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Isolation – Interview mit Johannes Schmid

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Besonders viel Spaß macht mir der „Job“ als Schreiberling, wenn ich nach einer Rezension Resonanzen oder ein kurzes Feedback von dem jeweiligen Musiker bekomme. Selten benutzen sie die Kommentarfunktion und noch seltener ist es dass sie sich persönlich per E-Mail bei mir melden. Johannes Schmid, Sänger und Gitarrist der mitlerweile zur Post-Rock/ Doom Metal Band gewordenen Isolation hatte mich auf eben diesem Weg nach meinem Review zum aktuellen Album „Closing a Circle“ angeschrieben. Sein sympathisches Angebot zu einigen detaillierteren Informationen in Form eines ausführlichen Interviews haben wir uns dabei natürlich nicht entgehen lassen.

Schwarze-News: Hi Johannes, danke noch mal dass du dir die Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. Zunächst einmal freut mich, dass dir mein Review gefallen hat. Wie waren denn die sonstigen Reaktionen auf „Closing a Circle“? Mir scheinen die anderen Rezensionen zum größten Teil sehr positiv.

Johannes: Ja, die meisten Kritiken waren positiv. Einige Verrisse waren allerdings auch dabei, aber das war eigentlich immer so. Den meisten ist auf jeden Fall aufgefallen, dass wir etwas anders als bisher klingen. Einige Leute haben zum Beispiel auch geschrieben, dass sie deshalb jetzt nicht mehr wirklich was damit anfangen können. Das ist natürlich eine Meinung, die wir auf jeden Fall respektieren, aber wir hoffen natürlich auch, dass wir neue Hörer erreichen.

Schwarze-News: Du meintest in deiner Mail es sei selten, dass sich ein Schreiber ersthaft mit dem (oder einem) Album auseinander setzt. Wurde denn soviel daran von anderen falsch gedeutet?

Johannes: Ach, dass jetzt jemand irgendwas wirklich falsch gedeutet hat würde ich gar nicht sagen. Ich habe selbst ne Weile Reviews geschrieben und man merkt halt einfach, wenn jemand ein Album nur mal schnell durchgehört und dann das Infosheet abschreibt. Dass sich jemand wie Du die Zeit nimmt, sich nicht auf den ersten Eindruck zu beschränken, sondern sich die Zeit nimmt, ein Album eine Weile auf sich wirken zu lassen, ist auf jeden Fall selten und erfreulich. „Closing a Circle“ ist auch sicher kein Album was sich einem sofort erschließt.

Schwarze-News: Was hat es denn mit dem Titel „Closing a Circle“ auf sich? Mir ist aufgefallen, dass dieses Mal im gegensatz zu euren früheren Sachen, alle Texte auf Englisch gehalten sind.

Isolation - Closing a Circle
Closing a Circle Cover

Johannes: „Closing a Circle“ war zunächt einmal der erste Track, den wir für das Album geschrieben haben. Der Text handelt im Prinzip von dem Gefühl, sich mit seinem Leben im Kreis zu drehen und immer wieder zwanghaft die gleichen Fehler zu begehen. Als Album-Titel beschreibt er natürlich auch, dass sich mit dem Album eine Art musikalischer Selbstfindungsprozess abschließt. Da ein Kreis aber weder Anfang noch Ende hat, wird sich dieser Prozess natürlich auch weiterhin fortsetzen. Man kann da viel assoziieren und interpretieren, aber man muss auch nicht. Der Titel funktioniert auch so.

Deutsch oder Englisch habe ich eigentlich immer relativ spontan genommen. Wir hatten auch schon Texte, die beide Sprachen beinhaltet. Bei „Closing a Circle“ hat das jetzt halt auf Englisch besser gepasst, wobei ich auch ehrlich zugeben muss, dass der klare Gesang auf Deutsch auch noch ungewohnter gewesen wäre. Keine Ahnung, ob das so toll funktioniert hätte. Ausschließen würde ich es jetzt für die Zukunft aber auch nicht. Mal sehen.

Schwarze-News: Das neue Album klingt extrem anders als das was ihr früher gemacht habt. Warum dieser starke musikalische Wandel? Gerade da „Post-Rock“ beeinflusste Bands im Moment boomen könnte man euch vorwerfen auf einen Trend aufspringen zu wollen.

Johannes: Hehe ja, der Eindruck kann natürlich entstehen, auch wenn das für uns etwas unerfreulich ist. Im Grunde genommen haben wir diesen Wandel eigentlich immer schon ganz natürlich vorran getrieben und gemacht, wonach uns der Sinn stand. „Bleak“ klang ja auch schon ganz anders als frühere Sachen. Im Prinzip haben wir uns in erster Linie nach „Bleak“ überlegt, dass wir abwechslungsreichere Songstrukturen und Anschlagpatterns verwenden wollten und der Rest hat sich dann mehr oder minder ergeben. Richtig gesungen hatte ich da ja auch schon. Eine Rolle hat sicherlich auch gespielt, dass unser (mittlerweile gar nicht mehr so) neuer Bassist Andre auch noch seinen eigenen Stil mitgebracht hat. Er spielt wesentlich technischer und vor allem melodischer, wodurch die Musik halt einfach mehr Tiefe bekommt. Ansonsten haben sich unsere privaten Hörgewohnheiten auch einfach verändert. Ich höre z. B. eigentlich kaum noch Black-Metal.

Schwarze-News: Ich denke mal dass es das Label war, dass „Closing a Circle“ als „Post-Rock Album“ oder zumindest stark beeinflusst angepriesen hat und nicht ihr selber, oder? Wie siehst du selbst diesen Trend grade im Black Metal?

Isolation
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Johannes: Ja, mit der Annahme liegst Du richtig. Ich hätte mir das lieber gespart. Allerdings muss man den Leuten natürlich auch irgendwie vermitteln, was sie von der Musik erwarten können. Post-Rock trifft es sicherlich besser als viele andere Genre-Bezeichnungen. Gleichzeitig emfinde ich uns als ziemlich eigenständig. Wenn ich hören würde: „ehemalige Depressive-BM-Band spielt jetzt Post-Rock“, würde ich auch nicht grad vor Freude schreien. Aber da sehe ich uns auch einfach nicht. Ich möchte an dieser Stelle auch mal festhalten, dass dieser Post-Rock-Einfluss auch schon länger Bestand. Auch schon zu Zeiten als und sogar bevor wir unser erstes Demo rausgebracht haben sind wir gemeinsam zu Konzerten von  Bands wie Isis, Pelican oder Mono gegangen. Der Name „Isolation“ kommt ja auch von Joy Division. Wir haben auf jeden Fall immer schon diverse Einflüsse gehabt, auch wenn wir das zunächst noch nicht so hörbar in die Musik einfließen lassen konnten. Das musste halt alles erstmal wachsen. Ich will hier jetzt auch gar keinen von wegen „Wir kannten das alles früher schon, man sind wir cool“ erzählen, darum geht es gar nicht. Ich will halt nur nicht, dass irgendwer denkt, wir hätten im Rock Hard von Alcest gelesen und daraufhin mal schnell unseren Stil geändert. Das ist, denke ich, auch ein verständlicher Wunsch.

Dieser Post-Black-Metal-Boom ist natürlich wie jeder Trend irgendwann ein wenig langweilig. Nach der ersten Amesoeurs MLP wollte plötzlich jeder ne U-Bahn auf dem Cover haben und über die urbane Entfremdung singen. Im Zweifel kann ich damit zwar auch mehr anfangen, als mit dem nächsten Darkthrone-Klon, aber irgendwann wiederholt sich halt alles und wird vorhersehbar. Ich finde auch, dass es echt wenig Bands gibt, die Black-Metal und Post-Rock wirklich zu verbinden wissen. Wenn es mehr Bands wie Wolves in the Throne Room etc gibt, die sich von überholten Black-Metal-Cliches loslösen, dann kann ich das natürlich nur begrüßen. Ich meine, mal ehrlich, wer sich im Jahre 2011 noch krampfhaft an das klammert, was sich Anfang der 90er mal ein paar bekiffte Teenager in Norwegen an Späßen überlegt haben, um die Presse zu verarschen, der ist doch nur zu bemittleiden. Aber es wäre natürlich schöner, wenn da weniger kopiert würde und es mehr wirklich originelle Bands gäbe. Aber das ist ja bei jedem Trend so.

Schwarze-News: Ich hatte im Review gewissen Parallen zu Tool und besonders Katatonia angesprochen, würdest du mir da zustimmen? Falls nicht, wo siehst du sonst eure Einflüsse – insbesondere beim neuen Album?

Johannes: Katatonia ist definitiv ein Einfluss, auch nicht erst jetzt. Der Vergleich mit Tool ist sehr schmeichelhaft, ich würde mir jetzt aber nicht selber anmaßen. Wenn man das aus dem Album raushört, freut es mich auf jeden Fall. Ansonsten sind unsere Einflüsse auf jeden Fall zahlreich, da kann man eigentlich gar nicht genau abstecken. Wir alle hören eigentlich durch die Bank weg alle möglichen Genres. Sludge bzw Stoner-Rock war sicherlich auch bei einigen Liedern ein direkter Einfluss. Joy Division, Portishead, Agalloch… da gibt’s zu viele Sachen, um jetzt alles aufzuzählen. Eine noch eher Black-Metal-lastige Band, die wir cool finden, wäre noch Hateful Abandon.

Isolation Logo
Isolation Logo

Schwarze-News: Ich finde „Closing a Circle“ klingt als hättet ihr euren eigenen Weg gefunden, zumal auch so genannter „DSBM“ gerade angesagt ist und ihr damit Gefahr gelaufen wärt in eine Sparte voller Einmann-Keller-Bands gesteckt zu werden. War es beabsichtigt mit „Closing a Circle“ etwas vollkommen eigenständiges zu schaffen dass euch von all dem abhebt? Wie würdest du euren aktuellen Stil selbst nennen?

Johannes: Das freut mich natürlich zu hören. Wir haben eigentlich immer versucht unseren eigenen Weg zu gehen. Gleichzeitig muss so was aber auch ein natürlicher Prozess sein und man kann das nicht erzwingen. Wenn man sich nur möglichst anders sein will, um sich vom Rest abzugehen, klingt das für mich eher nach einer Persönlichkeitsstörung als nach künstlerischem Anspruch. Aber niemand braucht eine Band, die so klingt wie zig Andere es auch tun (und die dabei warscheinlich auch noch besser sind und 10 Jahre vorher da waren). Ausklammern würde ich da mal Bands, die einfach nur „spaßeshalber“ spielen ohne künstlerischen Anspruch zu hegen. Das ist halt einfach was anderes.

Schwarze-News: War es das jetzt entgültig mit Black Metal oder könntest du dir vorstellen auch noch mal ein Album in eurem vorherigen Stil aufzunehmen?

Johannes: Sicherlich nicht unter dem Namen Isolation. Aber ich habe hier noch ein paar Songideen rumliegen, die wieder in die alte Richtung gehen. Vielleicht mache ich damit irgendwann nochmal was, vielleicht auch nicht.

Schwarze-News: Du erwähntest das Studio sei mit der Produktion unzufrieden gewesen? Ich habe die Scheibe als sehr sauber produziert wargenommen. Wo lag denn das Problem? Seid ihr selbst auch weniger glücklich über den entgültigen Klang des Albums?

Johannes: Wir selbst sind eigentlich glücklich damit. Das Ding ist, ich habe das Album selber bei uns im Proberaum aufgenommen und dann zum mischen und mastern ins Studio gegeben. Die Zusammenarbeit lief eigentlich auch cool soweit. Allerdings waren die Herren vom Studio nicht so recht glücklich mit der Qualität des Ausgangsmaterials und fanden daher auch das Endergebnis nicht repräsentativ für ihre Arbeit. Daher wollten sie nicht in den Credits erwähnt werden. Ich persönlich finde eigentlich nicht, dass sie sich dafür verstecken müssen. Umso mehr, wenn ich lese, dass Du „Hochglanzproduktion“ geschrieben hast. Aber wir respektieren das natürlich, schließlich müssen die ja von ihrer Arbeit auch ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Schwarze-News: Mein einziges wirkliches Problem war dein etwas gewöhnungsbedürftiger Gesang, obwohl er ja schon zur Musik passt. Aber da scheine ich ja auch nicht der einzige zu sein der so seine (Start)schwierigkeiten damit hatte. Ist es beabsichtigt dass du so leicht gelangweilt und emotionslos rüber kommst? Und vor allem: War es nicht schwierig für dich deinen Gesang so deutlich zu ändern?

Johannes: Hehe, ja schwierig war es in der Tat. Ich denke auch, dass ich wohl nicht das große Talent bin. Im Grunde genommen hätte ich auch lieber einen anderen Sänger gefunden, aber wir hatten mit der Suche leider keinen Erfolg. So ist es eben an mir hängen geblieben. Hunderprozentig glücklich bin ich mit dem Gesang selbst auch nicht, ich finde ihn allerdings auch nicht emotionslos. Ich empfinde das, was Du gelangweilt nennst, eher als unterkühlt und distanziert. Die Texte handeln hauptsächlich von nachdenklichen Themen und da hätte es einfach nicht gepasst so voller Inbrunst in die Welt hinaus zu singen. Gleichzeitig wollte ich auch nicht so pathetisch jammerig leidend klingen. Vorbild war so ein bischen „Discouraged Ones“ von Katatonia. Für „Closing a Circle“ bin ich mit dem Gesang soweit zufrieden, hätte man aber sicherlich besser machen können. Wie wir da in Zukunft weiter machen, müssen wir schauen. Falls das hier zufällig jemand aus dem Raum Lübeck / Hamburg liest, der sich dazu berufen fühlt, bei uns zu singen, kann er sich gerne melden.

Schwarze-News: Hattest du keine Angst frühere Anhänger mit einer solchen Gesangsart zu verschrecken? Bzw. mit dem kompletten Stil des Albums?

Johannes: Was heißt Angst… Dass das passieren würde, war uns eigentlich klar. Aber da wir zum Glück von der Musik keine Rechnungen bezahlen müssen und wir mit Eisenwald ein tolles Label im Rücken haben, was uns unterstützt, können wir da in erster Linie unsere persönliche musikalische Vision an erste Stelle setzen. Wir haben eigentlich immer die Musik gespielt, auf die wir Bock hatten und sind damit immer gut gefahren. Wenn es so vielen Leuten gefällt, dass unser Label nicht auf seinen Kosten sitzen bleibt, bin ich glücklich. Falls den neuen Stil keiner mehr hören will, dann ist das schade, aber auch dann wäre mir die Selbstverwirklichung wichtiger, als den Konsumentenkreis zu bedienen.

Austere & Isolation - Bleak
Austere & Isolation - Bleak

Schwarze-News: Zuletzt noch eine Frage zu einer älteren Veröffentlichung von euch. Ich selbst bin durch eure „Bleak…“ Split den australiern Austere auf euch aufmerksam geworden. Wie kam dieser Kontakt zu stande? Verbindet euch irgendetwas mit der Band, oder war das lediglich eine Labelinterne Sache? Ich frage besonders deshalb, weil die ehemaligen Austere Mitglieder heute andere Projekte am Laufen haben (Woods of Desolation, Grey Waters), und da dann ja evtl. auch die Grundlage für eine erneute Zusammenarbeit gegeben ist?

Johannes: Dass ich Mitch kennen gelernt habe ist schon eine Weile her. Das kam darüber zustande, dass ich mit dem australischen Label GoatowaRex getauscht habe und mir eine Band namens Funeral Mourning angeboten wurde. Die haben mir gefallen und daraufhin habe ich Mitch eben angeschrieben und es stellte sich heraus, dass ihm Isolation ebenfalls gefiel. Der Kontakt hat dann gehalten und es hat sich mit der Zeit eine Freundschaft entwickelt. Mitch hat außerdem auf seinem ehemaligen Label Ruin Productions ein Tape von Isolation rausgebracht und ich die Austere / Lyrinx Split auf Tape über mein ehemaliges Label Choirs of Delusion. Ich hab z. B. auch das Austere-Logo gezeichnet. Aber daher war es halt auch etwas besonderes die Split zusammen zumachen, weil es musikalisch gut gepasst hat und wir Freunde waren und sind. Eine Split auf Initiative des Labels zu machen, hat da für mich auf jden Fall einen ganz anderen Stellenwert und käme für uns auch gar nicht in Frage.

Das ist aber auch der Grund, warum es sicherlich keine erneute Zusammenarbeit mit WoD oder Grey Waters geben wird. Das sind eben Darnel und Tim und unsere Verbindung zu Austere war halt Mitch.

Schwarze-News: Ich danke dir für das aufschlussreiche Interview und wünsche euch noch viel Erfolg mit „Closing a Circle.“ Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Johannes: Ich danke Dir ebenfalls für das Interview.

Interviewführung & Kontakt: Tobias „Zigeunerjunge“ Geers

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  • Scheiße ist das mal ein gutes Interview.
    Der Typ ist gerade mal tierisch Sympathisch geworden. Vor allem die Zusammenkunft mit Austere, die Grundgedanken und der musikalische Geschmack – sehr interessant.

  • Iskharian

    Mit Abstand eines der besten Interviews auf SN! Und als Fan der alten Sachen, muss ich jetzt doch auch ins Neue reinhören!