Interview mit Vendemmian – Blödeleien mit Mark und Dave

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Drunk, Stupid and Vendemmian.

Mark (Gesang und Gitarre) und Dave (Gitarre) haben ein Problem. Sie sind Vendemmian. Was das heisst, wissen sie nicht, aber die Sinnsuche der beiden etwas abgedrehten Goths läuft anscheinend extrem feuchtfröhlich ab – Heraus kommt ein Sound, der an alte Helden wie The Mission, Joy Division, The Sisters of Mercy und weitere 80er-Goth-Ikonen erinnert – Ich wünsche euch jedenfalls viel, viel Spaß mit dem folgenden Interview. Wer hinterher immer noch nicht davon überzeugt ist, dass Vendemmian wohl das coolste ist, was die anscheinend wiederkommende Goth Rock/Post-Punk-Gemeinde zu bieten hat, dem kann ich auch nicht weiterhelfen. Aber nun lassen wir das folgende Interview für sich selbst stehen.

Schwarze News: Hallo Vendemmian – Fasst das letzte Jahr doch mal in einem Satz zusammen.

Dave: Das letzte Jahr war verdammt gut für uns, wir tun etwas, von dem wir nie gedacht hätten, dass wir es je wieder tun würden! Als wir uns auflösten, erschien es uns damals als das Beste, aber das lief offensichtlich nicht sonderlich. Vendemmian war für mich als Musiker die wohl schönste und erfüllendste Zeit meines Lebens und jetzt haben wir die Möglichkeit, das ganze noch einmal zu erleben… „One more Time“.

Mark: Ja, es war wirklich verdammt gut. Ich hätte nie erwartet, dass sich so viele Menschen noch für das interessieren, was wir tun. Die Konzerte waren großartig und wir alle freuen uns auf die Tour – Die Reaktionen unserer alten Fans und auch einer ganzen Menge neuer Fans, die uns damals nicht live gesehen haben, waren so großartig!

Dave: Oh Scheisse – Mir fällt gerade auf, dass er nach einem Satz fragte… Okay: „Das letzte Jahr war wirklich schön, wir hätten nie erwartet, dass wir es so vermissten, eine Band zu sein und auch nicht, dass sich so viele für die Band interessieren.“

Mark: Da bitte, ein Satz. *g*

SN: Na also. So erübrigt sich auch die Frage nach den Gründen für die Reunion 😉 Euer neues Album „One more Time“ ist absolut Old-School-Vendemmian. Hat sich das einfach so ergeben, während ihr Songs geschrieben habt, oder wolltet ihr bewusst Vendemmian bleiben?

Mark: Es war niemals wirklich geplant, wir mögen was mir mögen und wir tun, was wir tun, also war es eigentlich immer eine Fortsetzung der Zeit, in der wir aufhörten. Da mussten wir einfach mit unserem besten Album kommen. Ausserdem hatten wir schließlich Zeit, unser Songwriting zu verbessern.

Drunk, Stupid and Danny
Drunk, Stupid and Dave

Dave: Wir denken, dass „One More Time“ bisher unser bestes Album ist – Und viele scheinen da zuzustimmen. Es wäre sinnlos, mit etwas zurückzukommen, das nicht an unsere Vergangenheit anknüpft. Etwas, was Metal oder Techno wäre, wäre nicht Vendemmian, wenn wir es denn tun würden – Und das werden wir nicht. Das wäre ein komplett anderes Projekt.

Mark: Die Idee war, Vendemmian verbessert wieder auferstehen zu lassen und keine neue Band unter altem Namen zu gründen.

SN: Wurden alte Songs aus den 90ern genutzt?

Dave: Nein, wir hatten zwar einige Ideen im Hinterkopf, die sich angesammelt hatten, aber keine kompletten Songs. An den Sachen, die auf der CD zu hören sind, haben wir auf Tour gearbeitet.

Mark: Wir spielen einige alte Songs live, die meisten Songs unserer letzten Tour waren alte Songs, und jetzt fügen wir schrittweise neue Songs ins Liveset ein.

Dave: Aber die jetzige Tour wird ein echter Mix aus alten und neuen Songs. Wir werden die Songs gründlich durchmischen und auch einige Songs spielen, die wir lange, lange nicht gespielt haben.

SN: Was sind denn eure Lieblingslieder auf dem Album?

Dave: Ich mag sie alle, aber ich glaube, „Down on the Ground“ und „Talk Talk“ am meisten.

Mark: Starter for Ten!

SN: Wolltet ihr eigentlich auch alte Mitglieder in den Produktionsprozess integrieren?

Dave: Eigentlich nicht. Wir haben ja jetzt Danny am Bass für die Touren dabei, und wir arbeiten als Dreimannband wirklich gut.

Mark: Wir wüssten nicht, warum wir das Line-Up auch verändern sollten; Unsere Konzerte sind so, wie sie sein sollen, also brauchen wir auch nix zu ändern.

SN: Ihr wart seit der Reunion auch schon auf Tour gewesen und habt unter anderem in Berlin einen Zwischenstopp gemacht. Waren eigentlich mehr alte oder mehr neue Fans anwesend?

Mark: Es war eine Art Mix… Wir haben sowohl viele alte, als auch neue Gesichter gesehen.

Dave: Wir scheinen ein neues, junges Publikum anzuziehen, das zwar schon von uns gehört hat, uns aber noch nie live gesehen hat. Das hat uns echt überrascht!

Mark: Das neue Album hat da sicher auch einiges zu beigetragen. Wir kommen wohl gerade rechtzeitig zusammen mit einer neuen Generation an Trad-Goth-Fans zurück.

Dave: Wir hoffen natürlich, dass wir auf dem, was wir mit dem neuen Album und der Tour erreicht haben, aufbauen können. Wir freuen uns riesig auf die Tour, besonders auf das WGT!

SN: Es war sicher toll, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen.

Dave: Oh ja, das war es. Live spielen war immer der Lieblingsteil meines Jobs! Touren macht mir ne Menge Spaß und wenn das Publikum gut ist – Und das war es bisher immer – Ist es eine so gute Erfahrung.

Drunk, Stupid and Danny.
Drunk, stupid and Danny.

Mark: Allerdings. Überraschenderweise waren wir aber sehr nervös, das war seltsam, denn sonst waren wir es nie. Zum Glück haben wir aber schnell zur alten Routine zurückgefunden. Live spielen ist so ein großartiger Teil an Vendemmian, und wir versuchen das Publikum so weit wie möglich mit einzubinden.

SN: Sind denn noch weitere Shows, besonders in Deutschland, geplant?

Dave: Ja! Das WGT, wie gesagt, das aber bislang der einzige Termin in Deutschland ist, denn wir denken, es ist am besten, wenn wir einen großen Startschuss geben – Das WGT. Aber wir werden im Oktober oder November noch einmal wiederkommen und eure Bühnen in Schutt und Asche legen!

SN: Nennt doch mal ein paar Einflüsse des neuen Albums, Alkohol nicht mitgezählt.

Dave: Wie, kein Alkohol? Ja, du kennst unseren Ruf… 🙂 Ich würde aber sagen, der größte Einfluss auf das neue Album ist, dass wir eine Pause von der Band hatten. Damals versuchten wir, mit Vendemmian berühmt zu werden, heute ist es einfach nur noch ein schönes Hobby und einfach just for fun. Das nimmt Druck weg und wir sind jetzt auch viel entspannter.

Mark: Wir sind auch ein bisschen älter geworden, aber ich glaube nicht, dass wir klüger als vorher sind. Unsere Einflüsse sind nach wie vor die selben, also The Mission, Chameleons, die New Model Army… Und tausende Post-Punk-Bands, wie man sie heute nennt.

Dave: Ja, aber der Alkohol… Immer wenn wir zusammen sind, sind wir besoffen. Also ist er doch unser größter Einfluss. 🙂

SN: Was waren denn eure Einflüsse und Lieblingsbands, als ihr damals in den 90ern angefangen habt?

Dave: Für mich waren das immer The Mission, Chameleons, Joy Division, Danse Society, Play Dead und eben tausende Post-Punk-Bands – Oder wie man das heute nennt.

Mark: Das gilt auch für mich, aber ich würde noch The Cure hinzufügen, immerhin eine meiner Lieblingsbands!

Dave: Buäh, ich hasse diese jaulende Stimme und dieses Clown-Outfit. Ich kriege bei dem Kerl Pickel am Arsch…

Mark: Die wünsch ich dir auch, du Ignorant 🙂 (Jawoll! – Amn. v. Fenriz)

SN: Ihr steht für eine relativ „altmodische“ Art Goth Rock mit Referenzen zu Helden wie The Mission, The Cure oder The Sisters of Mercy. Heutzutage stehen Bands wie HIM für Gothic. Was denkt ihr über diese „neuen“ Vertreter des Goth?

Dave: Ah, ich weiss, worauf du hinauswillst… Ja, was ist denn nun Goth. Ich weiss es jedenfalls nicht oder nicht mehr, denn jeder hat eine andere Vorstellung davon. Ich hab nix gegen HIM, ich mag ne Menge Metal, verehre Paradise Lost, hasse Marylin Manson und diesen Industrial-Techno-Cyber-Scheiss. Was Vendemmian ist, weiss ich auch nicht mehr, vielleicht Trad-Goth-Post-Punk-Alternative… Ich kümmere mich nicht mehr um Musikstile, das ist mir zu verwirrend. Jeder kann mögen, was er will, wir leben in einer freien Welt. Derzeit sieht es für mich einfach so aus, als ob viele Szenen jetzt eine Szene idz, die sich weniger über Musik denn ihre Einstellung definiert.

Drunk, Stupid and Mark.
Drunk, Stupid and Mark.

Mark: Für uns ist Musik der definierende Faktor, das ist nicht so geplagt von anderen Dingen der Szene. Das ist zu kompliziert.

Dave: Wir haben immer „One Eye Open“ (Anm v. Fenriz: Ein altes Vendemmian-Album) – Hör dir mal Blacklist und Dragons an, das sind zwei neue Bands, die uns echt umgehauen haben.

SN: Kommen wir aber mal zum Ende… Ich danke euch, dass ihr so geduldig meine Fragen beantwortet habt. Kommen wir zu einem kleinen Spiel – Ich sage einen Begriff und ihr sagt, was ihr drüber denkt. Fangen wir an… Deutschland.

Dave: Eines meiner Lieblingsländer! Viele gute Erinnerungen, nette Leute, gutes Bier und leckerer Döner, viel besser als in England.

Mark: Wir haben ne Menge gute Erinnerungen an Deutschland und hoffe, dass da noch viele dazukommen.

SN: Cyber.

Dave: Cyber was – Cyber Sex, Cyber … Ach, du meinst diese Musik. Nein, das ist sicher auch falsch…

Mark: In den Worten eines Freundes: Nimm dir dein Scheiss-Knicklicht und schieb es in deinen verdammten Arsch!

SN: London.

Dave: Ich mochte die Stadt eigentlich immer ganz gerne, jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich mochte die Musikszene immer gerne, das war der Grund für mich, dorthinzuziehen. Aber die ist jetzt mausetot… Es ist kein schöner Ort.

Mark: Ich lebe dort nicht mehr, es ist aber immer nett, für ein paar Tage in die Stadt zu kommen, um Dave und ein paar weitee zu besuchen. Das ist auch genug.

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Drunk, Stupid und neues Album.

SN: Andrew Eldritch.

Dave: Überbewertet! Ich hab die Sisters einmal live gesehen und mochte sie nicht. Aber der Gitarrist, Wayne Hussey, war geil.

Mark: Manche Leute sollten wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören… Obwohl, ich sollte das nicht unbedingt sagen. Wir haben ja gerade auch ein Comeback gestartet.

SN: Industrial.

Dave: Ich mag es nicht. Wer es hört, darf ruhig. Aber nicht meines.

Mark: Ein Freund von mir arbeitet in einer Fabrik, zählt das auch?

SN: Alkohol!

Dave: Kann eine Quelle des Schmerzes oder der Inspiration sein, oder irgendwas dazwischen. Aber ich bin Gitarrist bei Vendemmian, und du weisst genau, dass wir es lieben!

Mark: Cooles Zeug, wenn man die Kontrolle behält. Aber hey, wir sind Vendemmian und haben keine Probleme damit, wir sind die absoluten Meister des Alkohols!

SN: „Drunk, stupid and Trad Goth“.

Dave: Das sind wir! Goths mit einem Grinsen im Gesicht und einem Bier in der Hand!

Mark: Dazu muss ich sagen, wir sind nicht wirklich dumm – „Stupid“ ist eher im Sinne von betrunken. Es fasst alles, was Vendemmian ist, zusammen – Komm zu unseren Konzerten und du wirst es sehen!

SN: Barack Obama.

Dave: Ich bin skeptisch. Wie soll ein lebender Mensch diesen mörderischen Hype rechtfertigen? Was denken die Leute, was er tun wird? Mit Superkräften die Welt retten?

Mark: Ist das ne neue Band? Hab von denen noch nie was gehört…

SN: Die 80er.

Dave: Die beste Zeit für Musik. Aber jeder denkt, dass die Musik, die er liebt, die beste ist… Aber auch da gab es massenhaft Scheiße, und sicher auch viel Zeug, das Dinge, die danach kamen, inspirierten, die sicher besser waren.

Mark: Schöne Haare!

SN: Ich bedanke mich dann ganz herzlich bei euch, dass ihr meine Fragen beantwortet habt! Es hat wirklich Spaß gemacht. Ich freue mich auf die Show auf demWGT, ich werde da sein! Ich freu mich auf euch!

Mark: Wir uns ebenfalls, es wird sicher großartig!

Fenriz
Fenriz

Anschließend lege ich euch noch die Review ihres Albums „One More Time“ ans Herz, das ich ebenfalls hier zu finden ist. Das ist hier verlinkt: Review und Kritik zu „One More Time“. Wer immer noch nicht von Vendemmian überzeugt ist, dem kann ich nun nicht weiterhelfen. Sobald es etwas neues von der Band gibt, wird es hier zu lesen sein. Ein interessantes Gespräch mit zwei interessanten Menschen.

Bandwebsite: www.myspace.com/vendemmianofficial

Interview, Übersetzung und Layout: Alexander „Fenriz“ Schatten

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