Heretoir - Heretoir
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Heretoir – Heretoir (Review und Kritik)

Heretoir - Heretoir
Heretoir - Heretoir

Nachdem ich mich kürzlich der „.Existenz.“ EP Heretoirs von 2009 angenommen hatte, liegt mir nun das Album-Debüt des zum Duo herangewachsenen Projektes vor. Die Mini CD scheint nicht nur mich, sondern auch Northern Silence Productions nachhaltig beeindruckt zu haben. Das Label hat den anhaltenden Trend zu melancholischen Black Metal/ Shoegaze Hybriden erkannt und boten Eklatanz, dem kreativen Kopf hinter dem Ganzen, direkt einen Plattenvertrag über vorerst drei weitere Alben an. Davon dass das erste selbst-betitelte Werk den nun ziemlich hoch gesteckten Erwartungen entsprechen kann dürft ihr euch im Folgenden selbst überzeugen:

Den ersten dicken Pluspunkt heimst schon einmal das sehr gelungene Artwork ein. Bei so viel Liebe zum Detail bekommt man nur vom ansehen der Scheibe schon Lust das ein oder andere Ohr zu riskieren. Sollte man dann noch exzessiver Hörer von Gruppen wie Alcest oder Lantlôs sein bzw. die schon angesprochene EP mögen, kann man eigentlich nicht all zu viel verkehrt machen. Auf „Heretoir“ ist mittlerweile zwar Nathanael, der Mann hinter

Eklatanz
Eklatanz

Thränenkind, am Bass hinzu gekommen, ansonsten hat sich aber kaum etwas an der eingeschlagenen Richtung der Augsburger geändert. Noch immer wird Wert auf eine getragene melancholische Atmosphäre gelegt, noch immer finden gelegentliche Samples Verwendung und noch immer scheint mir der Gesang recht nebensächlich. Damit komme ich auch gleich zu einem Punkt der mir beim Album der beiden besonders positiv aufgefallen ist – der Gesang ist nicht mehr so schrecklich verzerrt. Zwar sind die Texte nach wie vor minimalistisch, aber in den wenigen Stücken die überhaupt über welche verfügen, wie z.B. „Fatigue,“ durchweg überzeugend vorgetragen.

Im allgemeinen klingen Heretoir auf ihrem selbst-betitelten Werk sehr viel reifer und stimmiger. Die beiden Augsburger scheinen hier endlich ihren vollkommen eigenen Weg gefunden zu haben. Weg von Klischeebehafteten Schwarzmetall-Anfängen auf der „Existenz“ Demo oder ersten Gehversuchen im Post-Black Metal auf der gleichnamigen EP. Der simple Alben-Name ist passend. Einfach nur Heretoir – eine (nahezu) perfekte Symbiose aus Post-Rock Elementen und in Liedern wie dem anfänglich harten „Weltschmerz“ durchaus noch hörbaren Black Metal Wurzeln. Eben jenes Stück lässt  besonders das Schlagzeug ungewöhnlich gut zur Geltung kommen, das auf früheren Werken noch extrem nach Konserve klang. Gelegentliche Sythie-Einlagen tun dabei ihr übriges dem Album eine gewollt dichte Atmosphäre einzuräumen. Bedrückende, hoffnungslose Klänge, die das Hauptthema dieser Gruppe, das Leben in der tristen Großstadt und ihren „Grauen Bauten“ überzeugend vertonen.

Bemerkenswert finde ich dabei, dass nach wie vor die rein instrumentale Seite mit Stücken „Retreat to Hibernate“ am überzeugendsten ist. Die beiden bieten einem den idealen Soundtrack zu einem verregneten Herbsttag im Trubel der Großstadt, lassen aber wie im abschließenden „Heretoir“ immer noch Luft für kleine Hoffnungsschimmer.

Fazit: Überraschend erwachsen wirken Heretoir auf ihrem ersten richtigen Album. Viele Defizite der vorangegangenen EP wurden ausgemerzt und bieten so wesentlich mehr Hörvergnügen. Keine Klischees, keine übermäßig verzerrte Stimmlage mehr und Drums die durchaus auch mal zur Geltung kommen. Heretoir erschaffen eine dichte Klangwelt die zur melancholischen Verträumtheit einlädt, und sich angenehm von all der Post-Black Metal, DSBM Ausschussware abhebt. Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich sage dass Eklantanz durchaus mit den Franzosen Alcest mithalten kann, ohne dabei trotz hörbarer Einflüsse, wie eine Kopie zu wirken.

Dennis "Bieberpelz" KnollGraue Bauten für triste Stunden: Das was Eklatanz, mittlerweile zusammen mit Nathanael hier geschaffen hat, ist Qualität im hohen Ausmaße. Intensive Atmosphäre, stimmige Instrumente und wie auch beim Vorgänger eine verschwimmende Welt zwischen grauer Bauten und dem puren Höhr- und Fühlgenuss.

Träumen, verschwinden und mit der Musik eins werden – das ist Heretoir. Das ist Musik, das ist Gefühl – Und das will ich!

Titelliste von „Heretoir“

  1. The Escape: Part I
  2. Fatigue
  3. Retreat to Hibernate0
  4. 0
  5. Weltschmerz
  6. Graue Bauten
  7. The Escape: Part II
  8. To Follow the Sun
  9. Heretoir

( 8,5 / 10 )
( 8,5 / 10 )

Anspieltips:
> Fatigue
> Weltschmerz
> Graue Bauten

Erscheinungstermin:
25.02.2011

http://www.myspace.com/heretoir

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