergibt und den Song in ein völlig neues Licht rückt. Welch Sinn das nun ist, das ist jedem einzelnen Hörer selbst überlassen.

Anschließend folgt das – meiner Meinung nach – gelungenste Werk der frostigen Nacht: „Dreifach Dorn„. Alleine der Text, der durch Erwähnung von Runen und heidnischen Gottheiten den Begriff „Pagan Metal“ in diesem Fall mal wieder rechtfertigt und zeigt, zeugt von einer gewissen Aggression und löst beim Hörenden sicher das eine oder andere Wutgefühl, vielleicht sogar generellen Zorn, aus und schafft wiedermal eine durchdringende Atmosphäre. Schade nur, dass der Song gerade einmal 3 Minuten andauert. Vielleicht wäre er auch bei einer längeren Spieldauer weniger einprägend; ein Meisterwerk ist er aber allemal.

Skaal
Skaal
Fazit: Heureka! Zum ersten Mal darf ich unter die Kritik einer Band mit Pagan-Einflüssen schreiben, dass sie sinnvolle und tiefgründige Texte haben. Dass ich das noch erleben darf… Meine erste Platte, die mich an die deutsche sogenannte „Pagan Black Metal“-Gruppe heranführte, war eben „Frostnacht“. Einen schlechten Eindruck hinterließen sie nicht. Wie denn auch? Hier macht die Band im Grunde alles richtig: Perfekt abgestimmte Sounds, richtig eingesetzte Elemente des Schwarz- und Heidenmetalls inklusive des typischen Scream-Gesangs zusammen mit eben genannten gut geschriebenen Texten. Eine Empfehlung, nein, ein Muss für jeden Fan, der gerne mal eine gelungene Mischung der beiden Genres hören möchte, ohne Angst vor einer verkorksten Kombination haben zu müssen. Keine Angst: Dies ist hier nicht der Fall.

Trackliste:

  1. Birke im Moor
  2. Frostnacht
  3. Unten und im Norden
  4. …bis die Seele gefriert
  5. Nachtfrost
  6. Der Trank des Gehängten
  7. Neun Nächte
  8. Älter als das Kreuz
  9. Dreifach Dorn
  10. Mimis Brunnr (Gratr önnor)
9/10
9/10
Anspieltipps:
…bis die Seele gefriert, Der Trank des Gehängten, Älter als das Kreuz, Dreifach Dorn

Erscheinungsdatum:
24. Oktober 2005

Helrunar Homepage
Helrunar bei MySpace

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