Katatonia - Night is the new day

Katatonia – Interview mit Jonas Renkse und Anders Nyström

Katatonia - Night is the new day
Katatonia - Night is the new day

Am 22. September 2009 standen Jonas Renkse (Gesang) und Anders Nyström (Gitarre) von Katatonia für einige Pressetermine zu ihrem neuen Album „Night is the new day“ Vö. 02. November 2009, im Foyer eines Hotels in Hamburg-Altona zur Verfügung. Wir (Elbin und Ralle) nahmen den Termin um 14.00 Uhr für Schwarze News und Radio Dark Dimensions wahr.

exklusives RDD Interview

Ralle: Hallo Jonas, Hallo Anders – Vielen Dank für die Möglichkeit eines Interviews für Schwarze News und Radio Dark Dimensions. Wie geht es euch?

Anders: Mir geht es gut, danke.  
Jonas: Ja, mir auch.

Ralle: Gratulation zu einem fantastischen und faszinierenden Album. Wie fällt euer Fazit so kurz vor der Veröffentlichung aus bzw. was sind eure Erwartungen?

Anders: Wir sind so froh, dass wir hier sitzen und das Album gerade fertig gestellt haben. Es ist lange her seit wir zuletzt hier waren. Ich glaube das letzte Mal vor 3 Jahren. Hinter dem Album steckt sehr viel Erwartungsdruck, aber wir sind froh darüber und erwarten voller Hoffnung die Reaktionen.

Ralle: In Verbindung mit “The great cold distance” war häufig von progressiven Doom Rock und Dark Metal die Rede. Könnte man „Night is the new day“ als logische Weiterentwicklung dieses Sounds betrachten?

Jonas: Ja, natürlich. Wir wussten von Anfang an, dass jeder in der Band zufrieden mit der „The great cold distance war“, und es war die ganze Zeit das Ziel dies zu toppen. Deswegen hat jeder eine Menge Arbeit, harte Arbeit in das neue Album gesteckt. Und ich denke jeder in der Band ist wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben ein Album gemacht, das so gut wie das erste ist, nicht besser.

Ralle: Wobei man ja fast wieder einen neuen Begriff kreieren könnte: Dark Melodic Metal.

Anders: Jeder findet ein Genre für das was wir machen. Wir können gut damit leben, aber wir legen mehr Wert darauf Katatonia zu sein. Wir könnten nicht glücklicher sein, wenn die Leute sagen, das ist Katatonia-Musik, das ist das Genre. Wir haben immer eine Richtung in der Rock-Dark-Metal-Szene, von Beginn an. Aber wir haben auch immer eine offene Denkweise in andere Richtungen zu gehen um neue Einflüsse zu bekommen. Und wenn all das zusammen kommt ist es brauchbar und es ist Katatonia.

Ralle: „Night Is The New Day“ sollte ursprünglich am 19. Oktober 2009 erscheinen, nun wurde die Veröffentlichung auf 2. November verschoben. Was war der Grund für diese Entscheidung?

Anders: Wir waren etwas zu spät mit dem Mixing. Ich weiß nicht genau wie das läuft, aber das Label braucht auch einige Zeit für Pressearbeit und Promotion, das Pressen der CD, das ist alles geschäftlich. Aber ich glaube nicht, dass das so falsch war, denn was sind schon 2 Wochen. Ich hoffe die Menschen können auf etwas warten, das wie ich behaupten möchte, gut ist.

Ralle: Wie schwierig war es überhaupt für euch nach „Viva Emptiness“ und „The great cold distance“ wieder ins Studio zu gehen, um einen Nachfolger zu produzieren?

Katatonia in Hamburg 22.09.2009
Katatonia in Hamburg 22.09.2009

Anders: Sehr schwer. Wir möchten uns immer übertreffen, wir müssen das. Der Grund ist, dass kein Album genau so klingt wie das davor und es sollte natürlich nicht schlechter sein. Es muss besser sein, hoffentlich in jeglicher Hinsicht. Musikalisch, textlich, stilistisch, alles sollte besser sein. Es war die ganze Zeit über ein Kampf, wir waren so glücklich mit „The great cold distance“ und wir mussten uns selber sehr antreiben. Es dauerte 3 Jahre um diesen Punkt zu erreichen, aber wir haben ihn erreicht. Wir sitzen hier und haben es geschafft und es war es Wert.

Ralle: Was bedeutet der Albumtitel “Night is the new day”? Ist es eine Anspielung auf die dunkle Seite in jedem einzelnen?

Jonas: Es kann mehrere Bedeutungen als eine einzige haben. Was wir aber damit als aller Erstes sagen wollten ist wie die Welt heutzutage aussieht. Es reflektiert hauptsächlich unsere Vision über die Welt. Man kann es auch etwas ironisch sehen, was ist das neue Schwarz, eine Art zu sagen, wie ängstlich die Menschen sind.

Ralle: Wenn ich versuchen möchte „Night is the new day“ zu beschreiben und ich benutze Ausdrücke wie “unglaublich komplexe Musik” und „Es ist sehr schwierig, bis der Hörer einen roten Faden erkennen kann“, würdet ihr diese Meinung teilen?

Anders: Ja, ich denke man kann schon erkennen, dass es unser komplexestes Album bisher ist. Es ist vielleicht deshalb so, weil wir uns selbst hochgezogen und mit uns gekämpft haben an Grenzen zu stoßen, an die wir bislang nicht gekommen sind. Wir wollten nicht zu technisch oder zu komplex werden, aber es passierte einfach so. Wir wollten die Magie in der Musik, das Gefühl kommt immer zuerst. Aber es muss immer eine Balance vorhanden sein, eine Balance zwischen dem Ganzen, zwischen der Musik und dem Künstler. Wir sind sehr zufrieden mit der Balance des Albums, gleichmäßig und komplex und sehr emotional. Es macht es wesentlich interessanter, es live zu performen, es immer und immer wieder zu hören. Ich denke das Album ist um einiges besser, ich hoffe es zumindest (lacht)

Ralle: Zum ersten Mal habt ihr Effekte benutzt? Ist das eine Art Experiment oder Entdeckung für den neuen Sound von Katatonia, oder wie dürfen wir das verstehen?

Anders: Sicher, wir sind immer offen für neue Dinge, die wir in Katatonia einbringen können. Wir möchten nicht zu einfach werden, es gibt so viele Möglichkeiten zu entdecken, wie Synths oder Keyboard-Sounds. Wir halten uns nicht an Gitarren oder Violinen fest. Es gibt auch so viele landschaftliche oder klanglandschaftliche Soundeffekte. Wenn du es hörst, weißt du nicht wirklich was es ist, aber es hört sich gut an, atmosphärisch dreidimensional und großartig. Und du denkst dir es ist wie ein Chorgesang. Und wenn du das alles zusammen bringst, glaube ich ist das das Markenzeichen von Katatonia.

Ralle: Wir haben auch gehört, dass ihr eure Gitarren alle auf C eingestellt habt. Vielleicht kannst du einem Nicht-Künstler das erklären?

Anders: Es ist nicht wirklich so. Wir haben das auch auf dem letzen Album gemacht, aber es gibt einige Songs, bei denen wir C weggelassen haben. Wir experimentieren mit alternativen Dingen. Das ist für einen Gitarristen sehr interessant, weil es neue Möglichkeiten eröffnet. Und darauf sind wir sehr aus, wir wollen nicht auf der Stelle treten, auch nicht immer die gleiche Richtung gehen. Eine Gitarre hat 6 Saiten, also nutzen wir diese auch komplett aus für die Klangfarben des Albums.

Ralle: Es gibt da eine Band aus Österreich „Edenbridge“, die eine Gitarre mit 7 Saiten benutzt.

Jonas: Ja, da passiert ganz viel. Ich glaube es gibt sogar schon welche mit 8 Saiten, aber so weit möchten wir nicht gehen. Wir haben 6 und das ist genug.

Ralle: Die ersten Reaktionen der Fans zur Download-Single „Forsaker“ sind mehr als positiv. Es ist die Rede von „überraschend metallisch“ und „traumhafter Gesang von Jonas“. Überraschen euch solche Meinungen?

Katatonia in Hamburg 22.09.2009
Katatonia in Hamburg 22.09.2009

Jonas: Hm, nicht überrascht, aber sehr, sehr glücklich. Wir sind so stolz auf das Album und der Meinung es ist eines der besten bislang. Wir sind froh darüber, dass die Menschen immer noch der Musik folgen und sie wissen was sie erwartet und letztlich sind sie zufrieden damit. Das gibt uns wieder mal das Gefühl etwas richtig gemacht zu haben. Wir haben die Fans begeistert und nicht Menschen um uns, die schreien wir wären zu laut, zu abweichend von Death-Black-Metal. Das zu wissen gibt uns Selbstvertrauen und natürlich macht es damit noch mehr Spaß in der Band zu sein, wenn man eine Reaktion wie diese bekommt.

Ralle: Songs wie „Liberation“ oder „Day & then the shade“ erinnern sehr stark an den Ursprung von Katatonia.

Anders: Ja, wir wollten viele Variationen auf dem Album, wir wollten es nicht langweilig werden lassen und wenn wir es hart wollen, dann sehr hart. Diese Songs sind als Spitzensongs des Albums gewählt. Das ist cool, denn das macht die Balance aus, denn wir haben auch supersofte Songs auf dem Album. Und es ist ein Abenteuer das ganze Album zu hören. Kein Song soll wie der andere klingen. Und wir haben die Trackliste sehr sorgsam gewählt, so dass nicht alles soft ist. Es macht es wesentlich interessanter, wenn du dir das Album anhörst und es sind Highlights, mit denen wir erreichen wollten, dass das Album besser wird. Es ist fließender, es hat mehr Wirkung und es ist einfach Katatonia, die beste Art wie wir es zu machen.

Ralle: Bei anderen Songs wie „Idle blood“ sind Streicher und Akustikgitarre zu hören. Soll dies dann die neue Vielseitigkeit von Katatonia darstellen?

Anders: Ja, ganz sicher, weil wir keine Angst davor haben zu sagen, wir sind nur das oder nur das. Es ist so erfrischend einen Song wie „Idle Blood“ zu haben, damit die Leute erkennen, dass wir auch mehr machen können als die üblichen Sounds. Es hat Streicher, Gitarren, akustische Gitarren, Cello. Das ist für gewöhnlich nicht Katatonia. Wir wollten den Menschen damit zeigen, dass wir auch in diese Richtung gehen können, aber eben nicht nur.

Ralle: Das Mastering fand wieder in den Fascination Street Studios mit Jens Bogren statt. Never change a winning team?

Anders: Das ist vollkommen richtig. Es gibt da noch jemand, der für ihn arbeitet, David Castillo. Wir haben ihn zu jedem Auftritt und Konzert hinzugezogen, weil wir ihn so gut kennen. Wir haben auch mit ihm und Jens Bogren eng zusammengearbeitet. Jens hat sein eigenes Studio in Stockholm und wir haben uns entschieden dort hin zu gehen und mit ihm zu arbeiten. Das kann man aber auch auf dem Album hören, es ist einfach nur fantastisch. Das Lob gehört aber eher David Castillo als Jens Bogren, Jens hat das Album gemastered, aber gemixed hat es David Castillo. Das ist ein Name, den man sich merken sollte und von dem man in Zukunft noch viel hören wird. Deshalb schenken wir ihm vollstes Vertrauen.


 

Ralle: „Night is the new day“ im Zusammenhang mit „catatonic“ – sprich schizophrene Psychose. Textlich und musikalisch mehr als passend?

Jonas: Hm, das ist ein Name, den wir vor langer Zeit gewählt haben. Als wir angefangen haben, wollten wir einfach nur Dark-Musik machen oder eben schöne Musik. Es ist inzwischen unterschiedlich. Wie gesagt, den Namen haben wir einfach vor langer Zeit gewählt und wir werden nicht den Namen oder die Band ändern, es ist einfach nur ein ganz normaler Aspekt.

Ralle: Wie denkt ihr über Charts/Reviews und Verkaufszahlen? Ist es für euch eine Art Qualitätsbeweis oder lediglich unterschiedliche Meinungen von verschiedenen Personen?

Anders: Wir werden uns nie von Charts abhängig machen, einfach tun was wir tun möchten. Wenn wir im Studio sind wissen wir nicht was draußen vor sich geht. Es ist dann einfach nicht wichtig für uns. Was für uns wichtig ist, ist, dass wir ein Album machen, mit dem wir für alle Zeit leben können. Die Charts sind nett und cool, Radioplays sind cool aber das ist nichts Bleibendes. Die Alben bleiben für immer und du musst für immer damit leben. Deshalb sind wir viel mehr darauf fokussiert ein Album zu machen, das im Ganzen zeitlos ist. Nicht einen Hit, den die Leute nach einem Jahr wieder vergessen haben. Katatonia ist nicht auf die Charts aus, wir haben super Fans, die wissen, dass wir viel tiefer gehen als das.

Ralle: Im Juli habt ihr das Management gewechselt und bei der Northern Music Company unterzeichnet. Was war der Grund das Management zu wechseln?

Anders: Zuerst mal brauchten wir ein Management. Ich habe die Band zu lange gemanaged und es war zu viel Arbeit. Ich muss der Gitarrenspieler von Katatonia sein und nicht der Geschäftsmann. Es ist nichts für mich im Anzug und Krawatte rum zu laufen. Es war ein gutes Timing, wir waren seit ungefähr 2003 mit ihm in Kontakt, er zeigte Interesse, wir zeigten Interesse aber nichts kam bis jetzt dabei raus. Es war die richtige Zeit. Er offerierte uns der Riege seiner Bands beizutreten und es konnte nicht besser sein von der Zeit her, es ist alles sehr respektvoll und sie haben gute Bands unter Vertrag. Und er kann gezielter arbeiten. Er spricht nicht von „Bullshit“, sondern es passiert wirklich was und genau das brauchen wir für Katatonia jetzt. Es wird immer geschäftiger.

Ralle: Im November seid ihr in England auf Tour mit Paradise Lost. Wann können wir „Night is the new day“ live in Deutschland erleben?

Anders: Wir haben einen Gig in Bremen nächsten Monat mit Porcupine Tree. Aber es ist nur ein Support-Auftritt. Wir würden gerne als Headliner spielen, aber wir sind dabei nächstes Frühjahr eine Headline-Tour zu machen. Wir freuen uns sehr darauf, denn es ist lange her, dass wir hier gespielt haben und freuen uns schon sehr darauf.

Ralle: Und wie in der Vergangenheit mit älteren Songs von Katatonia, ja, wird es ein Medley geben?

Anders: Wir haben immer Ideen, es ist schwer es jedem Recht zu machen. Es gibt Leute, die fragen, warum spielt ihr nicht diesen oder jenen Song? Wir versuchen aber immer jeden glücklich zu machen, basierend auf der Zeit, die wir auf der Bühne haben. Wir suchen auch nach einer Möglichkeit die Setlist zu ändern an verschiedenen Abenden. Wir spielen nicht ständig die gleichen Songs, aber das braucht eine Menge Proben und wir sind nicht wirklich eine Proben-Band. Aber wir versichern, dass es das geben wird.

Ralle: Macht die Fans noch neugieriger. Wie würdet ihr abschließend „Night is the new day“ in einem Satz beschreiben?

Anders: Ich würde sagen, Katatonia 2009 jetzt oder nie.

Ralle: Tack så mycket. Was möchtet ihr abschließend den Fans von Katatonia mit auf den Weg geben?

Anders: Ich möchte sagen, dass es Zeit wird die Reaktionen auf das neue Album zu sehen und wenn ihr es mögt, kommt zu den Auftritten und wir haben sicher ganz großartige Abende.


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