Klabautamann – Interview mit Tim Steffens

Klabautamann - Merkur CoverDas dritte Album der Bonner Avantgardisten Klabautamann liegt ganz frisch in den gut sortierten Plattenläden aus. „Merkur“ ist definitiv eine der interessantesten deutschen Black Metal Veröffentlichungen des Jahres und so durfte sich Tim den Fragen von den Schwarzen News stellen.

Schwarze-News: Hallo Tim, ich hoffe, euch geht es gut, jetzt nachdem „Merkur“ endlich das Licht der Welt erblickt hat. Das Vorgängeralbum „Der Ort“ ist ja jetzt nun schon vier Jahre alt. Zwischendurch gab es nur eine selbstbetitelte EP. Hattet ihr einfach keine Zeit, oder war der Entstehungsprozess von „Merkur“ so anstrengend? Erzähle doch einmal ein bisschen, wie Merkur von der Idee zur fertigen CD entstanden ist.

Klabautamann - Live
Klabautamann - Live

Tim:Wir hatten tatsächlich wenig Zeit neben Arbeit / Studium und den anderen Musikprojekten – besonders Flo ist ja sehr aktiv: Valborg, Island, Woburn House … Die Arbeiten an Merkur gingen recht flott. Wir hatten einige musikalische Ideen gesammelt und haben uns letztes Jahr um Ostern rum für 2 Wochen zusammengesetzt und alle Lieder gitarrentechnisch von vorne bis hinten durchkomponiert. Da Flo und ich nur relativ wenig lyrischen Output haben, waren wir froh, dass uns Christian Kolf uns wieder unter die Arme gegriffen hat. Er hat alle Texte beigesteuert bis auf einen, der von meiner Freundin stammt (Herbsthauch). Wir konnten übrigens diesmal die interessante Erfahrung machen mit Fredy Schnyder von Nucleus Torn zusammenzuarbeiten. Er hat den Flügel und das Keyboard bei Noatun gespielt. Die Zusammenarbeit hat viel Spaß gemacht und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden!

SN:Das Album wird ja auch auf Vinyl über Heavy Horses erscheinen. Es scheint, dass euch das Medium Schallplatte sehr am Herzen liegt. Denkt ihr, dass ihr mit einer limitierten Platte die richtigen Menschen erreicht? Es ist ja leider in den letzten Jahren zu beobachten, dass etliche Schallplatten ja nur kaufen, um sie teuer bei diversen Auktionshäusern zu versteigern.

T:Die Idee mit der Platte stammt vom Hoschi von Heavy Horses, der ein großer Vinyl fan ist. Ich selbst besitze gar keinen Schallplattenspieler, freue mich aber trotzdem riesig auf die LP: große Cover sind einfach geil! Von dem Phänomen, dass Platten teuer versteigert werden habe ich noch nichts gehört. Letztlich wird’s wohl OK sein, es wird ja niemand gezwungen Geld auszugeben.

Klabautamann - Songwriting Session
Klabautamann - Songwriting Session

SN: „Merkur“ ist ja wie schon die Vorgänger sehr avantgardistisch geworden und erinnert mich Stellenweise sogar an guten alten Krautrock der 70er. Habt ihr selbst Vorbilder aus der Zeit oder ist das reiner Zufall?

T:Also Parallelen zum Krautrock sehe ich nicht wirklich. Allerdings gibt es tatsächlich einige Rock-Elemente, die 70er Assoziationen nahelegen. Das mag daher kommen, dass ich in den letzten Jahren viel Musik aus der Zeit gehört habe: The Who, Pink Floyd, Beatles etc.

SN:Patrick Schröder hat wie auch schon auf „Der Ort“ die Drums eingespielt. Kann man ihn als drittes Band Mitglied bezeichnen, oder ist er klar nur Session Drummer? Seine Performance ist meiner Ansicht nach nahezu perfekt auf „Merkur“.

T: Wenn es nach uns ginge, wäre Patrick ein festes Bandmitglied. Allerdings liegen seine Prioritäten bei seiner Hauptband Centaurus-A. Patrick ist ein Perfektionist und er möchte nicht riskieren, dass Centaurus-A zu kurz kommt. Daher kommen weitere Bands für ihn nicht in Frage.

SN: Kannst du uns etwas zum textlichen Konzept von „Merkur“ erzählen? Die Texte sind ja teils englisch, teils deutsch verfasst.

T: Es gab keinerlei textliches Konzept. Wir haben – wie bisher immer – die Stücke komplett ohne Text ausgearbeitet und dann nachträglich gesucht ob wir was passendes finden. Ein paar Stücke haben wir Christian gegeben und er hat sich dann einen passenden Text ausgedacht.

Klabautamann - Studiosession
Klabautamann - Studiosession

SN:Selten habe ich ein solch stimmiges Coverartwork gesehen. Und die Gestaltung des Booklets ist es mehr als wert Geld für die CD auszugeben. In wie weit wart ihr an der Gestaltung beteiligt?

T:Jan Buckard hat mal wieder einen super Job gemacht! Er hat auch schon das Artwork für die EP gemacht. Da wir uneingeschränkt von seinen Fähigkeiten überzeugt sind, haben wir ihm einfach freie Hand gelassen. Das
einzige, was ihm als Vorlage diente war der Titel und die Lieder. Ich kann ihn wirklich nur weiterempfehlen, bei Bedarf: www.janbuckard.de !

SN: In den letzten Jahren hat sich die „Szene“ sehr gewandelt. Bands wie Nocte Obducta (und die von mir sehnlichst erwarteten Dinner auf Uranos) oder letzthin auch Fäulnis kehren dem Black Metal immer mehr den Rücken. Ihr habt dagegen neben den Genre fremden Einflüssen immer noch deutliche Black Metal Referenzen. Woran glaubt ihr liegt das? Ist im Black Metal alles schon gesagt worden? Oder ist diese Musik wirklich nur eine Jugendbewegung aus der man mit der Zeit entwächst?

T:Also es gibt ja schon noch einige Bands, die noch richtigen Black Metal machen, besonders im Underground. Wir haben zwar natürlich noch deutlich hörbare Black Metal Einflüsse – das ist ja auch einfach unheimlich intensive und geile Musik – allerdings hat Black Metal auch seine Grenzen. Der musikalische Ausdruck ist sehr eingeschränkt. Mir persönlich reicht das nicht, vielleicht geht es den von Dir genannten Bands auch so.

SN:Zählt ihr euch selbst noch als Black Metal, oder habt ihr euch nie wirklich zugehörig gefühlt. Immerhin seid ihr musikalisch, als auch textlich nur am Rande mit der Szene konform. Interessiert es euch überhaupt, wozu ihr gehört, oder haltet ihr diese Schubladendenken für hinfällig?

T:Wenn jemand fragt, was für Musik wir machen sage ich meistens Black Metal – aber mit Rock und leichten Jazz-Einflüssen. Ideologisch gesehen fühle ich mich der Szene nicht wirklich zugehörig, obwohl es auch schon echt coole Leute im BM gibt. Z.B. Immortal, das Video zu Call of the Wintermoon ist einfach herrlich, oder die Fotosession in Paris!

SN:Florian ist ja mit seinem Label Zeitgeister Productions, auf welchem auch das neue Klabautamann Album erschienen ist recht aktiv, auch was Bands, in denen er selbst mitspielt, betrifft. Rechnet es sich für euch das Album selbst zu veröffentlichen, oder ist der Erlös daraus eher zweitrangig?

Klabautamann
Klabautamann

T: Der Erlös ist definitiv zweitrangig. In der heutigen Zeit ist es schwer mit Musik Geld zu verdienen, besonders wenn man so eine kleine Zielgruppe hat wie wir. Trotzdem glaube ich, dass durch die Veröffentlichung in der aktuellen Konstellation etwas mehr Geld reinkommen wird. Wenn man über ein herkömmliches Label veröffentlicht geht ja nur ein relativ kleiner Teil des Gewinns an die Musiker. Jetzt bekommen wir 100%!

SN:Man hat das Gefühl die Metal Szene in Bonn besteht nur aus dem Umkreis Klabautamann/Island/Valborg/Ekpyrosis. Wie sieht es denn generell aus mit der Szene der ehemaligen Hauptstadt?

T:Och, es gibt schon auch ein paar andere Bands noch hier: Centaurus-A, Jack Slater, Hornado, Abstinenz, Sex Gepard … um nur ein paar zu nennen.

SN: Ist Klabautamann ein reines Studio-Projekt, oder darf man mit „Merkur“ auf Live-Auftritte hoffen?

T:Live Auftritte machen wir immer mit Gastmusikern. Leider steht und Patrick momentan nicht zu Verfügung – und es ist nicht einfach einen Schlagzeuger mit ähnlichen Fähigkeiten zu finden. Es könnte aber durchaus sein, dass sich im nächsten Jahr nochmal ein Live-Fähiges Lineup findet, und dann ist auch mit Konzerten zu rechnen!

SN: Vielen Dank für das Interview! Dir gehören die letzten Worte des Interviews!

T: Dann nutze ich die letzten Worte, um darauf hinzuweisen, dass ich mich als Toningenieur selbständig gemacht habe. Wem die Produktion unserer aktuellen CD gefällt und wer eine Aufnahme plant, sollte mal auf www.nomad-recordings.com schauen!

Vielen Dank und alles Gute!
Tim

Kontakt und Fragen: Stefan „Iskharian“ Döring

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