HIM – Screamworks: Love in Theory and Practice (Review und Kritik)

Screamworks: Love in Theory and Practice

Gut zweieinhalb Jahre ist es her, dass die fünf Finnen von HIM ihr letztes Album mit dem Namen „Venus Doom“ veröffentlichten, das sich durch einen hohen Grad an Härte von seinen Vorgängern abhob. Nun hat das Warten ein Ende – am zwölften Februar erschien in Deutschland das nunmehr siebte Studioalbum der Band, das somit als erstes Studioalbum aus dem zweijährigen Veröffentlichungszyklus fällt. Die Inspiration für das Album soll eine Frau gewesen sein, von der Frontmann und Songwriter Ville Valo nicht wüsste, ob sie das sei, wonach er suche.

Insgesamt erinnert das Album an die fast schon laszive Art von Razorblade Romance zurück und könnte demnach ebenso großen Anklang in der breiten Masse finden. Durch die häufig eingesetzten Schreie des Frontmannes Ville Valo hebt sich jedoch auch dieses Album von oben genanntem ab. Nach eigener Aussage wollte die Gruppe sich bei diesem Album wieder auf das beschränken, was sie am besten könne – nämlich die einzigartige Stimmung, die jedem HIM-Song seine einzigartige Note verleiht. Durch die Keyboards, die im Vorgängeralbum kaum bis garnicht anzutreffen waren, wird dem Album eine erfrischende, beschwingliche Note gegeben. Einige Songs dieser Platte haben aufgrund dieser Eigenschaften definitiv Ohrwurmqualitäten und regen zum Mitsingen an. Dadurch lässt sich auch erklären, dass dieses Album gerade Metal-Fans nach „Venus Doom“ die letzte Hoffnung genommen hat. Im Gegensatz zu früheren Werken ist „Screamworks: Love in Theory and Practice“ ein nahezu fröhliches Album, das zwar Melancholie rüberbringt, jedoch eher im positiven Sinne und ohne Düsternis.

HIM
HIM

Den Einstieg in das Album liefert der Ausruf „Let’s fall apart together now“ im ersten Song „In Venere Veritas“, der perfekt in das Album einleitet. Der Titel des Openers ist von dem lateinischen Sprichwort „In Vino Veritas“ (dt.: „Die Wahrheit liegt im Wein“) abgeleitet, wobei Vino durch Venere, dem Ablativ von Venus, ersetzt wurde. Da Venus in der römischen Mythologie die Göttin der Liebe und des erotischen Verlangens ist, könnte man den Titel etwa als „Die Wahrheit liegt in der Liebe/Sexualität“ übersetzen.

„Scared to Death“, der zweite Titel des neuen Albums, dürfte selbst vielen Anhängern der Band zu kitschig geraten sein, da es eher bittersüßen Herzschmerz als düstere Melancholie vermittelt. Die weichen und eher höher gegriffenen Töne Valos sind zwar definitiv eingängig und einprägsam, erinnern jedoch kaum noch an die ersten Werke der Gruppe.

Etwas rockiger wird es bei „Heartkiller“, dessen Singleversion schon vor dem Album-Release veröffentlicht wurde. Dieser Track erinnert zwar schon eher an die alten Zeiten, wirkt jedoch trotz seinem schnellen Rhythmus eher so, als wollte die Band sich damit wieder an die breite Masse der Charts-Hörer richten.

Sänger Ville Valo

Auch „Dying Song“ weist wieder einen sehr ohrwurmlastiger Sound auf, der auf langgezogene Vocals und Tempowechsel setzt. Hier schimmern jedoch wieder einige alte Ideale der Band durch. Stellenweise ertönen Schreie und seufzende Passagen, die wieder in eine melancholischere Richtung abzielen.

Mit akkustischen Gitarren wird die mitreißende Ballade „Disarm Me (With Your Loneliness)“ eröffnet, die jedoch sehr poppig wirkt. Durch die Stimme des Frontmannes und Schreie hebt sich das Stück trotzdem noch erheblich von diversen Popklassikern ab.

Mit „Love, The Hardest Way“ schlagen HIM wieder ihre alten Wege ein. Durch Tempo- und Tonhöhenwechsel ist dieses Stück rockig und zugleich einprägsam. Die Instrumentalsolos, die an einigen Stellen eingesetzt werden, lockern das Ganze auf und geben dem Song die typische HIM-Note, ohne alt und verbraucht zu wirken.

„Katherine Wheel“ zeichnet sich durch atmosphärische Verse aus, die im Refrain von Bässen und abwechselnd hohen und tieferen Tönen abgelöst werden. Trotz seiner eigenen Art könnte auch dieses Lied die breite Masse ansprechen, da auch dieser Track nicht sehr hart und somit leicht verdaulich gestaltet ist.

HIM
HIM

„In the Arms of Rain“ wird durch einen bizarren Keyboard-Sound eingeleitet und erinnert stellenweise an eine Version von „Killing Loneliness“, die mit videospielähnlichen Tönen unterlegt ist. Durch einen Einschub, der an das Gebet Ave Maria angelehnt ist, wird der Song abwechslungsreich gestaltet und aufgepeppt.

„Ode to Solitude“ beginnt mit einem düsteren Vers und erinnert mit den tiefen Bässen und den rauchigen Vocals anfangs teilweise doch an Venus Doom zurück, der Refrain ist jedoch lebendiger und was den Klang angeht heller gestaltet.

Abgesehen von „The Foreboding Sense of Impending Happiness„, das vom Sound her an Depeche Mode erinnert und ein völlig anderer und ungewohnter Track von HIM ist, sind auch die folgenden Lieder ohrwurmtauglich und gehen in die Richtung der Vorgänger-Titel. Allgemein verfügt das Album über dreizehn Tracks, die sich durchaus voneinander unterscheiden, jedoch so gut wie alle ins Ohr gehen und im Gedächtnis bleiben.

Fazit: „Screamworks: Love in Theory and Practice“ dürfte wieder ein Album sein, das die breite Masse anspricht. Im Gegensatz zum Vorgänger „Venus Doom“ ist es zwar nicht gerade hart besonnen, verfügt jedoch über einige Ohrwürmer. All jene, die die Melancholie, die HIM mit jedem ihrer Songs vermitteln, lieben, dürften die neue Platte genau so lieben, wie alle Vorgänger. Auch mir gefällt dieses Album, was aber auch daran liegt, dass die Band ein Teil von mir geworden ist und Sänger Valo einfach versteht, wie man Gefühle übermittelt. Ich habe versucht die Rezension möglichst objektiv zu halten, wobei meine letztliche Punkt-Bewertung meine Meinung zum Album wiederspiegelt. An dieser Stelle möchte ich jedoch noch einmal verdeutlichen, dass das Album sicherlich nichts für die harten Metaler unter unseren Lesern ist, da das Album so gut wie nichts mehr mit „Venus Doom“ zu tun hat.

Trackliste:

  1. In Venere Veritas
  2. Scared to Death
  3. Heartkiller
  4. Dying Song
  5. Disarm Me (With Your Loneliness)
  6. Love, The Hardest Way
  7. Katherine Wheel
  8. In the Arms of Rain
  9. Ode to Solitude
  10. Shatter Me With Hope
  11. Acoustic Funeral (For Love in Limbo)
  12. Like St. Valentine
  13. The Foreboding Sense of Impending Happiness
10/10
10/10

Anspieltipps:

Gesamtwerk

Erscheinungstermin:

12. Februar 2010

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  • Iskharian

    …was schade ist, denn doomig fand ich HIM richtig cool!

  • Fenriz

    Ich fand HIM immer scheiße… Wer Goth Rock will, soll die Sisters hören.

  • Anubiz

    Ville Valo hat seine Band ja mal durchaus treffend als eine Art dunkle Bon Jovi beschrieben.
    der Typ ist ja durchaus ein guter Sänger, nur leider sind seine Songs überwiegend bestenfalls Durchschnitt.
    Mainstreamige Popmusik eben. Soll er machen, wenn er Spaß dran hat. Meiner Meinung nach wird um diese Band trotzdem viel zu viel Wind gemacht. Gäb es nicht ein paar kleine Mädchen, die Ville sexy finden, weil er meist so ultraoriginell Kayal um die Augen gepinselt hat, würde kein Hahn nach HIM krähen.

  • Hey Morphine.
    Super Review. Du bringst es genau auf den Punkt. Das neue Album trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Es ist anders als die Vorgänger aber trotzdem toll.

    Hab vor einem Monat bereits selber ein kurzes Review verfasst: Hier der Link: http://www.headbangernews.com/2010/02/10/him-screamworks-album-review-love-in-theory-and-practice-chapters-1-13/