Legio Mortis

Legio Mortis – Theatre Of Morbid Visions (Review und Kritik)

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„Theatre Of Morbid Visions“ – so nennt sich das zweite Studioalbum der Death-/Blackmetaller Legio Mortis, dass in Zusammenarbeit mit Alexander Krull produziert worden ist. Gegründet haben die vier Franken Legio Mortis bereits 1997, jedoch warfen mehrere Mitgliederwechsel die Band immer wieder zurück. Auch wenn ich von den ersten beiden Scheiben der Band noch nie ein Wort gehört hatte, geschweige denn der Band, kann ich sie jedem ans Herz legen, der sich nicht zu „trve“ für ab und an auch softere Keyboardklänge und Melodien kombiniert mit hartem Metalsound fühlt.

Vorhang auf! Willkommen im Theater der morbiden Visionen! Legio Mortis – allein bei dem Namen musste ich zunächst an irgendeine kleine Pseudo-Mittelalter-Rockband denken, die sich für die großen Nachkommer von Saltatio Mortis halten. Am besten noch Female-Fronted, das liegt ja grad so schön im Trend. Weit gefehlt, sage ich euch. Namen wie Satyricon und Sisters of Mercy, die gleichsam wie Legio Mortis beim Battle of Metal im Juli 2007 auftraten, dürften die Vorstellung des Hörers in eine korrektere Richtung weisen.

Bei diesem Theaterstück gaben sich Legio Mortis kräftig Mühe: So unterteilten sie das Album in drei Akte, welche jeweils mit einem kurzen Intro aufeinanderfolgen. Der erste Akt handelt von der Rückkehr der Dunkelheit. Ganz nach der alten Theaterregel „Der Beginn des Stückes und das Finale müssen überzeugen, dazwischen kann man sich ruhig etwas erlauben“ beginnt die Scheibe mit „Into The Shadows“, und die Rechnung geht auf. Positiv überrascht von hartem Geknüppel und gutturalem Gesang, aber trotzdem atmosphärischen Keyboardklängen bleibt ein erster Eindruck, der neugierig macht, was diese Band weiter zu bieten hat. Leider wird das durch den weichen, fast schnulzigen Klang des folgenden Tracks „The Night We Returned“ gleich wieder gedämpft – wäre da nicht noch der Gesang, läge die Assoziation zum Goth-Rock nahe.
Doch der erste Akt ist noch nicht vorbei! Mit „Collector Of Souls“ gibt es, auf gut deutsch gesagt, nochmal tierisch eins auf die Fresse. Hier prügelt sich der Drummer sich wirklich die Seele aus dem Leib, was sich mit düsteren Growls und harten E-Gitarren-Riffs zu einem tollen Track zusammenfindet, abgerundet durch die diesmal – gottseidank – dezenten, atmosphärischen Keyboardklänge.

Im zweiten Akt dominieren die Kreaturen der Hölle die Bühne. „Return Of Evil“ greift das typische Motiv der Christenverfolgung auf, „Dark Wings of Silence“ ist ganz aus der Perspektive der geflügelten, jagenden Höllenkreatur gehalten und „Touched By Demons“ thematisiert die schwarze Seele in jedem von uns, die nur auf ihren Moment der Herrschaft wartet. Allesamt grundsolide Songs, im Stil sehr ähnlich und in sich doch facettenreich. Stark drängt sich die Assoziation an Melodic Death Metal a la Wintersun auf, einzig bleiben Legio Mortis ihrem Gesang in Form von Growlen und Screams/Shouts treu.

Wie könnte es anders sein, wird im dritten Akt die schrecklichste Art aller bösen Kreaturen beschworen, die Menschheit selbst. „Virus Called Human Race“ weist hier experimentelle Klänge auf, unter anderem wird ein Stimmverzerrer genutzt. Die so entstehende Atmosphäre erinnert an die Wahrnehmung durch eine Atemschutzmaske mit Blick auf eine zerstörte, lebensfeindliche Welt. Nicht nur die treffende Thematik, sondern auch die rockige Riffs und die Abwechslung der Shouts und Growls innerhalb der Textpassagen machen den Track zu einem Highlight der Scheibe. „Through The Eyes Of Death“ ist dann wieder ein ganzes Stück melodischer, da hilft bei dem langen Stück (5:43) auch der gegrowlte Gesang nicht drüber hinweg. Mit „Time To Suffer“ folgt nochmal ein vergleichsweise kurzes, dafür aber umso energiegeladeneres Finale des dritten Aktes, in dem sich die atmosphärischen Keyboardklänge in den Rahmen des Werks dezent eingliedern. Ein würdiger Track, den Legio Mortis zum Abschluss liefert.

Dass Legio Mortis ihr Musizieren Spaß macht, stellen sie nun ultimativ mit dem letzten Track des Tonträgers zweifelsohne unter Beweis: „Around The World“, richtig, eine Coverversion der Eurodance-Gruppe ATC sorgt für einen Lacher, der beim Hören tierisch Spaß macht und beinahe vom Unterhaltungswert an Britneys Blackmetal-Scheibe anlehnt. Ganz klar ist: Bei Live-Auftritten hat der Track einen Partyzwang für jeden Hörer.

gussiFazit: Legio Mortis bieten hier eine überzeugende Leistung, die sich zwischen Death- und Black-Metal orientiert, aber öfters sehr melodisch wird und stilistisch keinesfalls klar zu erfassen ist. Leider sind die Keyboard-Klänge atmosphärisch oft bremsend und nehmen dem harten Sound mit langweilig anmutenden Ambient-Klängen die Energie. Andererseits finden sich auch echte Highlights auf der Scheibe, die von Geknüppel und lyrisch durchdachten, guttural dargebotenen Gesang zur so strotzen und den Hörer mitreißen.



Tracklist von „Theatre Of Morbid Visions“:

  1. Act1: The Darkness returns
  2. Into the shadows
  3. The night we returned
  4. Collector of souls
  5. Act 2: Of Evil creatures and dark desires
  6. Return of evil
  7. Dark wings of silence
  8. Touched by Deamons
  9. Act 3: Human chasms an thier ending
  10. The virus called human race
  11. Through the eyes of death
  12. Time to suffer
  13. Around the World (la la la la)


( 6 / 10 )
( 6 / 10 )


Anspieltipps:
> Collector of souls
> The virus called human race
> Around the World (la la la la)

Erscheinungstermin:
Bereits erschienen.

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