Ihsahn - After
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Ihsahn – After (Review und Kritk)

Ihsahn - After
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Hört man das Pseudonym Ihsahn denkt man an Emperor, an großartige Alben wie „In the Nightside Eclypse“ und an die Neunziger in Norwegen, als sie neben Bands wie Burzum, Mayhem und Darkthrone im gleichen Atemzug zum Innbegriff des Underground zählten. Dass der Mann mit der Sonnenbrille und den zurückgegelten Haaren nun schon seit vier langen Jahren sehr viel progressivere Töne von sich gibt wird dabei oft außer Acht gelassen und verkannt. Dabei ist das kommende „After“bereits das dritte Solo-Album des charismatischen Frotmannes und auf dem besten Weg den Mann endlich aus dem großen Schatten seiner Hauptband treten zu lassen.

Dass „Isahn“ vom Black Metal der Neunziger weit entfernt ist und sich auch sonst keine Genregrenzen aufzwingen lässt, wissen wir dabei ja schon von den vorangegangenen Alben „The Adversary“ und „angL“. Vegard Tveitan, so sein bürgerlicher Name, ist sehr viel Vielschichtiger, als das enge Korsett des Black Metal es zulässt.

So ist gleich der erste Song „The barren Lands“ alles andere als ein gewöhnliches Stück extremer Musik. Mischen sich doch schon hier, in die typischen Klänge extremer Vocals und thrashiger Riffs, Melodien die in der harten Welt des Metal ihres Gleichen suchen. Der Norweger bringt zwischendurch immer wieder eindrucksvoll zu gehör, dass auch die beste Schwarzmetallstimme einen unerwartet guten Klargesang nicht ausschließen muss. Melancholisch, episch und vielleicht einer der besten Songs die zur kalten Jahreszeit laufen können.

Ihsahn
Ihsahn

So ruhig das erste Stück uns verbei ging, so kompromisslos brettert „A Grave Inversed“ dem Hörer entgegen. Da hat man sich wohl auf die harten Ursprünge zurück besinnt, denn dieses Lied ist weit ab von dem bereits gehörten, und eigentlich mag es trotz seiner melodisch, schnellen Brachialität nicht wirklich in das Gesamtkonzept passen. Das Titellied „After“ selbst orientiert sich schließlich schon wieder auf ruhigen Pfaden an der progressiven Zielrichtung des Soloprojektes. Ihsan stimmt balladeske Rocktöne an und verzichtet dabei bis zur zweiten Hälfte des Stückes vollkommen auf extremere Einlagen. Zeitweise ist man durch den Clangesang des Bandkopfes an die Schweden Opeth und ihren Frontmann Mikael Akerfeldt erinnert, und fängt langsam an auch als Freund der härteren Gangart gefallen an den ungewöhnlichen Klängen die bis zu „Frozen Lakes On Mars“ angeschlagen worden sind zu finden. Dabei hat man es dann allerdings, widererwartend mit einem knallharten Extrem-Metalbrett zu tun, das nur für den klar vorgetragenen Refrain ruhigere Töne anschlägt und besonders Gitarrentechnisch zu überzeugen weiß.
So als hätte es nur die Stille unterbrechen wollen um den Hörer wach zu rütteln und zurück zur Musik zu führen folgt dem brachialen Track direkt wieder ein ruhiges Stück mit dem Tital „Undercurrent.“ Ihsahn bewegt sich mit leiser, beinahe verletzlich wirkender Stimme auf Pfaden, die so mancher Mensch, der den Backkatalog seines Nebenprojektes nicht kennt, dem Mann wohl kaum zugetraut hätten, nur um zur Mitte hin wieder die rotzig bösartige Schwarzmetallröhre raus zu holen, mit der er man ihn kennt – und das ohne dabei musikalisch den Härtegrad hoch zu schrauben und zeitgleich einen perfekten Übergang zu „Austere“ zu schaffen. Das mit seinen vorangehenden stillen Passagen schon leichte Ambientansätze aufweist und eher wie eine ruhige Einleitung zum sehr viel Metallastigeren „Heavens Black Sea“ wirkt. Auch wenn hier ungewohnte und teilweise nur schwer verdauliche Töne angestimmt werden, hat man es hier wohl mit dem Stück zu tun, dass sich am meisten mit traditionellem Metal in Verbindung bringen würde, besonders da dem Album mit „On the Shores“ ein sehr unerwartetes Ende bevorsteht.

Zigeunerjunge

Fazit: Stellenweise ein unwahrscheinlich schönes Stück Musik… Vielleicht fehlt mir, als Anhänger extremerer Klänge, teilweise der Draht um Zugang zum Werk des Mittdreißigers zu finden, aber eigentlich kann selbst ich die Emperor Platte aus der Anlage nehmen und dieses Album am Stück durchhören. Besonders Perlen wie „The barren Lands“ und das Titellied „After“ haben es mir angetan und mich in ihren Bann ziehen können. Aufgeschlossenen Metallern, die Musik nicht mit Scheuklappen betrachen, ist dieses Album nur zu empfehlen. Und auch ich als musikalisch eigentlich recht festgefahrener Mensch, werde sicher noch sehr oft rein hören.


Tracklist von „After“:

  1. The barren Lands
  2. A Grave Inversed
  3. After
  4. Frozen Lakes on Mars
  5. Undercurrent
  6. Austere
  7. Heavens Black Sea
  8. On the Shores

(7,5 / 10)

Anspieltips:
> The barren Lands
> After
> Frozen Lakes on Mars

Erscheinungstermin:
25.01.2010

http://www.ihsahn.com/
http://www.myspace.com/ihsahnmusic

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