Irrbloss - Bloodline

Irrbloss – Bloodline (Review und Kritik)

Irrbloss - Bloodline
Irrbloss - Bloodline

Vor lauter „Pagan“ in den letzten Jahren ist die Begrifflichkeit des „Viking Metals“, den die Norweger Enslaved tiefgreifend geprägt haben, doch etwas verschwunden. Diese haben mittlerweile dem Black Metal praktisch abgeschworen und sämtliche nordischen Bands, die sich selbst „Pagan“ nennen, sind mittlerweile auf Fiedeln und Akkordeon umgestiegen, statt auf Angriff bedachten Black (!) Metal zu setzen. Immerhin gibt es doch noch die ein oder andere junge Band, wie die Schweden Irrbloss, die auch noch das spielen, was ihnen die wahren Väter des Viking Metals in die Wiege gelegt haben.

Hier wird nicht romantisiert oder gar emotional verklärt, Irrbloss setzen auf Attacke, lassen gleich zu Beginn die „Norse Hordes“ stürmen und zerschmettern all ihre Feinde mit eiserner Faust. Die Gitarren sägen sich eines Wikingersturmes gleich durch die gegnerischen Reihen, im Blast-Rhythmus oder in immer wieder langsam werdenden Abschnitten, die das Kampfgeschehen wie in melancholischer Zeitlupe von statten gehen lassen. Gerade die erhabenen Momente, wie bei „Keep on walking“ versetzen den Hörer in einen der Protagonisten der damaligen Zeit, lassen ihn Stimmungen und Gedanken nachempfinden, welche vielleicht den nordischen Horden ihren Mut und ihre Unerbittlichkeit im Kampfe einbrachten.

Irrbloss
Irrbloss

Dabei verstehen es Irrbloss zwischen den mächtigen Melodien immer wieder brutal nach vorne zu preschen oder sich in Einsamkeit zurück zuziehen. Man merkt den Schweden ihre Herkunft deutlich an, erinnern mich bisweilen an die Viking Götter Twin Obscenity, in ihren ergreifenden Melodien. Ein Stück wie „Gaze upon me“ könnte von der Riff-Gewalt durchaus auch aus der Feder Amon Amarths stammen, wenn da nicht schwarze melancholische Wehmut wäre, die sich durch die Stücke wie ein Schleier zieht, der von schmetternden Äxten beständig zerfetzt wird, nur um dann in alter Harmonie von neuem zu beginnen.

Mit „Heresy“ wiegt man den geneigten Hörer zunächst in zweifelhafter Sicherheit, legt diese dann ab und zeigt mit einem alles andere als fröhlichen Riff sämtlichen paganen Auswüchsen der letzten Zeit, was man von dieser schnunkelnden Fröhlichkeit hält. Sämtliche Stärken werden dann mit dem genialen „Midwinters Eve“ gebündelt, ein toller Gegensatz aus nordischen Melodien und fast schon groovigen Rhythmen. Produktionstechnisch ist das Album dann auch noch ohne jeden Zweifel erhaben, ordentlich organisch und treffend transparent brechen die neun Stücke aus den Boxen.


Iskharian
Iskharian

Fazit:

Vergesst doch bitte diese Schunkelei, den versoffenen Met Irsinn und diese romantisierte Geschichtsverklärung, hier wird Viking Metal gespielt und zwar ordentlich! Als Hausnummer könnte Angantyr dienen, doch bringen Irrbloss ihre neun Stücke mehr auf den Punkt, wirken durchweg interessanter und zunächst auch nicht so leicht zu durchschauen. So soll es aber sein, denn in unserer schnelllebigen Zeit bekommt man genug Fast Food serviert. Irrbloss sind nachhaltig und haben mit „Bloodline“ vor allem ein tolles Debut abgeliefert.

Trackliste:

  1. Norse Horde
  2. Keep on walking
  3. As we lived
  4. Gaze upon me
  5. Irrbloss
  6. Heresy
  7. Midwinters eve
  8. Heritage
  9. Bloodline


(7,5 / 10)
(7,5 / 10)

Anspieltipps:

Norse Horde, Gaze upon me, Midwinter eve

Erscheinungstermin:

06.02.2009

Irrbloss Myspace

Twilight Vertrieb


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