Saltatio Mortis säen Wind in Köln

Konzertbericht: Saltatio Mortis in der Live Music Hall in Köln am 08.10.2009

Saltatio Mortis säen Wind in Köln
Saltatio Mortis säen Wind in Köln

Eines sei gleich vorne weg erwähnt: Es war ein tolles Konzert und trotz kalten und regnerischen Wetters vor der Tür brachten Saltatio Mortis, wie schon fast nicht anders zu erwarten, die Halle zum Kochen!

Doch widmen wir uns erst einmal der Vorband namens Honigdieb, die von Alea höchstpersönlich angekündigt wurde. Ihren Namen hat sie nach eigener Aussage von einem afrikanischen Vogel abgeleitet, der mit seinem Gesang Dachse zu Bienennestern führt. Nachdem diese das Nest geplündert haben, bleibt noch genug Honig für den klugen Vogel übrig, an dem er sich bedienen kann, ohne sich noch mit dem erbosten Bienenschwarm herumschlagen zu müssen. Und der Name passt, denn die Band bedient sich schamlos bei allem, was ihr unter die Finger kommt. Inhaltlich ist das eine Mischung aus Küchenpsychologie, Lebensweisheiten, Platitüden, Kinderreimen, Albereien und – hin und wieder – Tiefsinn. Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Chanson, Pop, Punk, Ska, Indie, Rock, Soul …

Überraschend anders: Honigdieb
Überraschend anders: Honigdieb

Klingt chaotisch? Ja!
Klingt bescheuert? Ja!
Klingt … langweilig? NEIN!

Als die Band um 19:50 Uhr die Bühne betrat, war meine erste Assoziation Coppelius, denn Frontmann Sir Hannes erschien in Gehrock und Zylinder. Das war es dann aber auch schon mit der Ähnlichkeit, denn Honigdieb ist nun mal, wie es im ersten Song so schön hieß, „vielleicht einzig, aber nicht artig“. Das stellten sie musikalisch unter Beweis mit Songs wie Seelentropfen, Unterwegs in Sachen Liebe oder Ich Gott. Und Sir Hannes griff tief in die Klamottenkiste, entledigte sich des Gehrocks und Zylinders, trug mal eine Militärkappe, mal eine wuschelige Fellmütze und kaputte Sonnenbrille, stellte seinen nackten Oberkörper zur Schau oder wedelte mit einem weitärmeligen Rüschenhemd über die Bühne und schreckte auch nicht davor zurück, sich einen LED-Blinker in die Hose zu stecken. Zauberhaft wurde es, als er eine weiße Taube (nein, keine echte!) um sich kreisen ließ, und böse, als eine Zuschauerin in Bühnennähe wohl etwas zu laut ein Liebeslied hören wollte: „Was hast du gesagt? Du möchtest gerne mal ein Liebeslied hören? Ja, du siehst auch so verträumt aus. Für dich!“ Der Song Madame mit Versen wie den folgenden war allerdings wohl nicht so ganz das, was die Frau gemeint hatte:

Sir Hannes
Sir Hannes

Du hast mich betrogen, des öfteren belogen, die Karten in Einbahnstraßen verteilt.

Du warst Dir zu sicher, einfach zu sicher, jetzt hörst Du mich kichern und Dein Auge das weint.
Du spielst mit der Liebe, hast krankhafte Triebe und der Teufel der lacht heut´ Nacht.
Kannst all das machen, was immer Du willst – nimm Deine Sachen – zum Abschied ein Lachen

Fick Dich ins Knie Madame, Madame, mich kriegst Du nie Madame, Madame
Fick Dich ins Knie Madame, Madame, Madame – Madame

Quasi als Entschädigung folgte jedoch noch Ach, du süße Kleine, wo es dann doch etwas romantischer wurde.

Nach 50 Minuten war Schluss. Es gab lauten Applaus und auch deutliche Zugabe-Rufe, die leider unerhört blieben.

Mein Fazit zu dieser Band: Ungewöhnlich, witzig, innovativ. Ein Live-Auftritt lohnt sich allemal, selbst wenn man sich die Musik zu Hause vielleicht nicht freiwillig anhören würde.

Während des Bühnenumbaus war, etwas ungewohnt an diesem Ort, Klaviermusik zu hören, die mir irgendwie vertraut vorkam.

Doch dazu am Ende mehr. Die bei Honigdieb noch angenehme Ellenbogenfreiheit bietende Halle füllte sich währenddessen zusehends.

Lasterbalk an den Drums
Lasterbalk an den Drums

Dann erklang das Intro, die Bühne wurde in blau-violettes Licht getaucht, Lasterbalk der Lästerliche nahm seinen Platz hinter den Drums ein, auch die anderen Bandmitglieder erschienen, zuletzt unter tosendem Applaus Frontmann Alea der Bescheidene, und es ging los mit Rastlos, einem Titel der sowohl die Band, als auch insbesondere Alea und eigentlich das ganze Konzert beschreibt:

Rastlos wechseln Saltatio Mortis zwischen „klassischer“ Mittelaltermusik und Mittelalter-Rock hin und her und entwickeln sich dabei noch ständig weiter, warten immer wieder mit Überraschungen auf.

Rastlos sprintete Alea über die Bühne, animierte das Publikum und band die Bandmitglieder in launige Anmoderationen ein.

Der Tanz der Sackpfeifen ...
Der Tanz der Sackpfeifen ...

Rastlos ging es musikalisch über diverse SM-Evergreens wie Dunkler Engel, Tod und Teufel oder Uns gehört die Welt auch noch quer durch das neue Album Wer Wind saet. Und nach jedem Stück gab es tosenden Applaus, es wurde immer wärmer, die regennasse Kleidung der Gäste begann zu trocknen. Dafür bildete sich in der Halle allmählich ein feuchtwarmes Dschungelklima, was der Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat.

Zwischendurch wirbelten Falk und El Silbador mit ihren Sackpfeifen umeinander, dass man sich nur wundern konnte, dass die dabei keinen Drehwurm bekamen.

Bei Aus Träumen gebaut wogten Hände und Feuerzeuge im Saal.

Eindrucksvoll dann Ebenbild, bei dem die erste Strophe a capella gesungen wurde.

Nach Wirf den ersten Stein war auch Alea deutlich bewegt und kommentierte: „Was wir in den letzten zwei Wochen erlebt haben … FÜR SOLCHE LEUTE MACHE ICH DAS!“

Alea der Bescheidene liebte die Kölner!
Alea der Bescheidene liebte die Kölner!

Was denn – nach Uns gehört die Welt sollte schon Schluss sein? Nein, natürlich nicht! Mit lautem „Ohhh-hohoho-hoho-HOOO-ho!“ (aus dem Spielmannsschwur) gelang es den Kölnern, die Musiker zurück zu holen. Zu Falsche Freunde ließ Alea sich durch die Menge zu der netten Dame am Mischpult und wieder zurück zur Bühne tragen, was ohne Unfall gelang. Mit dem Spielmannsschwur verabschiedete sich die Band dann ein zweites Mal.

Doch auch das war nicht genug. Noch ein drittes Mal mussten alle zurück kommen und beendeten schließlich mit Dunkler Engel und Letzte Worte das Konzert. Eigentlich wollten die Fans sie noch immer nicht gehen lassen, obwohl die Luft inzwischen zum Schneiden und die Band offensichtlich am Rande ihrer Kräfte angelangt war. Doch ein Hinweis Aleas darauf, dass ein befreundeter Pianist einige ihrer Stücke für Klavier umgeschrieben habe und man diese auf einem USB-Stick am Merchandise-Stand kaufen könne, half dann doch etwas, die Menge zu zerstreuen. Damit war natürlich auch geklärt, was das denn war, was in der Umbaupause eingespielt worden war!

Fazit: Es war ein absolut gelungener Abend mit interessanter und überraschender Vorband und rundem und gelungenem Hauptprogramm. Saltatio Mortis werden von Mal zu Mal besser und haben den Spagat zwischen Mittelalter und Rock sehr gut gemeistert, indem sie einfach beides machen. Auch wenn man ihre Alben kennt, lohnt sich der Besuch eines Konzerts immer, denn die Songs werden dort oft etwas anders präsentiert (siehe Ebenbild) und in den Anmoderationen erfährt man so ganz nebenbei noch das eine oder andere mehr oder weniger intime Detail aus dem Leben der Spielleute. Prädikat: Empfehlenswert!

Das Konzert besuchten für die Schwarzen News midnight-ivy (Text) und Tom Plum (Fotos).

Setliste Saltatio Mortis

Prädikat: Empfehlenswert!
Prädikat: Empfehlenswert!

Rastlos
Miststück
Tod und Teufel
La Jument
Kaltes Herz
Tritt ein
Salome
Worte
Aus Träumen gebaut
Koma
Ebenbild
Salz der Erde
Varulfen
Vergessene Götter
Prometheus
Wir säen den Wind
Wirf den ersten Stein
Uns gehört die Welt

Zugabe 1
Keines Herren Knecht
Freunde
Spielmannsschwur

Zugabe 2
Spielmannsschwur
Engel
Letzte Worte

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