HR GIGER: Der Surrealist und Schöpfer des ALIENS ist tot

Er war ein Visionär, der seine künstlerisch morbid-surrealistischen Expressionen in Zeichnungen, Gemälden, CD- und Schallplattencover, Skulpturen und Mobiliar ausdrückte. Nicht zuletzt und ganz besonders war er für die Erschaffung des Aliens für die gleichnamige Filmreihe von Ridley Scott berühmt.
Jetzt ist Hans Rudolf Giger, der bei Film-, Musik- und Kunstliebhabern als HR GIGER bekannte Künstler am 12. Mai im Alter von 74 Jahren in einem Züricher Krankenhaus an den Folgen eines Sturzes verstorben.
Seine aktuelle Ausstellung – „Der Zeitgeist des 20. Jahrhunderts“ – ist vom 13. März bis zum 13. Juni in der Galerie Sansvoix in Leipzig zu besuchen.

Sein Leben
Giger wurde am 5. Februar 1940 in Churr, Graubünden in der Schweiz geboren. Er wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf und wurde katholisch erzogen, was später in seiner Kunst thematisiert wurde. Er studierte ab 1962 Innenarchitektur und Industriedesign an der Kunstgewerbeschule in Zürich.

Sein frühes Schaffen blieb zuerst eher unbekannt. Er veröffentlichte bereits während seines Studiums seine ersten Tuschefederzeichnungen in Untergrundmagazinen. 1966 begann er als Innenarchitekt und Möbeldesigner zu arbeiten und etablierte sich in seinem Beruf.
Neben seinem Beruf war er weiterhin künstlerisch tätig und veröffentlichte weitere Zeichnungen und Gemälde. Ebenfalls verhalf ihm sein Bekanntheitsgrad als Innenarchitekt zu mehreren Werkausstellungen. Sein kommerzieller Erfolg ermöglichte ihm bereits ab 1968 ausschließlich als freischaffender Künstler und in der Filmbranche zu arbeiten.

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Hans Rudolf Giger mit Plastiken der „Gebärmaschine“ – Föten

Durch seine Ausbildung und sein künstlerisches Talent avancierte Giger zum Szenen- und Filmbildner. Er wirkte bei Filmen wie dem 1976 erschienenen „Dune“ und „Alien“ aus dem Jahre 1979 mit. Für die Darstellung des blutrünstigen Aliens und der Environments erhielt Giger 1980 einen Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“.

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Plastik des Aliens

Sein Werk
Ab 1960 veröffentlichte Giger seine Tuschezeichnungen in Untergrundzeitschriften. Zu surrealistischen und sozialkritischen Werken gehören die gezeichnete Werkserie „Atomkinder“ von 1967/1968, die zu Waffen mutierte Wesen zeigt und das Bild „Gebärmaschine“ von 1967, in dem sich Föten mit Motorradbrillen in einem Gewehrlauf befinden.

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Atomkinder                                                   Gebärmaschine

Ab 1966 entstanden seine ersten Gemälde vornehmlich in Öl. Seit 1972 verwendete er bevorzugt die Airbrush-Technik zum entwerfen seiner Werke. Das Besondere an seinem Stil war, dass er freihändig und ohne eine Vorzeichnung seine Werke bearbeitete. In den folgenden zwanzig Jahren fertigte er über 600 Bilder an.

Bereits in den 1960er Jahren begann er mit der Arbeit an Skulpturen. Es entstanden Objekte aus Bronze, Aluminium und anderen Materialien. Als Inspirationsquellen dienten ihm seine bereits angefertigten Werke, um plastische Werke zu entwerfen. Anfang der 1990er Jahre distanzierte sich Giger von der Malerei und wendete sich ganz der Anfertigung von Skulpturen zu. Ebenfalls entwarf er Möbelstücke wie Tische, Spiegel, Lampen und andere Objekte.

Sein bekanntestes Mobiliar sind die Harkonnen-Stühle aus dem Film „Dune“. Ein bekanntes Objekt in der Musikszene ist der Mikrophonständer von Korn-Frontmann Jonathan Davis.
Giger entwarf außerdem während seiner Schaffenszeit viele CD- und Schallplattencover, beispielsweise für Atrocity und die Böhsen Onkelz.

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Die Harkonnen-Stühle

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Mikrophonständer von Korn-Frontmann Jonathan Davis

Die Biomechanoiden
Giger gilt als der führende Vertreter der Kunstrichtung des Fantastischen Realismus. Außerdem prägte Giger den Begriff der Biomechanik bzw. des Biomechanoiden; eine Verbindung von Organischem und Technoidem. Stilelemente sind die Verschmelzung von menschlich oder außerirdisch wirkende Lebensformen mit Technik und Mechanik. So besitzen diese Kreaturen eine glatte Oberfläche, während Leitungen, Schläuche, Gasflaschen und Motorradbrillen detailliert ausgearbeitet sind. Die Wesen wirken aufgrund ihrer nichtmenschlichen Erscheinung und durch manchmal dargestellte Gesichtsverzerrungen verstörend, ekelerregend, abnorm und morbid. Ebenfalls ließ Giger okkulte Symbolik, erotische und sexuelle Handlungen in seine Werke mit einfließen.

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Bilder aus dem Kunstkatalog „HR Gigers Necronomicon“

Das Giger – Museum
Seit 1988 existierte die erste von heute insgesamt vier „Giger-Bars“ in Tokyo, deren komplette Einrichtung von Giger selbst entworfen wurde. 1997 ersteigerte Giger das Château St. Germain im schweizerischen Gruyères. Ein Jahr später eröffnete er das „Musée HR Giger“, in dem Gigers „private Sammlung fantastischer Kunst, die größte Kollektion eigener Werke von den 60er Jahren bis heute sowie die Museumsgalerie, die regelmäßig anderen Künstlern eine Ausstellungsplattform bietet“ zu sehen ist.

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HR GIGER vor dem GIGER Museum

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Innenraum und Inventar des GIGER Museums

Aktuelle Ausstellung
Seit dem 13. März befindet sich eine Ausstellung „Der Zeitgeist des 20. Jahrhunderts“ in der Galerie Sansvoix in Leipzig.

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„Wir haben es tatsächlich geschafft! Wir präsentieren ihnen die neue Ausstellung des Schweizer Maler, Bildhauer, Oscarpreisträger und absoluten Szene-Gott ,H.R.Giger und der Zeitgeist des 20. Jahrhunderts‘.
Die Werke Hans Ruedi Gigers drehen sich Hauptsächlich um das immer wiederkehrende Thema der „Biomechanoide“, in denen er surealistische Tendenzen mit Technik, Mechanik bis hin zu Kreatürlichem in verstörende bis morbide Zusamenspiele oftmals auch sexueller Andeutungen bringt.“

Die Ausstellung ist bis zum 13. Juni zu besuchen und findet nicht zuletzt im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens statt. Wer die dunkle und morbide Welt Gigers bestaunen möchte, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen. Ein letzter Abschiedsgruß an einen der einflussreichsten Künstler in der Design- und Medienwelt des 20. Jahrhunderts.

 

 

About Poes Rabe

Was schreibt denn da als Redakteurin für Dark News über Literatur, elektronische Musik und Konzerte? Es handelt sich dabei um Poes Rabe, der, anders als erwartet, weiblich, hellhäutig und mit rotem Hauptgefieder gekrönt ist. Namentlich ist dieses Exemplar als Saskia Schäfer bekannt. Das 1990 geborene Rabentier ist Studentin an der Philipps-Universität in Marburg und besucht ebenfalls die Deutsche POP Akademie in Frankfurt am Main.

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